Bewusster leben. Zufriedener sein.
00:00:00: Ich weiß nicht, was es ist.
00:00:01: Ich glaube, es ist diese Freiheitdrang, den man oft als etwas Junghaftes empfindet.
00:00:08: Also, nicht erwachsen werden wollen, aber das stimmt gar nicht.
00:00:10: Es kann nicht erwachsen werden wollen.
00:00:11: Ich bin einfach ein sehr wissbegieriger, neugieriger Mensch, der gerne neue Sachen lernt und der sich total gerne in Situationen fallen lässt.
00:00:22: Get happy.
00:00:25: Bewusster leben.
00:00:26: Zufriedener sein.
00:00:29: Von und mit Kathi Kleff.
00:00:44: Und ich sage, hallo ihr Lieben.
00:00:46: Schön, dass ihr auch an diesem Freitag, Anfang des Jahres, wieder mit dabei seid, wie immer.
00:00:52: Hoffe ich, dass es euch gut geht, dass ihr in diesem Moment an einem sicheren, an einem schönen, an einem muckeligen Ort seid und dass ihr mindestens schon siebzehn von den neunzehn vorsetzen, die ihr euch fürs neue Jahr gemacht habt, über den Haufen geworfen habt.
00:01:05: Ich hoffe einfach, es geht euch gut.
00:01:07: Das neue Jahr beginnt mit einem für mich sehr besonderen Gast, weil es normalerweise so ist, dass Menschen zu Get Happy in den Podcast kommen und irgendwie so ein Thema mitbringen.
00:01:17: Oder das ist jetzt ein bisschen insider, da sprechen wir gleich über irgendein Hobby, über das wir uns austauschen können.
00:01:24: Und das ist bei meinem Gast in dieser Folge aber ein bisschen anders.
00:01:27: Das, was er tut, in wenigen Worten zu beschreiben, ist ehrlich gesagt auch für mich gar nicht so leicht, weil, und das ist ein Begriff, den ich nicht so richtig schätze, aber es trifft einfach wie die Faust aufs Auge, er so ein Wahnsinns-Multitalent ist.
00:01:41: Er ist
00:01:41: Schauspieler,
00:01:42: er war Ballett-Tänzer.
00:01:44: Er ist Regisseur, er ist Musiker, er ist ein sehr, sehr guter Sänger und seit dem Oktober zwanzig, fünfundzwanzig ist er auch noch
00:01:52: Schriftsteller.
00:01:54: Er hat einen Roman geschrieben, der eine unglaubliche Intensität birgt, der mir sehr, sehr nahe gegangen ist.
00:02:02: Und ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so richtig, wo uns unser Gespräch in der nächsten Stunde hinführt, aber eines weiß ich ganz sicher.
00:02:09: Smalltalk und schön an der Oberfläche rumdümpeln ist sicher was, was er kann, aber ich unterstelle ihm jetzt das, was ihn wirklich erfüllt.
00:02:18: ist der Deep Dive, nämlich wirklich tief zu tauchen und die großen Fragen des Lebens zu stellen.
00:02:23: Und schon allein deswegen ist er in diesem Podcast goldrichtig.
00:02:27: Ich sage herzlich willkommen, lieber Daniel Donskoy.
00:02:30: Wow,
00:02:31: das war eine wunderschöne Anmoderation.
00:02:32: Du sprichst so schön.
00:02:34: Vielen, vielen Dank.
00:02:34: Voll
00:02:35: toll, so ganz sehr schön einfach, wirklich sehr energetisch, fantastisch.
00:02:41: Vielen Dank.
00:02:42: Ich habe auch tatsächlich, ich weiß nicht, ich glaube an Energien, ich weiß nicht, ob es dein oder meines, aber ich hatte tatsächlich ein bisschen eine Gänsehaut in der Anmoderation.
00:02:49: Ja?
00:02:49: Vielleicht war ich aber auch ergriffen von meinen eigenen Worten.
00:02:52: Ja,
00:02:53: ich bin auch so ein totaler Energiemensch.
00:02:54: Ich finde, man spürt Menschen immer sehr.
00:02:57: Ja.
00:02:57: Also vor allem im Sprechen merkst du direkt, ob jemand quasi in seinem Körper und in seinem Körper zu Hause ist.
00:03:03: Bist du?
00:03:04: Ja, das war ein langer Weg, kann ich dir sagen, tatsächlich im eigenen Körper zu Hause zu sein und etwas, was man ja als Schauspieler Lernen muss, besonders wenn man durch so viele hohe Schulen gegangen ist, wie du das bist.
00:03:17: Es ist ein interessanter Weg.
00:03:18: Du lernst ja auf der einen Seite, ja an deinem Körper zu Hause zu sein und auf der anderen Seite, dein Körper auszuleihen.
00:03:26: Für die Gedanken und Worte anderer.
00:03:29: Ich liebe das Schauspiel, aber ich glaube, ich brauchte auch noch andere Ausdrucksformen, weil natürlich das Schauspiel birgt im Grunde ja das Ausleihen.
00:03:41: Deines Mundes, deiner Augen, deiner Sinne, für die Worte anderer, was ein wundervoller Akt ist.
00:03:49: Wenn man dann aber ganz, ganz lange dreht und vor allem beim Drehen ist das so, hab ich immer das Gefühl, man kann auch sehr schnell zu einer Hülle werden.
00:03:57: Weil man sich halt immer nur befüllt mit was anderem und hat dann kaum noch Zeit irgendwie dieses eigene, wer bist du denn, was fühlst du denn?
00:04:06: Deswegen bin ich sehr, sehr glücklich, dass ich diese anderen Ausdrucksformen auch gefunden habe und Ja, mich frei durch diese Welten bewegen darf.
00:04:15: Das war auch ein langer Weg dahin, muss man sagen.
00:04:18: Man wird ja gerne immer betitelt, dass der macht das, die macht das.
00:04:24: Simpel Schublade.
00:04:25: Und es war ein langer Kampf, quasi das Schublade rauszukommen.
00:04:28: Ich bin immer sehr froh, da stand festgeblieben zu sein.
00:04:32: Es ist eine wunderschöne Formulierung, dass du deinen Körper leist.
00:04:36: Das habe ich so noch nie gehört.
00:04:38: Aber das trifft es sehr gut und ich glaube diese, da kennst du dich natürlich besser aus, weil du viel mehr Schauspielerinnen und Schauspieler kennst als ich, aber ich glaube dieses, dass man ein bisschen auf der Strecke vielleicht vergisst, wer man eigentlich wirklich ist, wenn du immer nur als Downloadgefäß für Rollen und für andere Charaktere zur Verfügung stehst.
00:04:58: Das kann ich mir schon vorstellen, dass das nicht ohne ist.
00:05:01: Man muss einfach, glaube ich, dann ganz arg darauf achten, dass man es A nicht vergisst und B, dass man es auch immer wieder neu lernt, weil man verändert sich ja zum Glück.
00:05:10: Und quasi lernt man ganz früh in der Schauspielschule, quasi eben dieses, wer bist du?
00:05:15: Quasi das rausgehen aus der Rolle und zurück in den eigenen Körper.
00:05:20: Das Problem ist natürlich, wenn man es irgendwann sich beigebracht hat, hat man es ja in einem gewissen Punkt im Leben gemacht.
00:05:25: Man kann aber nicht immer zu diesem Punkt zurückkehren, weil man verändert sich ja.
00:05:29: Man lernt aber so Technik und so Methodik, mit der man in den Körper zurück kommt, aber Wenn das z.B.
00:05:36: während der Schaufelschule passiert ist, liebe mir, da war ich zwanzig Jahre alt.
00:05:40: Wenn ich dahin zurückkehlen würde die ganze Zeit, dann wäre ich infantil heute.
00:05:43: Ich wäre, ich hätte nicht die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln als Mensch.
00:05:47: Und diese ständige Weiterentwicklung mit einzubeziehen in das zurückkehlenen Körper ist halt einfach total wichtig.
00:05:55: Und manchmal weiß man ja in der, also du weißt ja oft erst in der Retrospective, wie du dich entwickelt hast.
00:05:59: Das ist ja kein, oh, ich weiß jetzt, wer ich bin, ist ein, also ich wünsche, das wäre so leicht.
00:06:05: Aber es ist ein Prozess, den Menschen wahrscheinlich bis zu dem letzten Tag eigentlich vollziehen.
00:06:11: Ich habe mich natürlich sehr mit dir beschäftigt in den letzten Tagen und Wochen, dass mich durch den Herbst begleitet mit deinem Roman Brennen, über den wir natürlich sprechen werden.
00:06:20: Und ich habe ganz viele, deswegen habe ich mich auf das Gespräch geführt, weil ich freut, weil ich finde, dass du einfach ein interessanter Mensch bist.
00:06:26: Und ich habe dir das in der Anmoderation unterstellt, dass du sicherlich Small Talk kannst.
00:06:32: Aber auf mich doch wirkst wie ein Mensch, der wirklich interessiert ist an den großen Fragen des Lebens.
00:06:38: Und so Impulse, die ich hatte, als ich tiefer in deine Biografie eingetaucht bin, waren, du wirkst auf mich wie jemand, der sehr früh erwachsen sein musste, auf der einen Seite.
00:06:50: Und auf der anderen Seite, du wirst diesen Monat thirty-six.
00:06:54: auf der anderen Seite aber sowas unheimlich, jungenhaftes und kindliches dir beibehalten hast.
00:07:00: Und das ist natürlich eine ganz interessante Amivalenz.
00:07:02: Gute Beobachtung.
00:07:03: Ja, es ist wirklich so.
00:07:03: Ich frag mich das manchmal.
00:07:05: Also ich fühle mich manchmal wie neunzig und wie neun.
00:07:08: Also wenn man... Schön.
00:07:12: Ich weiß nicht, was es ist.
00:07:13: Es ist wie so ein... Ich glaube, es ist diese einfach Freiheitdrang, den man oft als was Junghaftes empfindet.
00:07:22: Also nicht erwachsen werden wollen, aber das stimmt gar nicht.
00:07:24: Also es kann nicht erwachsen werden wollen.
00:07:25: Ich bin einfach ein sehr... wissbegieriger, neugieriger Mensch, der gerne neue Sachen lernt und der sich total gerne in Situationen fallen lässt, auch wenn wir die Konsequenzen nicht bewusst sind.
00:07:39: Und das ist vielleicht etwas, was in Anführungszeichen kindlich ist.
00:07:42: Aber diese kindliche Nervität ist eigentlich was Faszinieres und ich versuche auch wirklich und will das so lange wie möglich für mich so bewahren.
00:07:50: Dass Erwachsen werden, hab ich nicht geschafft so richtig.
00:07:53: Ich bin gut darin, Disziplin kann ich.
00:07:56: Wollte ich gerade sagen, das glaube ich dir nicht.
00:07:58: Also ich glaube auch in gewissen Bereichen, dass du erwachsen lernst.
00:08:00: Disziplin.
00:08:02: Disziplin, harte Arbeit.
00:08:08: Das ist, glaube ich, doch Punkt.
00:08:10: Das sind die zweite Dinger.
00:08:13: Wenn ich mir was vornehme, mache ich das.
00:08:15: Auch mit einer, also nicht mit einer Verbissenheit, aber mit einem, wenn ich mich fest kralle, dann mache ich es auch bis zum Ende.
00:08:25: Man müsste jetzt erwachsen werden, definieren.
00:08:29: Ich glaube, die Definition von erwachsen werden ist ganz oft eigentlich Kompromisse und für viele Menschen.
00:08:38: Und das hat mir irgendwie nie gefallen.
00:08:40: Und deswegen lebe ich relativ wahrscheinlich entlang der Konvention und gerne in ihnen.
00:08:46: Ich mag immer nicht, wenn man mir was aufstülpt.
00:08:50: Lebenskonzepte von A bis Z also... angefangen von, wie man zu arbeiten hat, wie man zu leben hat, wie man zu lieben hat.
00:08:56: Also da ist schon, ich finde, gibt es so viele schöne Alternativkonzepte.
00:09:00: Na ja, du bist
00:09:00: im Sternzeichen Wassermann.
00:09:01: Die lassen sich ungern domestizieren.
00:09:04: Ja, genau, ungern.
00:09:06: Das Element Feuer spielt in deinem Leben eine große Rolle.
00:09:09: Brennen heißt der Roman.
00:09:11: Du hattest auch die Geschichte, das du oft schon erzählt, auch mit dem Element Feuer.
00:09:15: Leider muss man sagen, auch in deinem Privatleben schon zu tun.
00:09:19: Was bedeutet... Weil das Element Feuer ist auch so vielschichtig unheimlich valent.
00:09:24: Es kann totale Zerstörung bedeuten.
00:09:26: Es kann aber auch als Element die Urkraft sein, der Beginn von allem.
00:09:31: Es kann der Vönig sein, der Niederbrennt, um sich dann viel stärker, schöner, resilienter aus der Asche zu erheben.
00:09:39: Was bedeutet für dich ganz persönlich das Element Feuer?
00:09:42: Absolute Lebendigkeit, Umtriebigkeit, Vielschichtigkeit.
00:09:49: Es bedeutet für mich Bewegung, ständige Bewegung, einen nicht eingefangen werden können.
00:09:55: Und auf der anderen Seite, wenn es ein kleines Feuer ist, ein bisschen Wasser.
00:10:00: Und dann ist es weg und es aus sehr krassen Stärke ist.
00:10:03: Und dann ist nichts mehr da, außer das, was zerstört wurde.
00:10:06: Also wenn das Feuer weg ist, siehst du ja im Ende nur noch das, wenn es gebrannt hat, was dem Feuer zum Opfer gefallen ist.
00:10:13: Aber das Feuer selbst ist nicht mehr da.
00:10:15: Wenn Wasser irgendwie noch bis es nass.
00:10:17: Und beim Feuer klar, also wenn du was verbrennst, es wird warm, aber dieses, diese Flamme, dieses Gebilde an Gasen, die verbrennen, die, das hat für mich was total Mystisches.
00:10:29: und irgendwie, fast ich als Kind schon, ich hab das Feuer immer geliebt, wenn es irgendwo einen Ofen gab, ich hab mich davor gesetzt, wenn es irgendwie alles an was man verbrennen konnte oder anzünden konnte.
00:10:40: Ich hab einfach immer dieses Feuer geguckt und dieses in das Feuer schauen und ich hab irgendwie mein Gefühl, das kann mit einem sprechen und viel mehr als jedes andere Element.
00:10:50: Dieses Element und auch diese Feuerheit hat ja auch etwas sehr verzehrendes und ich finde, das ist auch eine schöne Energie, die man in deinem Roman sehr spürt.
00:11:02: Nämlich, dass sich verzehren nach dem Leben mit der Bereitschaft, sich auch ordentlich die Finger zu verbrennen.
00:11:09: Das ist ein Roman, der natürlich rein fiktiv ist.
00:11:13: Wahrscheinlich hat er das ein oder andere autobiografische Element.
00:11:16: Willst du verraten, wie viel prozentual-autobiografisches sich darin versteckt?
00:11:20: Es
00:11:20: ist schwierig.
00:11:21: Ich glaube, egal was man schreibt, steckt sehr viel autobiografisches drin.
00:11:24: Weil man beschreibt, egal was man beschreibt, immer aus der eigenen Perspektive.
00:11:27: Auch wenn man einen Character schreibt, schreibt man ja einen Protagonistin und gibt dieser Protagonistin eine Sicht auf die Welt und die ist immer getönt in dem, was wir erlebt haben.
00:11:37: Ich glaube, davon kann man sich und ist auch gut so, nicht freimachen, weil dadurch ist ja jede Kunstschaffung Individuell.
00:11:45: Ich habe hier fünf extrem einstehende Momente in meinem Leben rausgesucht, von denen ich mich habe inspirieren lassen, weil meine große Frage war, du sprachst von Oberflächlichkeiten.
00:12:01: Wie würde man jemandem, den man zwölf Jahre nicht gesehen hat, sein Leben erklären?
00:12:04: Teile in dem Buch.
00:12:05: Teile.
00:12:07: Und das ist eine ganz schwierige Frage, weil wie willst du ihn um zwölf Jahre erklären?
00:12:11: Man könnte jetzt anfangen, Im ersten habe ich das gemacht, am zweiten habe ich das gemacht.
00:12:15: Und man gerede oft generell, wenn man Leute lange nicht sieht, in so oberflächliche Gespräche, in denen man versucht, so viel wie möglich Masse irgendwie abzudecken.
00:12:23: Und dann aber es nicht schafft zu erzählen, was einem einen zu dem Menschen macht, den man geworden ist.
00:12:31: Und ich glaube, nach unserer Sozialisierung und nach dem Elternhaus und nach der Erziehung kommen halt eben Momente mit Entscheidungen, die einen verändern.
00:12:40: Und es gibt Entscheidungen, die verändern einen für immer.
00:12:43: Weil das Leben ist so eine Art, finde ich, immer ein schöpferischer Akt.
00:12:46: Und du bist wie so eine Leinwand am Anfang.
00:12:49: Und die ist blank und es ist ein wunderschönes Ding, diese blanke, schöne Leinwand.
00:12:55: Und dann fangen sich an, gewisse Sachen in diese Leinwand erst vielleicht.
00:13:00: Kleine Kratzer, kleine Kerben, Farben, Tönungen.
00:13:06: Und dann gibt es Momente, die brennen sich in die Leinwand.
00:13:08: Das geht nie wieder weg.
00:13:11: Und ich habe mir fünf solche Momente aus meinem Leben gesucht.
00:13:18: Und entlang dieser Momente versucht, dann eine literarische Figur zu schaffen, die von diesen Momenten inspiriert, die schlimmsten Sachen durchlebt, die sie kann.
00:13:30: Also von Verlust bis unaffüllte Liebe bis wirklich die hartesten Exzesse, die Suche nach sich selbst, um am Ende eigentlich nur eine Lebensbeichte zu geben, dem Freund, den man zwei Jahre nicht gesehen hat, den man vermisst, den man liebt, in dem Romantisch sind.
00:13:46: Sie haben eine Freundschaft, das ist gefühlt fast romantisch, aber eigentlich ist es auch eine Bruderlichkeit und so eine einfach extreme Liebe.
00:13:55: Und wie kriegt man es hin, diesen Menschen oder egal wem zu erzählen, wer man ist?
00:14:01: Das lernen wir irgendwie alle gar nicht.
00:14:03: Wir lernen selbst zu verstehen, wer wir sind.
00:14:06: Wie berichtest du darüber?
00:14:07: Wie?
00:14:08: Ich weiß, wie machst du das, wenn du jemanden lange nicht siehst und die fragen dich, wie geht es dir?
00:14:11: Das ist eine ganz schwierige Antwort.
00:14:12: also, oder?
00:14:13: Wirklich.
00:14:14: Ja, ich glaube, gerade hier in Deutschland und das Thema Heimat des eines, das ich mit dir auch natürlich sehr, sehr gerne beleuchten möchte, wenn du magst, sind wir, vielleicht kann ich es nicht in Deutsch, es ist vielleicht ein westliches Phänomen, dass wir doch sehr darüber definiert sind, was wir machen.
00:14:31: Also wenn wir gefragt werden, wie geht's dir, dann reden wir, also ich merke, die Menschen, die Familie haben Antworten dann oft im... Die Kinder.
00:14:40: Die Kinder oder mein Mann hat oder meine Frau hat.
00:14:43: Stimmt.
00:14:44: Und es ist aber auch häufig, man findet die Brücke über den Job.
00:14:49: Aber in meiner Generation, wie ein paar Jahre älter als du, ich würde mir wünschen, dass wenn dich jemand fragt, egal wie lange man sich gesehen hat, wirklich mal kurz innehalten könnte und sagen würde, warte, lass mal kurz einschicken.
00:15:03: Wie geht's mir eigentlich?
00:15:04: Gute Frage.
00:15:05: Sekunde.
00:15:06: Genau, macht man nicht, ne?
00:15:08: Weil Impulse ist gut.
00:15:09: Ja,
00:15:09: genau.
00:15:10: Ja, alles super.
00:15:10: Ja, gut.
00:15:12: Vielleicht.
00:15:14: Bröckels, Bröckels, Bröckels.
00:15:16: Aber da ganz tief, da geht man auch nicht rein.
00:15:17: Also sogar mit Freunden.
00:15:22: Es ist nicht immer einfach, da hinzugehen.
00:15:27: Weil man ja viele Sachen wirklich, hab ich das Gefühl, manchmal sogar erst Jahre später weiß, wie es einem gegangen ist an dem Tag.
00:15:34: Weil es vielleicht zwei Jahre Selbstreflektion bedarf hat.
00:15:40: Und da ist natürlich ein Buch ein total dankbares Mittel, ne?
00:15:43: Weil du kannst sehr lange darüber nachdenken, wie dieser eine Moment sich angefühlt hat und dann die Fiktion mit rein tun und sagen, okay, wenn er sich so angefühlt hat, was bedeutet das?
00:15:56: Und was bedeutet das für den Protagonisten des Buches?
00:15:59: Ich weiß nicht, sich zum Beispiel entscheiden nicht ins Militär zu gehen.
00:16:03: Und dann best davon gedienen und du nicht.
00:16:06: Ist etwas, was ich so plus-minus auch erlebt habe.
00:16:11: Das wusste ich jetzt Jahre später, was das mit mir gemacht hat.
00:16:13: Das wusste ich in diesem Augenblick nicht.
00:16:14: Ich war mit achtzehnten einfach in Berlin und meine Freunde waren halt Militär.
00:16:20: Und klar gab es hier und da mal so ein kleines Schuldgefühl vielleicht, aber nicht in der Bandbreite,
00:16:26: die ich,
00:16:27: wenn ich darüber schreibe.
00:16:28: heute, vierzehn Jahre später, fünfzehn Jahre später, kann ich durch ganz viel Reflexion wirklich herausarbeiten, was Schuld bedeutet.
00:16:44: Weil die habe ich damals so nicht gespürt.
00:16:46: Die kam wirklich erst in der Retrospective und das ist eigentlich das Schöne an Gefühlen.
00:16:49: Das Gefühl
00:16:50: von Schuld.
00:16:50: Ja, weil Gefühle sind etwas, die bauen sich auf.
00:16:58: Und man spürt ja nicht ein durchgehendes Gefühl.
00:17:01: Es gibt nur wieder Momente im Leben, die einen erinnern und plötzlich versteht man die Situation ganz anders und denkt sich, oh, um Gottes Willen.
00:17:09: Alles, was ich dachte, stimmt überhaupt nicht.
00:17:14: Und das war ein dankbarer Prozess in diesem Buch.
00:17:16: Das heißt, da steckt viel von mir drin, von meinen Gedanken, von erlebtem auch und dann ganz viel mehr in der Fantasie, weil ich mir diese Momente so ausgebaut habe in der Form, was ist das Schönste?
00:17:30: wie das Leben hätte sein können oder das Schrecklichste, was du dir nie im Leben wünschen würdest.
00:17:38: Ja.
00:17:39: Woher wusstest du, dass du so schreiben kannst?
00:17:41: Das ist eine sehr besondere Art zu schreiben.
00:17:43: Dankeschön.
00:17:43: Ich hatte gar keine Ahnung, wie ich schreiben.
00:17:45: Also werde... Ich wusste nicht, wie ich... Also ich... Es kamen raus wirklich.
00:17:52: Ich habe mich erst hingesetzt und ich habe angefangen zu schreiben, nachdem ich tatsächlich bei Dreharbeiten in Russland war.
00:17:59: Bekurs von Russischen Angriffskrieg.
00:18:03: Und habe erst versucht, eine Situation zu beschreiben, in der ich sah, wie Panzer auf dem Weg in das Geburtstag meiner Mutter fuhren, einem Set, an dem ich gerade drehte, in Russland im Januar, in den Jahren.
00:18:18: Und ich versuchte die Situation irgendwie, also detailliert wie möglich zu beschreiben, habe aber ganz schnell gemerkt, dieses analytische, ich schrieb am Anfang für ein politisches Magazin, ich sollte es aufschreiben als Art Artikel.
00:18:35: Und ich merkte relativ schnell, diese Art interessiert mich überhaupt nicht, diese Art des Erzählens, quasi das Nacherzählen der Situation.
00:18:44: Und hab dann versucht, aus der Gefühlslage herauszuschreiben, so wie mich hat interessiert, wie kann ich einem Menschen beschreiben?
00:18:53: Nicht was ich spüre, sondern was ich dabei spüre, wenn ich die Person, die neben mir beschreibe, die neben mir steht, beschreibe, die sich diesen Konflikt anguckt, aber eine ganz andere Weltlage hat als ich.
00:19:04: Vielleicht rossisch ist.
00:19:07: diesen Krieg als vielleicht sogar befürwortet.
00:19:11: Und da habe ich relativ schnell festgestellt, okay, da sind die interessanten Sachen.
00:19:14: Also quasi das Beschreiben eines anderen Menschen und was seine Beobachtung mit meinem Gefühl macht, weil dann eröffnest du plötzlich ein Bild, dann gibst du plötzlich ein Horizont und dann kann der Leser oder die Leserin im Idealfall wirklich mit dir in der Situation stehen und sie nicht durch deine Augen sehen, sondern eine Situation, die du beschreibst in ihrem Kopf bauen.
00:19:36: sehen, fühlen.
00:19:38: Und das war mir, vielleicht das war der einzige wirkliche Antrieb, aber wie man das schreibt, dann wusste ich auch erst nicht.
00:19:42: Es waren ganz viele Versuche und ganz viele Autos vorlesen.
00:19:45: Ich habe es mir ganz oft selbst laut vorgelesen.
00:19:49: Ich finde diesen Prozess, ich wüsste gleich zehn Podcast-Folgen, die ich mit dir machen würde, ich finde diesen Prozess, diesen, im Englischen gibt es diese wunderbare Formulierung, dass man so connected to source ist, wenn man mit der Kreativität wirklich, wenn man in diese Flow-Zustände kommt über die Rig Rubin, ich weiß nicht, ob du das Buch für Rig Rubin gelesen hast, kreativ die Kunst zu sein, dass ich auch euch übrigens wieder mal an dieser Stelle ans Herz legen möchte, neben dem Buch von Daniel selbstverständlich.
00:20:19: Und wie unerklärlich dieser Prozess in Wahrheit ist, egal ob du jetzt in die Rolle eines anderen Menschen schlüpst oder du.
00:20:28: dich zur Verfügung stellst, damit eine andere Kraft durch die wirken kann oder ob dich zur Verfügung stellst, um ein Buch zur Papier zu bringen.
00:20:34: Wie empfindest du diesen Prozess?
00:20:36: Es ist so ein bisschen lustig, weil ich eigentlich fast gar nichts mehr außerhalb dessen mache.
00:20:42: Ja, man verschwindet so im Tunnel, ne?
00:20:44: Ja.
00:20:44: Und vor allem, ich mach das seit Jahren irgendwie von einem ins nächste.
00:20:48: Und ich bin so, ich bin auch daran, danach bin ich süchtig.
00:20:50: Also wenn ich ein Sucht bin, dann bin ich so süchtig nach genau diesem Zustand, dem Zustand des Aufwachen.
00:20:58: kurz nachdenken, sich erinnern, dass man ja gerade Teil versucht, ein Projekt zu Ende zu bringen und dann wirklich den Körper da reinfallen lassen.
00:21:07: Also manchmal war es wirklich, aber diese beim Schreiben natürlich aufstehen, Kaffee trinken, Hinsätzen schreiben, das ist mir sehr schwer gefallen, physisch, mental aber gar nicht, weil wenn du dann einmal in diesen Geschichten bist, ich bin dann nur noch dort, ich liebe Serien zu schauen, warum?
00:21:27: Weil ich wirklich wenn die Serie gut ist, in der Serie verschwinde.
00:21:31: Also ich glaube wirklich nach ungefähr zehn Minuten, das sind alles meine Freunde und ich lebe mit denen gerade dieses Leben, weil ich weiß nicht, wie so funktioniert mein Kopf.
00:21:40: Ich vergesse, dass ich eine Serie gucke und bin so immersed in diesem in diesem Erlebnis und genauso versuche ich es eigentlich auch deinem Kunstschaffungsprozess zu sein, dass ich mich einfach da fallen lasse.
00:21:51: und wenn ich über einen Sommer voller Sünden in Kalabrien schreibe, dann stelle ich mir wirklich vor, dass ich mit diesen Menschen am Tisch sitze und gerade wir die siebte Flasche Barolo trinken und uns darüber streiten, ob Gott existiert oder wie es sein kann, dass Menschen sich umbringen und wie es sein kann, dass Kriege existieren und dass andere Menschen doch noch an Gott glauben über Sex, über Extasen.
00:22:14: Und dann lebe ich, ich spüre das im Körper einfach.
00:22:16: Also ich bin das dann, ähm, genau.
00:22:21: Ich leide nicht an Psychosen, aber ich versuche, so gut es geht dann wirklich so.
00:22:25: Du
00:22:26: bist einfach durchlässig dann für diese Kraft.
00:22:28: Ist ja was Wunderbares.
00:22:29: Ich muss gerade schmunzeln, weil mir im Hintergrund reinfühlt.
00:22:31: Ich habe gelesen, dass du ursprünglich mal Biologie studieren wolltest.
00:22:35: Die wäre das denn wohl ausgegangen?
00:22:37: Ich habe es tatsächlich dann studiert auch.
00:22:39: Aber nicht lange.
00:22:40: Ja, es wäre nicht ausgegangen.
00:22:41: Ich habe es nicht beendet, weil es ging nicht.
00:22:43: Allein diese Labor-Praktiker.
00:22:47: unter der Hologien leuchte.
00:22:49: Ich kann mich noch erinnern.
00:22:50: Die ersten paar Male saß ich in den mikroskopischen Praktikum, wenn du sitzt und du hörst dieses... und dann nur das Rädchen und dann das kleine Plättchen.
00:23:05: Und ich stand in diesen Räumen und war so, das kann ich nicht.
00:23:09: Wirklich, ich laufe am Mock.
00:23:11: Ich werde spätestens nach einem Jahr einfach... dann kommen die ganzen Tische schenig umwerfen.
00:23:16: Obgleich ist natürlich interessant, darüber zu lernen, wie Foto-Synthese wirklich funktioniert und wie ein Organismus funktioniert und warum wir leben.
00:23:22: und keine Ahnung, wie eine Pflanze sich von Stichstoff ernährt, ist schon faszinierend.
00:23:28: Aber nicht als Beruf, nicht für mich.
00:23:30: Wer deine Biografie nicht kennt, vielleicht für euch mal ein paar Fakten aus dem Leben von Daniel Donskoy.
00:23:37: Du bist geborenen Moskau.
00:23:40: Jüdische Familie, der Papa ist aus Russland, die Mutter kommt aus der Ukraine, ihr seid dann relativ früh nach Berlin.
00:23:46: Später bist du aufgewachsen in Tel Aviv, du warst auf Schauspielschulen in London, du warst auf Schauspielschulen, Least Drasburg, die sehr bekannt ist in New York, hast gelebt in London, in Berlin, in New Jersey, auch in Manhattan, oder?
00:24:00: Ja, ja, beim Studieren.
00:24:01: Beim
00:24:02: Studieren.
00:24:05: Und der Begriff Heimat ist ... Etwas, mit dem du dich auch einfach schon allein aufgrund deiner Biografie beschäftigen musst, vermutlich, weil so viel Heimateinflüsse deinen Sein prägen.
00:24:21: Du sprichst vier Sprachen, mindestens wahrscheinlich.
00:24:24: Du sprichst Englisch, Hebräisch,
00:24:26: Russisch
00:24:27: und Deutsch.
00:24:30: Und wenn man da drauf schaut, wenn man davon nicht betroffen ist, dann wäre mein Erster Impuls, wow, das ist ja toll.
00:24:36: So viele Kulturen, so viele Eindrücke, so viele Einflüsse.
00:24:40: Jetzt habe ich das alles nicht und fühle mich schon entwurzelt und habe immer noch nicht so richtig gefunden.
00:24:45: Was ist eigentlich Heimat?
00:24:46: Was ist Zuhause?
00:24:48: Was ist Angebundenheit?
00:24:49: Wo ist mein Tribe?
00:24:50: Ich suche immer noch meinen Tribe.
00:24:53: Und frage mich dann, wie ist es wohl, wenn man so eine Biografie mitbringt, die natürlich ... Ganz viele positive und tolle Aspekte, weil sie dich vermutlich sehr flexibel macht und sehr elastisch.
00:25:04: Aber vielleicht auch auf der anderen Seite, die dich so ein bisschen entwurzelt hat.
00:25:08: Wie empfindest du das?
00:25:10: Ich glaube, ich würde sehr anders darüber nachdenken, würde ich in einem anderen Beruf folgen.
00:25:14: Dann würde ich wahrscheinlich, ich habe relativ in meinem Beruf vieles nach einer Art Heimat gefunden.
00:25:23: Also das Kulturelle spielt natürlich eine große Rolle.
00:25:28: Ich verbinde natürlich auch mit jeder der Kulturen, in denen ich aufgewachsen bin, in denen ich lebe, verbinde ich einen anderen Lebensabschnitt.
00:25:36: Auch ich verorte ihn woanders im Körper.
00:25:38: Achas.
00:25:39: Ja, also russisch ist halt so das Zuhause von ganz früher.
00:25:43: Und es ist halt Essen und Oma und Klavier und wirrussische Literatur.
00:25:47: Das
00:25:47: ist man in der russischen Küche.
00:25:49: Pilmeni, das ist Maulteschle.
00:25:55: Maulteschle.
00:25:56: Also Pilmeni, so teigt das mit Fleischfüllung oder auch mit Kartoffeln.
00:26:01: Sehr viel Teig und sehr viel Fleisch auch und Butter und Mehl.
00:26:06: Aber ich verorte das dann einfach irgendwie so hier.
00:26:11: Aber nur auf eine gewisse Art und Weise, weil natürlich als ich dann in Russland war zum ersten Mal, habe ich dann hier gesucht.
00:26:18: Und da war nichts.
00:26:19: Da war nichts.
00:26:20: Weil das war nicht das Russische oder die Kultur, die ich kenne.
00:26:22: Das war eine konservierte Form der Kultur, die mir zu Hause beigebracht wurde.
00:26:28: Mit Deutsch, Deutsch verort ich über allem Körper, weil ich einfach in allen meinen Lebensabschnittsphasen bis jetzt in Deutschland auch gelebt habe, immer wieder.
00:26:37: Englisch ist für mich sehr hier, weil ich gelernt habe, auf Englisch mich auszudrücken.
00:26:41: Ich habe gelernt zu formulieren.
00:26:43: Ich habe gelernt zu spielen.
00:26:44: Ich habe auf Englisch das meiste gemacht.
00:26:47: Hebräisch ist irgendwie, hebräisch ist schwebt über mir oder ist, weil es diese ganz alte Sprache und die hat so eine
00:26:55: sehr spirituelle Sprache.
00:26:56: Sehr spirituell total, absolut.
00:26:59: Altes Testament ist einfach auf Hebräisch geschrieben, plus Arameschen zum Teil.
00:27:03: Und es ist interessant, wenn sich das vermischt, ich habe z.B.
00:27:06: wenn ich in Israel meine Familie besuche, Wenn wir am Tisch sitzen, dann sprechen wir auch vier Sprachen, weil mein Bruder ist verheiratet mit einer Amerikanerin, der Mann für meine Mutter ist deutscher Jude, meine kleine Schwester spricht eigentlich fast nur Hebräisch, weil sie in Israel schon geboren ist.
00:27:21: Und ich sitze hier manchmal am Tisch und quasi die einzige Person in dieser Konstellation, dieser großen Familie, mit der ich Russisch spreche, ist meine Marmen.
00:27:27: Und uns verbindet dadurch etwas, weil kein anderer an diesem Tisch ist quasi in der Sowjetunion geboren, nur wir beide.
00:27:36: Das heißt, uns verbindet etwas Spezifisches.
00:27:39: Das bedeutet, dass unsere Verbindung größer oder besser ist, sondern einfach nur uns verbindet ein Fakt, dass wir einen kulturellen Einfluss, der ganz, ganz lange herrschte, beide im Körper haben.
00:27:52: Das heißt, diese Connection habe ich mit jemandem, der nicht in der Silvation geboren ist, nicht.
00:27:58: Aber eine ganz andere vielleicht.
00:28:00: Aber ich weiß, Wenn ich darüber spreche, was ich in der Sowjetunion geboren ist, weiß ich, dass die Einzige, die das wirklich weiß, ist meine Mutter.
00:28:06: Das heißt, du hast über diese Kultur und über dieses geografische, eine emotionale Verbindung.
00:28:12: Aber es ist gar nicht meines, es ist nur das Wissen darüber.
00:28:15: Und deswegen sind diese... Ist die Frage immer so schwierig.
00:28:22: quasi nach der Heimat, also Heimat heute ist, ich freue mich sehr, heute Abend irgendwann nach Hause zu fahren, sage ich nach Hause, ich fahre in meine Wohnung.
00:28:30: In London, ich lebe dort seit ein paar Jahren, ich habe endlich mir quasi so ein Zuhause, in dem ich sehr selten bin, aber das ist mein Zuhause.
00:28:41: Mein Zuhause gerade in meiner Lebensphase ist Ruhe.
00:28:49: Da suche ich, das ist eher Zuhause.
00:28:52: Da ist total toll, mein Zuhause ist echt ruhig.
00:28:54: Ich darf hingehen, ich mach zu und dann bin ich alleine und es ist ruhig und ich kann dort... Mir was Neues überlegen, ganz lange schlafen.
00:29:02: Das ist heute Zuhause für mich.
00:29:04: Und es wird sich wahrscheinlich noch sieben mal ändern, was Zuhause bedeutet.
00:29:07: Aber ich habe keinen Gefühl von Entwurzelnung mehr.
00:29:10: Super schön.
00:29:13: Vielleicht ist es ja auch eigentlich, dass wonach wir alle suchen.
00:29:20: Ich glaube sowieso, dass uns Menschen so viel mehr verbindet als uns bewusst ist, egal aus welchem Land, aus welcher Kultur, aus welcher Zeit wir stammen.
00:29:30: Und ich glaube, dass wir alle uns wünschen würden, das Gefühl zu haben, genug zu sein.
00:29:37: Darum geht es auch in deinem Buch.
00:29:38: Schwieriges Gefühl.
00:29:39: Ja, ich glaube, wir alle sehnen uns nach einem Gefühl von zu Hause und ich versuche auch immer mehr, dieses Zuhause in mir zu finden, in meiner auch Wahlfamilie.
00:29:57: Und diese Sehnsucht nach Zugehörigkeit.
00:29:59: Ich glaube, dass wir Menschen darin alle vereint sind, egal, ob wir Bäcker sind oder Schauspieler, Nobelpreisträger oder...
00:30:06: Hundertprozentig.
00:30:07: Donald Trump.
00:30:08: Auch der wirklich?
00:30:10: Ja.
00:30:11: Absolut.
00:30:11: Auf jeden Fall.
00:30:13: Ja.
00:30:14: Es ist, sagt so genau richtig, uns verbindet eben, dass wir alle fühlen.
00:30:21: Und diese Gefühle sind relativ universell, glaube ich.
00:30:24: Jetzt ist es natürlich sehr schwierig.
00:30:27: bewusst zu sein, ob jetzt zwei Menschen, wenn sie ein Gefühl beschreiben, wirklich dasselbe spüren.
00:30:32: Wir haben ja nur unsere Worte, unsere Gefühle zu beschreiben.
00:30:35: Glaube aber, das ist genau das, was uns alle verbindet.
00:30:39: Dieses Gefühlstiagramm, gibt es ja diese Gefühlsdiagramme, diese unterschiedlichen Tönen, das fühlen wir, glaube ich, wirklich alle.
00:30:46: Und das ist kulturen unspezifisch.
00:30:49: Jetzt gibt es aber trotzdem, glaube ich, gewisse Kulturen, in denen es natürlich mehr kultiviert wird, zu fühlen.
00:30:58: Also das fühlen tun wir alle, aber das kultivieren und herausarbeiten der Gefühle.
00:31:04: Und wie sagt es Tribe, wenn man sich so anschaut, gibt es gerade so ganz viele Diskussionen über diese letzten indigenen Völker, ob man die quasi sozialisieren sollte, ob man sie zur Zivilisation zwingen sollte.
00:31:16: Und jedes Mal, ich frag mich das jedes Mal so, wie fasziniert das eigentlich ist, wenn jemand wirklich, Was unsere Art und Weise kulturell prekieren.
00:31:30: Hierarchische Strukturen lebt in so einem Tribe.
00:31:34: Und auf der anderen Seite denke ich mir, wow, wie schön.
00:31:36: Vielleicht
00:31:36: ist das viel gesünder als das, was wir machen.
00:31:38: Ja, vielleicht ohne diese ganze Reizüberflutung den ganzen Tag.
00:31:41: Vielleicht fühlen die ja zehnmal mehr und viel mal ehrlicher, was Liebe bedeutet oder auch Wut und Angst.
00:31:48: Vielleicht sind wir mittlerweile so... Durch Reize überströmt, dass wir eigentlich gar nicht mehr so viel fühlen.
00:31:54: Das mache ich mir schon so ein bisschen Sorge um die Welt.
00:31:56: Diese Reizeüberflutung führt schon auch dazu, dass man weniger spürt.
00:32:00: Du wirst ja die ganze Zeit mit Dopaminboostern beschossen.
00:32:07: Ich lebe wirklich in London seit Jahren und es ist eine doch auch sehr laute Stadt und du wirst die ganze Zeit bearbeitet.
00:32:14: Kauf das, kauf das.
00:32:15: Am Ende ist ja nur kaufen, kauf.
00:32:18: Städte sind ja auch Kommerz.
00:32:20: Produkte?
00:32:22: Kauf das, kauf das, kauf das.
00:32:24: Noch das, noch das, noch das.
00:32:26: Brauchst du das?
00:32:27: Brauchst das?
00:32:28: Noch das iPhone, das iPhone, das Auto.
00:32:30: Das iPhone, das Auto, das Essen.
00:32:32: Das Essen, das Essen, noch mehr Essen.
00:32:35: Und was lernen wir?
00:32:36: Wir lernen uns ja davon zu schützen.
00:32:38: Das heißt, wir laufen alle mit so durch den Tag und dann das abzulegen am Ende und zu sagen, was spür ich denn?
00:32:45: Wie geht's mir?
00:32:47: Weiß man dann gar nicht mehr?
00:32:48: Hast du das?
00:32:50: Wenn ich sie so zuhör, frage ich mich, weil Gefühlausdruck zu verleihen und zu verkörpern ist ja Teil deiner Ausbildung gewesen, auch als Schauspieler.
00:33:01: Also glaubst du, dass die Ausbildung als Schauspieler dir geholfen hat, auch besser mit deinen Gefühlen in Kontakt zu kommen und ihnen dann auch Raum zu geben?
00:33:09: Nee, mit den Gefühlen... Gar nicht mit meinen.
00:33:13: Ach so, verdammt.
00:33:15: Weil
00:33:15: du ja dir... Also du liest diesen Text?
00:33:17: Ja.
00:33:18: Und man fängt ja wirklich an ganz viel mit griechischer Mythologie.
00:33:21: Da fangen immer alle Schauspielsachen an und du liest irgendwie Antigone.
00:33:24: Und jetzt versucht es mir jetzt wirklich nachzusehen.
00:33:27: Also quasi, sie ist sehr stolz.
00:33:29: Sie will, dass ihre beiden Brüder begraben werden und sie geht gegen ihren Vater.
00:33:33: Und am Ende muss sie quasi, weil sie gesündigt hat und zu stolz war, sterben.
00:33:37: Klingt jetzt erstmal sehr groß.
00:33:40: Und dann liest man das und liest es noch mal und liest es noch mal.
00:33:44: Und dann fragst du, okay, was spürt denn die Antigone?
00:33:45: Wenn ich die Antigone jetzt fühle.
00:33:47: und dann lernst du aber relativ schnell so ein Durchanalysierendes Text und sagt, ah, guck mal, sie ist sehr stolz, sie ist vielleicht gekränkt, weil ihr Vater sie nicht sieht und sie ist traurig über den Tod ihrer Brüder und sie will, dass ihre Brüder begraben werden, dann wird sie argwöhnisch und dann wird sie auch sauer.
00:34:08: Jetzt hast du demso fünf, sechs Gefühlsmomente gegeben.
00:34:12: Die sind aber natürlich von außen projiziert.
00:34:16: Jetzt muss man im Text oder im Spiel.
00:34:18: in der Probe fängst du dann an, herauszuarbeiten, was das mit dir macht und da entsteht das echte.
00:34:24: Wenn du es dann gelernt hast, durchlässig zu sein, macht der andere Mensch was mit dir, weil der Mensch mit dem du spielst, schickt dir was zu, eine Emotion.
00:34:36: Und wenn du es zulässt, löst diese dann was in dir aus und dann ist es eigentlich fast egal, was im Text steht, weil du kannst jede komödes Komediantisch geschriebenes Szene kannst du auch als Todeszenisch spielen, wenn der Mensch, der vor dich hätte den Impuls gibt.
00:34:49: Das heißt, was du wirklich lernst ist, auf die Gefühle anderer zu hören und deinen Körper reagieren zu lassen.
00:34:56: Ohne es manchmal zu verstehen.
00:34:58: Aber die Brücke zur eigenen Biografie fehlt.
00:35:00: Also da steht jetzt keiner und sagt, wann hast du dich so gefühlt, Daniels?
00:35:04: In welcher Situation in deinem Leben ging es dir so viel?
00:35:07: Das gibt es schon.
00:35:08: Also wenn man zum Beispiel Method Acting, also Liz Charlesburg, da wird hier mit sowas gearbeitet und das mag ich gar nicht.
00:35:14: Sehr konfrontativ auch, ne?
00:35:16: Ja, vor allem das sind halt auch keine Psychologen, ne?
00:35:19: Da macht halt jemand was auf und es gibt wirklich so Übungen, damit auch, als ich das studiert habe, es geht so um die traumatischen Momente deines Lebens.
00:35:29: Und dann steigerst du dich da quasi rein, aber es ist ein Raum für Schauspielstudenten und ein Schauspiellehrer, Und wenn bei jemandem da wirklich was knacksmacht und aufbricht, da sammelt dich keiner wieder ein.
00:35:38: Und deswegen bin ich bei solchen Sachen immer so ein bisschen vorsichtig.
00:35:41: Ich habe zum Glück auch eine gute Vorstellungskraft.
00:35:45: Deswegen musste ich bis heute eigentlich sehr wenig Methodaktik nutzen.
00:35:50: Wo ich das einzige, was ich ja benutze, benutze ich auch sehr gerne, ist, man kommt in einen Raum.
00:35:56: Und es geht ja, im Endeffekt geht es ja in eine Szene.
00:35:59: Der Anfang der Szene ist, man kommt über irgendwo rein.
00:36:02: Und ganz oft in den Filmen, man kommt rein, fängt zu sprechen.
00:36:04: Das machen Menschen aber nicht.
00:36:05: Man kommt rein, schaut sich den Raum an.
00:36:07: Fragt, warum die Tösch droht.
00:36:09: Genau.
00:36:09: Warum die Tösch droht?
00:36:10: Habe ich eine Maske auf.
00:36:11: Entschuldigung.
00:36:15: Ja, aber
00:36:15: gut.
00:36:15: Und nachdem es dann geklärt ist, warum das Tod dann da liegt, gibt es einen coolen... Ist wie eine Übung.
00:36:24: Du kommst um vorhin und stellst dir vor, du stehst in einem Zimmer, was dir was bedeutet.
00:36:29: Und du versuchst dir vorzustellen, Wo die Sachen waren in diesem Zimmer, die dir was bedeutet haben, zum Beispiel dein Kinderzimmer.
00:36:38: Und allein, dass du versuchst, dir das anzuschauen und zu überlegen, ah stimmt, da war mein Bett.
00:36:45: Damit zeigst du dem Zuschauer, er weiß ja nicht, worüber du nachdenkst.
00:36:51: Aber er merkt, dass dieser Raum direkt was mit dir macht.
00:36:53: Und solche Übungen im Method-Eckchen sind total cool, also quasi Sense-Memory, dass du eine Erinnerung benutzt, um die Realität zu verändern.
00:37:01: Aber... Ich benutze das alles nur quasi in der Oberfläche und diese ganzen Traumata.
00:37:07: Das ungern fürs Spiel.
00:37:09: Aber ich kann auch so weinen.
00:37:11: Also ich muss zum Glück nicht.
00:37:12: Ich bin relativ nah an meinen Emotionen dran oder nicht an meinen, an einem Pool der Gefühle.
00:37:19: Na gut, aber das ist ja auf jeden Fall schon mal wahrscheinlich mehr als viele andere.
00:37:23: Muss braucht so ein Schluck Wasser?
00:37:24: Guck mal, ich teile was mit mir.
00:37:25: Teile
00:37:25: zum Hier.
00:37:26: Dankeschön.
00:37:27: Merci.
00:37:29: Das ist ja etwas, was... Ja, ich bin immer so versucht zu sagen, wie gesagt, das ist ein deutsches Phänomen.
00:37:35: Aber ich glaube, es ist auch in der westlichen Welt ein Phänomen.
00:37:39: Und ich habe aber doch das Gefühl, dass jetzt in den... Also allein, dass du hier sitzt in deinem Alter und über Dopamin redest.
00:37:47: Das hat sich einfach so krass verändert in den letzten zehn Jahren.
00:37:49: Hätte man Dopamin noch vor drei Jahren in dieses Gespräch eingebaut, hätten sich alle gefragt, hey, ein Dopamin.
00:37:55: Aber welche enorme Rolle Dopamin in unserer Welt spielt.
00:37:59: Auf unsere mentale, gesundheitpsychische Gesundheit.
00:38:03: Es ist total crazy, diese kleinen Höllenmaschinen, die unser Leben und unseren Alltag bestimmen.
00:38:09: Allein, dass wir dieses Gespräch finden, ist ja schon super.
00:38:11: Das ist dabei Menschen was zu ändern.
00:38:13: Ich denke, jedes Mal, das klingt total banal, aber wirklich jedes Mal, wenn ich mich in der U-Bahn jetzt zentere, und da wirklich alle.
00:38:20: Ja.
00:38:21: Ja.
00:38:22: Man will einfach kurz einmal so... Aus der Handschlagen.
00:38:27: Das tut mir auch so leid.
00:38:29: Ich weiß nicht, wie man das verändert.
00:38:30: Wahrscheinlich ist es jetzt einfach zu spät.
00:38:33: Ich hab gehört, dass es in Großbritannien zumindest immer
00:38:36: mehr
00:38:37: Initiativen gibt, die damit eine Früherziehung auch anfangen an den Schulen, den Kindern das wirklich zu vermitteln, was das eigentlich bedeutet und wie wir, heißt so, wir sehen uns noch dieser Verbundenheit und sind aber natürlich immer abgeschnitten voneinander.
00:38:53: Und dann doch lieber auf einer Finke in Kalabrien, wo es wirklich in die direkte Konfrontation geht zwischen fünf bzw.
00:39:01: kurzzeitig auch sechs extremen Charakteren, wo dann, ich hab mir Tats, ein bisschen Leid um Heinrich den Dackel.
00:39:07: Ja, der arme Heinrich, der... ... und
00:39:09: sein Ohr.
00:39:09: Und
00:39:09: sein Ohr.
00:39:10: Ich mag mich gar nicht trauen zu fragen, ob das eine wahre Geschichte ist.
00:39:15: Man weiß
00:39:15: es nicht.
00:39:17: Man weiß es nicht.
00:39:18: Also manche auch diese, ich war im langen Sommer in Calabria auf jeden Fall.
00:39:22: Das darf dir mir schon, dass die Geschichte nicht kann.
00:39:24: Nein, also nicht das ganz komplett gesponnen.
00:39:29: Ich weiß nicht, es hat irgendwie Religion und Schuld und Sünde haben sich sehr in diesen Romanen mit reingeschrieben.
00:39:35: Es passiert mir in letzter Zeit sehr oft, gerade beim Kunstschaffen, dass religiöse Themen sich so mit ein oder zumindest das Untersuchen von religiösen Themen.
00:39:42: Ich bin ein nicht Gottesgläubiger Mensch, aber sehr energieglaubender Mensch.
00:39:49: Also du glaubst an etwas?
00:39:51: Ich glaube an Menschen.
00:39:52: Du glaubst an Menschen?
00:39:52: Ja.
00:39:53: Aber nicht an eine höhere Kraft.
00:39:54: Mhm.
00:39:55: Okay.
00:39:56: Aber an Energien?
00:39:57: Energien.
00:39:57: Weil du wirst in einer gewissen Art Energie geboren und vielleicht kann man das als höhere Kraft benutzen, aber jeder hat irgendwie aus meiner Perspektive irgendeine Art Energie bekommen, die du quasi hast für die Zeit deines Lebens.
00:40:08: Und wo die dann hingeht, danach weiß ich nicht.
00:40:10: Das interessiert mich auch fast gar nicht.
00:40:12: Und ich mich interessiert, wie kultiviert man diese Energie, die man bekommen hat.
00:40:16: Wie kann man das?
00:40:17: Wie kann man sie stärker machen?
00:40:22: Und dann treffen wir ja in so einem Sommer in Kalabrien dann Charaktere offenen.
00:40:25: Und ich habe quasi jeder steht so ein bisschen stellvertretend für eine der sieben Todsünden.
00:40:31: Hm, kriege ich die noch zusammen.
00:40:33: Gehe, Neid, Maßlosigkeit.
00:40:35: Füllerei.
00:40:36: Füllerei, also Maßlosigkeit.
00:40:38: Genau,
00:40:38: Lügen.
00:40:39: Lügen.
00:40:40: Töten.
00:40:41: Töten.
00:40:46: So, jetzt hier Dante, göttliche Komödie.
00:40:49: Da, da, da, da, da, da, da.
00:40:51: Dann braucht man schnell mobile Telefon.
00:40:52: Wut auch.
00:40:53: Ja, also ähm, Zorn, genau Zorn.
00:40:56: Die siebte weiß
00:40:57: ich noch nicht.
00:40:58: Miskunst.
00:40:59: Miskunst.
00:40:59: Genau.
00:41:01: Und dann macht es richtig Spaß.
00:41:02: Dann schreibst du sieben Charaktere und gibst jedem quasi so, alles wollen eigentlich gute Menschen sein, dann gibst du jedem aber so einen kleinen, und dann lässt sich aufeinander losgehen.
00:41:11: Das hat so viel Spaß gemacht zu schreiben, so Dinnerszenen, wo man sich über die Jagd unterhält oder... Tatsächlich, das ist ein Satz, den habe ich darüber, ich mir sehr, sehr lange Gedanken gemacht, den habe ich, glaube ich, auch so schon mal gefragt, so einen religiösen Menschen.
00:41:26: Also, wenn es wirklich sein kann, dass es Gott gibt, warum, was ich hier in deinem Kriege.
00:41:31: Also, wie kann es sein, dass er uns Menschen so liebt und oder sie uns so liebt und uns sowas machen lässt?
00:41:38: Und dann kommt immer dieses, ja, uns ist unser freier Willen und diese... Ja, ich krieg das nicht.
00:41:43: Ich liebe das mit ganz religiösen, sehr glöbinger Menschen zu diskutieren, weil...
00:41:47: Eigentlich bin ich
00:41:47: neidisch.
00:41:49: Eigentlich bin ich neidisch.
00:41:50: Wahrscheinlich bin ich neidisch.
00:41:51: Ich würde so gerne so vertrauen können auf so eine Urkraft.
00:41:54: Das muss toll sein.
00:41:57: Ähm... Können
00:41:58: Sie sich auch noch verändern?
00:42:02: Also, glaube ich nicht.
00:42:03: Ich habe es wirklich, ich habe mich vieler mit außen an der Seite versucht, auch irgendwie, falls ich zu verschiedenen Religionen mir auch angeschaut.
00:42:09: Das Konzept interessiert mich halt total, weil dieses Vertrauen, aber ich habe dieses Vertrauen halt in mir.
00:42:16: Weil ich es in mir gesucht habe irgendwie.
00:42:18: Und dann, konträr dazu quasi ein ausgelagertes Gefühl von Vertrauen ins Leben, ist ein spannendes Konzept für mich.
00:42:28: Aber vertraust du ins Leben?
00:42:31: Ich vertraue mir.
00:42:33: Dass egal was das Leben bringt, du wirst dich darin zurechtfinden.
00:42:36: Genau.
00:42:37: Und irgendwie habe ich keine Angst vor dem Tod oder sowas.
00:42:41: Wenn es jetzt vorbei wäre, dann wäre es jetzt vorbei.
00:42:44: Ich habe aber wirklich schon doch gut rausgeholt in der Zeit.
00:42:48: Es gelebt
00:42:49: doch hin bis
00:42:49: dahin.
00:42:50: Genau, das ist mir dieses Lebendigkeitsgefühl.
00:42:52: Das ist mir sehr wichtig und solange ich das habe, könnte ich morgen auch sterben.
00:42:58: Was so interessant ist, das war mir nicht bewusst, dass du das an die sieben Todsünden angelehnt hast, die Charaktere.
00:43:03: Was mir erst vor kurzem aufgefallen ist, ist, dass die, ich hab die göttliche Komödie nicht gelesen, ich möchte jetzt hier nicht den Eindruck erwecken, als würden Dante und James Joyce auf meiner täglichen Literaturliste stehen.
00:43:17: Aber ich hab mich witzigerweise vor ein paar Wochen damit beschäftigt, weil ich hier im Podcast immer wieder sehr viele Folgen über Narzissmus gemacht hab, weil Narzissmus so was unglaublich komplexes ist.
00:43:26: Und die Diagnosekriterien für Narzissmus sind eigentlich die sieben Todsünden nach Dante.
00:43:31: Echt?
00:43:32: Ja.
00:43:32: Ach krass.
00:43:33: Das finde ich auch ziemlich abgefahren.
00:43:34: Na ja, Narzissmus ist ja auch kein Phänomen der Neuzeit.
00:43:36: Den hat es ja immer gegeben.
00:43:38: Absolut.
00:43:38: Und kam vielleicht aber eine Zeit lang als etwas Dämonisches daher oder... Ich habe auch die waghalsige Theorie, dass die Idee des Vampirismus... eigentlich auch eine Nassismus-Legende ist.
00:43:52: Also ich glaube nicht, dass es Wesen gab mit langen Zähnen, die Menschen ihre Zähne
00:43:57: in den Kreis.
00:43:58: Aber es gibt natürlich Menschen, die nehmen ihr Lebenskraft und schmeißen dich auch weg danach.
00:44:04: Und auch dieses Bild von der Vampir.
00:44:09: zerfällt bei Tageslicht.
00:44:11: Also wenn er von Sonnenlicht getroffen wird, dann löst er sich auf.
00:44:15: Und die größte Angst eines Menschen mit einer nazistischen Persönlichkeitsstörung, ist ja nochmal was anderes als eine Persönlichkeitsstruktur, dessen größte Angst ist es enttarn zu werden.
00:44:27: Ja.
00:44:27: Also dann löst er sich auf.
00:44:29: Das ist seine größte Angst, also dass etwas ans Licht kommt.
00:44:37: Ich liebe solche Sachen.
00:44:38: Ich liebe solche.
00:44:39: Ich liebe auch irgendwie, was habe ich jetzt gehört, also, die, ähm, ich krieg's gleich zusammen.
00:44:47: Es ging um Jesus und seine Jünger und wie er übers Wasser geht, also.
00:44:56: Ich krieg's nicht ganz da, aber sehr, also Jesus ist gleich, ist die Sonne oder der Mond, also es ist quasi, es ist eine planetarische Aufstellung.
00:45:03: Ja.
00:45:05: Die Jünger sind unsere Planeten und hier ist entweder der Motor oder die Sonne, ich weiß nicht mehr, geht über das Wasser, weil die Sonne untergeht und dann siehst du, es hat irgendwie so Sinn gemacht, dass alles Metaphorische, woran wir, also alle diese Sachen, an die wir heute glauben, eigentlich Metaphern sind für die Welt, für Planeten, für...
00:45:24: Auch für Elemente.
00:45:25: Für Elemente,
00:45:25: ja.
00:45:26: Weil das Element Wasser zum Beispiel symbolisiert in der Astrologie das Fühlen.
00:45:33: Und... Ich habe neulich eine Interpretation, die passt ganz gut dazu, nämlich genau an dem Bild, dass Jesus über das Wasser ging, dass das nicht so zu verstehen ist, dass Jesus wortwörtlich gesprochen über das Wasser ging, sondern er hat gelernt seine Emotionen zu beherrschen.
00:45:49: Also es ist ein Bild dafür, Jesus konnte über das Wasser gehen, heißt Jesus konnte die Elemente beherrschen.
00:45:55: Das heißt, er konnte seine Gefühlswelt, also nicht... Alle Emotionen imposiv in die Welt ballern, sondern er konnte seine Gefühle regulieren, dass das eigentlich die Metapher für diese Erzählung ist.
00:46:09: Und dann, finde ich, ist die Bibel richtig geil.
00:46:11: Also, wenn man versteht, dass die Bibel mit Bildern arbeitet, dann... Ja,
00:46:14: aber auch einfach... Also, ich weiß nicht, als ich das alte Testament gelesen habe.
00:46:18: Irgendwann in Israel muss man ja auch Teil des Abiturs und das alte Testament.
00:46:21: Und dann musst du auch wirklich das auch lernen und versuchen zu... Sorry, Gott.
00:46:45: Nein, danke.
00:46:46: Danke, aber nein, danke.
00:46:48: Und basierend darauf aber auch tatsächlich auch diese Idee, dass quasi Jesus für unsere Sünden stirbt und dieses quasi aufopfern für andere.
00:46:59: Ich weiß nicht, diese Bücher haben so viel Schwere für mich.
00:47:03: Und trotzdem basiert so viel unserer Kultur eben darauf.
00:47:08: Und das fasziniert mich so.
00:47:09: Weil das hat so wenig eigentlich mit Religionen in Sicht zu tun, habe ich das Gefühl.
00:47:13: Also mit Glaube.
00:47:14: Mit Glaube, ne?
00:47:15: Das ist halt organisierte Religion regeln.
00:47:17: Ja, genau.
00:47:18: Damit kann ich so viel nicht anfangen.
00:47:19: Glauben ist wunderschön.
00:47:20: Weil das ist Wurschtwochen, du glaubst.
00:47:23: Wenn du wirklich das Gefühl hast, es stimmt, worüber du nachdenkst, das ist ein wundervolles Gefühl.
00:47:29: Egal, ob das Gott ist, Kunstschaffung, Liebe, Sex.
00:47:34: Wenn du fühlst, das ist das Gute, das ist das Beste, was es gibt.
00:47:37: Ja, und vielleicht gehört auch das, das gefällt mir auch an deinem Roman.
00:47:40: Ähm, ich hab mich gerade gefragt, ob wir den kleinen Insider aus der Ammo-Reaktion noch auflosen müssen, was da eigentlich für Hobbys ist.
00:47:47: Ja, das war sehr gut.
00:47:48: Ja, ich wär'n im Vorgespräch für eine Fernsehsendung.
00:47:52: Ähm, und dann sagt der Redakteur, das war sehr schön.
00:47:55: Es war ein bisschen bärisch.
00:47:56: Er sagt, ja, hätt' uns geh'n.
00:47:58: Wir machen hier keine Promo-Veranstaltung ums Hobby.
00:48:01: Und dann sage ich, ähm, was meinen Sie?
00:48:04: Also ja, ich hab' Hobbys, ums vielleicht ein Jagdhund.
00:48:09: Ich finde, ich hab' leider kein Jagdhund.
00:48:11: Homsons anderes Tier.
00:48:13: Nächste nicht, habe ich doch keine.
00:48:15: Das
00:48:15: ist der
00:48:16: Hamster.
00:48:16: Ja, der arme Hamster.
00:48:17: Der wäre schon tot.
00:48:18: wahrscheinlich, hätte ich den Hamster.
00:48:19: Verstehe.
00:48:21: Goldfisch könnte ich machen.
00:48:23: Angeblich vergessen die in einem Goldfischglas, dass sie da losgeschwommen sind.
00:48:26: Ich glaube,
00:48:27: das wurde debankt.
00:48:28: Ich glaube, das stimmt nicht.
00:48:29: Ich glaube, das auch nicht.
00:48:31: Wie will man das auch überprüfen?
00:48:34: Das ist eine sehr gute Frage.
00:48:35: Das frage ich mich ganz oft bei diesem Wind.
00:48:37: Wenn Tiere durchanalysiert werden, wird uns erklärt, wie ein Tier denkt.
00:48:41: How do we know?
00:48:43: Also, man hat ja noch nie jemanden im Gespräch mit einem Hund.
00:48:45: Es gibt ja wirklich Tiertherapeutinnen auch.
00:48:47: Es gibt ja wirklich depressive Hunde zum Beispiel.
00:48:52: Prekär?
00:48:52: Das sind wahrscheinlich Symptomträger der Familien.
00:48:56: Aber
00:48:57: was macht man dann?
00:48:58: Das ist ja schon ein faszinendes Tool, dass wir haben diese Sprache, mit der wir eigentlich... Also die Sprache ist das einzige... wie wir unsere Gefühle einander erklären können.
00:49:10: Also klar, du kannst dich auch malen, du kannst dich aufschreiben, was ist immer die Sprache, die wir benutzen.
00:49:15: Und vielleicht stimmt das überhaupt nicht, das ist alles falsch und das Einzige, was wir wirklich spüren ist.
00:49:21: Ich glaube auch.
00:49:22: Ich glaube, dass die Sprache dann auch nur ein Versuch ist.
00:49:24: Ich, ähm, ich, ähm,
00:49:26: ich war
00:49:26: zum Beispiel die Woche aus heiterem Himmel total traurig.
00:49:32: Und stand morgens schon weinend im Fitnessstudio.
00:49:35: Und was ich dann mache ist, ich frage mich, warum bin ich traurig?
00:49:38: Aber es ist ja nur ein kläglicher Versuch, den Ausstieg aus der Traurigkeit zu finden und es zu intellektualisieren, um von dem Gefühl da weg zu kommen.
00:49:47: Also deswegen benutzen wir ja auch die Sprache, weil am Ende geht es ja darum, einfach anzuerkennen, krass, ich bin total traurig, ich wein jetzt mal eine Runde und dann ist es wahrscheinlich auch wieder weg.
00:49:57: und so war es dann auch.
00:49:59: Aber ich beobachte mich dabei, wie ich immer wieder die Sprache nutze, um im Grunde genommen das Gefühl wieder beiseite zu schieben.
00:50:04: Das ist ja eine Therapie des Ersteres, was man lernt.
00:50:06: Ich mache so ein paar Jahren Therapie, dass man quasi, wenn man die, das habe ich mir auch nicht verstanden will in Therapeuten, das gesagt hat es immer gesagt so, just accept the fucking emotion.
00:50:15: Don't try to make it go away.
00:50:18: Oh mein Gott.
00:50:18: Das ist immer so brutal.
00:50:19: Stupid.
00:50:21: Ich bin so ein total Verintellektualisierer und ich kann dir das alles durch rationalisieren.
00:50:26: Ich kann dir da sechs, sechszig Minuten erklären, warum ich glaube, woher das Gefühl resultiert.
00:50:31: Das interessiert mich nicht, warum du glaubst, dass du verstanden hast, wo dieses Gefühl herkommt.
00:50:35: Fühl es doch einfach in deinem Körper.
00:50:37: Das hat sehr lange gedauert, bis ich das genau was du gerade beschreibst, zu sagen, okay, wie geht's dir?
00:50:45: Ich habe eine Schwere auf dem Brustkorb.
00:50:47: Physisch zum Beispiel.
00:50:49: Warum habe ich eine Schwere auf dem Brustkorb?
00:50:51: Da ist vielleicht eine Angst gerade.
00:50:53: Okay?
00:50:54: Warum?
00:50:56: Eigentlich keinen Grund.
00:51:00: Vielleicht bist du einfach nur müde, okay?
00:51:03: Aber das zu machen, dafür brauchst du Ruhe.
00:51:05: Das ist halt so schwierig, das macht man nicht im Fitnessstudio.
00:51:08: Dafür brauchen wir diese Momente, die es wirklich so sich hinstellen und sich fragen, was ist das?
00:51:14: Was macht man das?
00:51:16: Wir machen das alle nicht.
00:51:18: Vielleicht laufen wir wirklich alle... Gott, äh, die Menschen.
00:51:23: Ja, es ist nicht so leicht, ne?
00:51:25: Es ist
00:51:25: nicht leicht.
00:51:26: Also, das war tatsächlich eine Frage, die ich dir... Da hast du so einen schönen Satz.
00:51:31: Ich weiß nicht, ob ich es richtig zitiere, bitte korrigier mich, wenn ich es nicht ganz hundertprozentig richtig wiedergebe.
00:51:36: Das hast du auch auf deinem sehr schönen Instagram-Account geteilt.
00:51:39: Nämlich, du möchtest Teil von etwas sein, gut, aber werdet zuerst Teil deines eigenen Lebens.
00:51:46: Das finde ich
00:51:49: krass.
00:51:50: Das ist eine krasse Aussage.
00:51:51: Das sagt die Mutter des Protagonisten zu ihm, als er aufgrund von großer großer Schuldgefühle nach Israel fliegen möchte, um sich ins Militär einzuschreiben.
00:52:04: Weil er sieht, dass er ein bester Freund an der Front kämpft.
00:52:10: Und die Mutter des Protagonisten ist flüger als er und sagt ihm mit diesem Satz genau, was er hören muss.
00:52:21: Egal wo du hingehst, wenn du nicht da ankommst, wirst du nirgendsfot zuhause sein.
00:52:28: Ähm... Wenn das verändern, ist das Leben des Produzenten für immer, weil er sich entscheidet, dann auch wirklich nicht zu fahren.
00:52:34: Aber dieser Satz haut ihm einfach einmal richtig aufs... auf die Fresse.
00:52:43: Und den Satz hab ich selber auch immer oft gedacht.
00:52:45: Den sage ich mir auch bis heute.
00:52:47: Werde Teil des... sei Teil des eigenen Lebens.
00:52:50: Komme bei dir an.
00:52:52: Und dann kannst du auch Teil von allem werden.
00:52:54: Auch vor allem guter Teil.
00:52:56: Ein Teil, der was gibt.
00:52:58: Ein Teil, der beiträgt.
00:52:59: Und ich will Teil der Gesellschaft sein.
00:53:01: An mir ist es wichtig, zur Gesellschaft beizutragen.
00:53:03: So bin ich geboren.
00:53:05: Ich bin mehr gebar als Nemer.
00:53:06: Ich nehme ungern.
00:53:08: Ich lass mir ungern helfen.
00:53:10: Es fällt mir schwer, um Hilfe zu bitten.
00:53:14: Aber ich bin gut darin, das zu machen.
00:53:16: Es gibt Menschen, die haben so einen energetischen... So bin ich aufgeladen.
00:53:22: Und meinen Geben und meinen Teil der Gesellschaft ist zum Beispiel zu sein, Kunst zu machen.
00:53:26: Das ist für mich das, was ich geben kann.
00:53:28: Ich gebe das.
00:53:28: Ich mach das wirklich... damit der Leser was spürt.
00:53:31: Oder damit der Film, den sie schauen, sie zum Weinen bringt oder zum Lachen.
00:53:39: Und ich würde mir schon wünschen, irgendwie gesamtgesellschaftlich, dass mehr Menschen das Gefühl hätten, sie sind Teil ihres Lebens.
00:53:46: Weil wenn man nur im Außen nach Bestätigung sucht, das ist schwierig.
00:53:55: Aber wir lernen das nicht.
00:53:57: Wir lernen ja auch nicht in der Schule Gefühlsregulierung oder so was.
00:54:00: Also ich habe das alles nie gelernt.
00:54:02: Auswendig lernen oder was weiß ich.
00:54:05: Ja, in der Trauma-Arbeit benutzen wir häufig die Formulierung, dass die verbunden, also weil Trauma trennt, Trauma trennt uns von uns, von anderen, von der Welt um uns herum.
00:54:17: Und das ist auch meine, also ich habe auch eine lange Therapiegeschichte.
00:54:19: Und das ist auch meine Erfahrung, dass eigentlich die Verbundenheit zu anderen Menschen, ich habe immer noch nicht so richtig verstanden, wie Beziehung geht.
00:54:26: Ja.
00:54:27: Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich jetzt in diesem Leben noch lerne.
00:54:31: ähm, romantische Beziehung.
00:54:33: Beziehung zu Freunden ist was anderes.
00:54:36: Total.
00:54:38: Aber
00:54:39: dass die Verbundenheit zu anderen Menschen doch nur über die Verbundenheit zu mir selber geht.
00:54:44: Ich kann nicht mit anderen Menschen wirklich, auch emotionale Intimität ist nicht, weil es körperliche Intimität ist.
00:54:51: Ja, absolut.
00:54:52: Aber emotionale Intimität ist, wo ich glaube, da haben wir alle Todes, oder die meisten Menschen, die ich kenne, Todesangster vor.
00:54:59: Ja, klar.
00:54:59: Das ist ein echtes Nacktmachen und ich bin auch, ich kann nicht, ja.
00:55:07: Also manche Beziehungen ist auch nicht so meins.
00:55:10: Nächste Teil des Lebens.
00:55:11: Dafür sehr innige Freundschaften.
00:55:13: Ja.
00:55:14: Und auf der anderen Seite sehr viel körperliche Verbindung mit Menschen.
00:55:20: Ja, aber das Konzept ist mir auch noch nicht ganz... Klar.
00:55:25: Ich schaue auch ganz viele Menschen an und denke mir so, wow, how do you do this?
00:55:28: Every day?
00:55:29: Together?
00:55:31: Like every day?
00:55:32: I mean, like for years.
00:55:35: Oh wow, you sleep in the same bed.
00:55:37: Every night, wow.
00:55:38: Aber das ist, ich habe einen Wassermann-Assistenten, das ist der Wassermann.
00:55:42: Ja?
00:55:42: Für den ist das Unverstellbar.
00:55:44: Also wirklich.
00:55:45: Weißt du was du für einen Assistenten ist?
00:55:47: Ich glaube, ich habe einen Doppel-Wassermann oder so.
00:55:48: Doppelter Wassermann,
00:55:49: Alter Schwede.
00:55:51: Ja, gut, das ist natürlich schwierig.
00:55:53: Ja, das ist schwierig.
00:55:53: Ich mag mir im Bett schon gerne allein.
00:55:55: Aber
00:55:55: wenn man das weiß, und man, man, das gehört ja im Grunde genommen, ich will mich jetzt nicht auf, also für mich ist die Astrologie einfach eine unglaublich interessante Ergänzung, um uns Menschen zu verstehen, so.
00:56:06: Wenn man sich nur in die Astrologie flüchtet, ist es spiritual bypassing.
00:56:09: Also, also, Spivitalität ohne Psychologie ist einfach bypassing, Punkt.
00:56:15: Aber dennoch ist die Astrologie wirklich auch sehr, sehr faszinierend und auch, um sich selber zu verstehen.
00:56:21: Und wenn du tatsächlich, wir wissen es ja nicht, aber wenn du wirklich doppelter Wassermann bist,
00:56:24: dann... Ich habe mich sehr wenig mit der Astrologie beschäftigt, aber es kann immer wieder bei Dates oder so.
00:56:27: Oh, was ist das denn?
00:56:28: Dann war ich so, okay, ich google es jetzt einmal, weil dann bin ich geboren, damit ich irgendwas antworten kann, weil es fragen Leute immer so gerne.
00:56:34: Und dann kamen, glaube ich, ja, Doppelwassermann.
00:56:36: Genau, aber wenn man das dann weiß über sich, dann muss man natürlich nicht anfangen, sich zu domestizieren und zu, glaube ich, brauchen einen reinen Eckhaus und einen Golden Red River und einen Volvo Kombi und drei Kinder, weil da gehe ich zugrunde.
00:56:47: Auf jeden Fall.
00:56:48: Und das ist ja auch völlig in Ordnung.
00:56:50: Nur ne
00:56:51: Ackton, ne?
00:56:51: Ein klein
00:56:52: Ackton.
00:56:53: Ein Ackton
00:56:53: wäre schon schön.
00:56:54: Genau.
00:56:55: Und das ist dann doch sehr entlastend, also finde
00:56:59: ich.
00:57:00: Ich glaube daran, dass einfach das Leben in Phasen funktioniert.
00:57:02: Und jetzt gerade ist meine schöpferische Phase und die geht bestimmt noch ein paar gute Jahre und dann wird auch eine Phase kommen, wo ich was anderes habe.
00:57:11: Wollen werde.
00:57:12: Vielleicht auch Kinder.
00:57:13: Und vielleicht auch, also nicht das Reihenhaus in den Volvo, ja und den Golden Fish Reaver, aber man kann ja auch, keine Ahnung, vielleicht ist es dann... Man lebt in Sri Lanka und hat drei Kinder.
00:57:27: Und die wachsen mit Gustav Brett auf.
00:57:29: Ja.
00:57:29: Und nicht in der Stadt.
00:57:31: Es gibt so viele, ich versuche so frei wie möglich.
00:57:35: Weil ich liebe das, was ich gerade mache.
00:57:38: Ich versuche es aber nie zu ernst zu nehmen.
00:57:40: Und ich lege dabei nichts zu ernst zu nehmen.
00:57:42: Schnellt es das, was ich am Anfang auch meinte, als ich gesagt habe, dass du dir dieses jungenhaft kindliche, ganz ehrlich, ich finde uns allen täte es unheimlich gut, wenn wir... Wenn wir uns in unseren Bedürfnissen ernst nehmen würden, aber all das hier nicht allzu ernst nehmen würden.
00:57:59: Ich mag die Simulationstheorie.
00:58:01: Ja, total.
00:58:03: Wenn man wirklich alles ernst nehmen würde.
00:58:08: Ich könnte ja wirklich gar nichts mehr.
00:58:11: Also ich würde permanent nur über Krieg, Tod und Verzweifel nachdenken, weil ich einfach zu viel Krieg, Tod und Verzweifel auch gesehen habe und wahrgenommen habe und am Körper gespürt habe, Menschen verloren habe.
00:58:23: Dieses Entwurzelt, Fremd sein.
00:58:25: Klar, das kann man alles auch ganz, wenn man das alles ganz ernst nimmt.
00:58:30: Nicht, dass man es negiert, aber wenn man diese ganzen Gefühle des Verloren, Verlust, Vertreibung.
00:58:37: Wenn ich den so viel Raum in mir geben würde.
00:58:41: Ist da nichts anderes mehr?
00:58:42: Genau.
00:58:43: Die würden den allen alles wegnehmen, was an Liebe ich spüren kann, was ja in Verbindung zu anderen Menschen spüren kann, weil man wird ganz schnell auch sehr misstrauisch und sehr böse dann auch.
00:58:56: Wirklich boshaft.
00:58:57: Es ist gar nicht so schwer, boshaft zu werden.
00:59:00: Boshaft bedeutet nicht, dass ich dir unbedingt böses will, aber einfach alles kappen, was zu dir kommt.
00:59:05: Nein.
00:59:06: Nein.
00:59:07: Und das will ich nicht leben.
00:59:11: Dafür ist das zu kurz und zu schade und zu neugierig, bin ich, glaube ich, auch dafür.
00:59:22: Und auch den Kunstschaffungsprozess.
00:59:23: Ja, es ist toll, das alles zu machen.
00:59:26: Aber ich höre auch ungern, also Künstler, die ich liebe, wie sie sich hinsetzen und dann... Nee, so ein Rick Rubin, das ist geil.
00:59:37: Ja, der ist toll.
00:59:37: Weil der ist stets hier mit dem Floor zu schnappen.
00:59:39: Du siehst, der nimmt's ernst, aber er nimmt das Leben nicht so ernst.
00:59:42: Nee.
00:59:43: Das ist schön.
00:59:45: Ähm, Darren Aronofsky, ein prekierer Mann, aber ich mag seine Filme sehr, in denen man eigentlich immer über das Schlimmste der Menschheit aber in größtmöglicher Ästhetik erzählt.
00:59:56: Und er hat irgendwann mal so gesprochen über, da hieß es auch nochmal, wie kann ich das Schlimmste schön darstellen, indem ich es natürlich wahrnehme und ernstnehme, aber dann zu dem mache, was ich daraus möchte.
01:00:07: Und dieses... Formen von dem, was du kriegst im Leben.
01:00:12: Also ich könnte keine Kunst machen, würde ich es ernster nehmen, als ich tue.
01:00:15: Dann würde ich auch im Buch schreiben, weil ich würde es nie abgeben auch.
01:00:20: Ich würde sagen, nie, ich habe nicht studiert Literatur und Schreiben und womöglich war ich nicht klug in Deutschland auf der Schule und Deutschland ist eigentlich auch nicht meine erste Muttersprache.
01:00:32: Warum?
01:00:33: Wie amase ich mir ein Buch zu schreiben?
01:00:34: Und dann würde ich versuchen... Da sind auch schon tausend Fähner drin.
01:00:38: Und da sind noch Sachen drin, die ich wahrscheinlich in drei Jahren anders geschrieben hätte.
01:00:40: And that's great.
01:00:42: Das kann ich beim nächsten besser machen.
01:00:44: Das ist ja das Schöne an Kunst.
01:00:45: Das ist eine Momentaufnahme ist.
01:00:46: Total.
01:00:47: Das ist beim Buch sowieso.
01:00:48: Das ist mir dann irgendwann aufgefallen.
01:00:49: Diese zwei Klappen, die konservieren quasi... Also diese alle, mir Menschen und Charaktere, die in diesem Buch leben, leben jetzt für immer zwischen zwei Klappen.
01:00:59: Das ist ein kleines Gefängnis.
01:01:00: Das ist mir irgendwann versucht.
01:01:01: Die leben jetzt wie ein kleiner Goldfisch.
01:01:03: Ich hab die jetzt alle auf dreieinhalb Seiten gefangen gehalten und die leben jetzt in diesem Buch.
01:01:09: Deswegen glaube ich haben den Leuten dann Bock auf so Sequels.
01:01:11: Also das Gefühl haben sie müssen, die ihre Charaktere aus den Gefängnissen, den sie sie getan haben, retten und ihnen nochmal ein neues Leben geben.
01:01:19: Vielleicht funktioniert, ich für mich am Sequels nie funktioniert.
01:01:22: Ich habe es ein paar mal versucht.
01:01:23: Ja,
01:01:24: in der so rein, ne?
01:01:26: Das gibt ja so.
01:01:27: Ja, ich arbeite eher, wahrscheinlich funktioniert es fast nie.
01:01:30: Ich denke, also die Einzige, die für mich funktioniert, war ich noch ein Kind, war Harry Potter halt natürlich.
01:01:34: Da hab ich jedes Jahr sehen, sich darauf gewartet.
01:01:40: Stimmt, was gibt's denn für gute Sequels in Buchformen?
01:01:44: Wir fallen nur Serien ein.
01:01:46: Aber die haben ich... Ich hab's nach Breaking Bad, hab ich's mit Better
01:01:53: Call Saul
01:01:53: versucht, aber Walter war nicht mehr dabei.
01:01:57: Das war sehr schade, genau.
01:01:58: Aber bei der Kurs war auch trotzdem sehr, sehr... Gib
01:02:00: uns mal noch zum Schuss, Daniel.
01:02:02: Wenn du so in Serien aufgehst, habe ich natürlich auch ein großer Serienfan.
01:02:06: Wenn es eine richtig gute Serie ist, äh, Serie, die dich echt angefasst hat?
01:02:13: Severance.
01:02:15: Oh, das war hart.
01:02:17: Der echt ist... Boah, läuft auf Apple TV.
01:02:19: Severance, wenn ihr das nicht gesehen habt.
01:02:22: Aber
01:02:22: das ist echt düstern.
01:02:23: Also quasi die Spaltung deiner Person in den Inni und den Auti.
01:02:27: Ja.
01:02:28: Und der Inni... muss immer arbeiten und der Autie darf privat leben führen.
01:02:34: Und sobald du in das Büro kommst, stellt sich ein Schalter um und dementsprechend sind aber beide Personen immer wach.
01:02:42: Es ist ja kurz vor Schizophrenie.
01:02:46: Also die Serie, das hat mich sehr angefasst, weil ich war so dran und du wünschst irgendwie diesem Menschen, der immer arbeiten muss, der in die, du wünschst ihm, dass er ausbrechen kann, aber dann würde er dem Auti das Leben kaputt machen, diese Entzweihung.
01:02:59: eines, das habe ich noch nie so gesehen in einer Serie, dass du es schaffst, die innere und äußere Welt.
01:03:05: Ich sehe das als ein Etapa eines Menschen so darzustellen und das hat mich sehr... Angefasst berührt, ich finde es ist eine wundervoll gedrehte Serie, sehr langsam erzählt, sehr psychologisch, so was liebe ich.
01:03:19: Und was ich sehr lange geliebt habe ist Ozark.
01:03:23: Also ich mag wenn es ein bisschen düster und Drama und am Ende am liebsten sterben alle.
01:03:28: Ja, ich liebe das.
01:03:29: Also ich liebe, ja, ja.
01:03:31: Einer so wunderschöner Film, den ich liebe, ist Sorry Angel.
01:03:34: Das ist ein wundervoller französischer Film.
01:03:36: Da geht es um zwei Männer, die sich lieben.
01:03:38: Und der eine ist High Fowl krank, die spielt quasi Anfang der Neunziger.
01:03:42: Und in dem Moment, in dem der andere endlich schafft, ihm zu sagen, dass er ihn liebt, stirbt er.
01:03:49: Naja, das bleibt ja immer ein bisschen das Unerfüllte.
01:03:50: dann, ne?
01:03:51: Genau, weil die Tragik und in dieser Tragik ist so viel Schönes.
01:03:56: Es kann man natürlich sagen, ob ich schlimm, nachdem ihm gesagt wurde, dass er geliebt wurde, dass er gestorben, oder du sagst, Das Letzte, was er gehört hat, bevor gestorben ist, ist, dass er geliebt wurde.
01:04:04: Und deswegen gebe ich ihm Tragik und Drama.
01:04:06: Weil im Drama die Schönheit zu finden, ist das Leben.
01:04:11: Das stimmt, absolut.
01:04:13: Und wir glauben ja auch nur, das ist danach vorbei.
01:04:14: Wir wissen ja gar nichts.
01:04:15: Wir wissen gar nichts.
01:04:17: Also man hört auch immer, dass das hier so das härteste ist und danach wird es viel leichter.
01:04:22: Ich bin so gespielt.
01:04:23: Es wäre so lustig, wenn das wirklich stimmt.
01:04:25: Ich würde mich tot lachen einfach.
01:04:27: Also wirklich so was wie Himmel und Hölle.
01:04:30: Und dann denkst du ja wirklich so, no fucking way.
01:04:34: Fuck you way!
01:04:35: Bullshit!
01:04:37: Wirklich, die werden ausrasten wahrscheinlich so.
01:04:39: Und ich komme dann eh in die Hölle.
01:04:40: dann, also wenn es dann so was gäbe.
01:04:41: Und das waren die Regeln.
01:04:42: Oder ist das alles ganz, ganz anders?
01:04:44: Ich frage mich manchmal, ob wir nicht toll irgendwie... Manchmal denke ich mir, da oben sitzen so zwei so total verpicklte Nerds, die in so einem amerikanischen Keller sitzen vor so einem Spiel wie SimCity, auf Apple.
01:04:58: Wir sind hier einfach Teil dieses Spiels und
01:05:00: die bestellen
01:05:01: sich eine Pizza nach der anderen und denken sich, schau mal, die Idioten.
01:05:05: Sie sind fast dran, jetzt haben ... Nee, doch nicht.
01:05:08: Guck mal, jetzt haben sich die Spiele schon wieder gekriegt.
01:05:10: Guck mal, wie doof.
01:05:11: Ja, wie doof.
01:05:14: Lieber Daniel, das war fantastisch.
01:05:15: Ein
01:05:15: großen Spaß gemacht.
01:05:16: Ja, das
01:05:16: ist wirklich ein Gespräch.
01:05:19: Da fällt mir immer dann schwer, den Ausstieg zu finden, aber ... Das Schöne ist ja, wenn der Hunger bleibt.
01:05:24: Absolut.
01:05:25: Und wenn wir nicht so denken, boah, jetzt haben wir ja echt alles gesagt, ne?
01:05:27: Haben wir aber hier, ne?
01:05:29: Jetzt
01:05:29: haben wir nicht überhaupt nichts gesprochen.
01:05:30: Es war ein ganz anderes Gespräch, als, ähm, du vielleicht gewohnt bist, ich hätte, ich hätte in deine, in deine Filme, ich bin überhaupt nicht in deine filmische Biografiereingehung, was du für fantastische Sachen machst und
01:05:41: du's,
01:05:41: und das findet
01:05:42: ihr
01:05:43: über, ich finde über Daniel eine Menge Dinge im Internet.
01:05:46: Dann habe ich gelesen, seine Mutter hat ein, auf Instagram einen
01:05:49: Ja.
01:05:50: Der sehr erfolgreich.
01:05:51: Der wächst, der wächst und wächst und wächst.
01:05:52: Wie heißt das?
01:05:53: In Olgas Kitchen.
01:05:54: In Olgas Kitchen.
01:05:55: Bitte folgt nicht nur Daniel, Don Skoy auf Instagram, sondern auch seiner Mutter.
01:05:59: Ja.
01:06:00: Die kocht wirklich geile Sachen.
01:06:02: Oh, ich bin so neidisch.
01:06:03: Meine Familie, also alle dürfen ja bei ihr essen, weil sie ihr Leben, nur ich nicht.
01:06:08: Ich kriege nur den Instagram-Content, das ist gemein.
01:06:10: Versteht.
01:06:10: Ja, die für Essen Freitagsabend immer zusammen, dann kriege ich immer so Videos, wieder Tisch, so.
01:06:14: Wenn jemand es dann wirklich kultiviert hat, dieses Kochen dann auch zum Beruf gemacht hat.
01:06:17: muss man sich natürlich übertreffen.
01:06:19: jeden Freitag und ich seh diese Tische und ich bin immer so.
01:06:22: Und ich
01:06:23: sitze so mit meiner ... Alu-Schale.
01:06:26: Ja, mit der Alu-Schale, mit dem Curry.
01:06:28: Also, ich lieb das.
01:06:29: Aber ich hätt schon gern auch so'n Festmahl.
01:06:33: Ach, wer weiß.
01:06:34: Wer weiß?
01:06:35: Ich danke dir so sehr.
01:06:36: Es war wunderbar.
01:06:36: Vielen Dank für die Einladung.
01:06:37: Brennen.
01:06:37: Der erste Roman von Daniel Donskoy.
01:06:39: Seit Oktober, im Handel.
01:06:41: Das ist ein wirklich tolles Buch, das sehr nahe geht und ... Jetzt, nachdem ihr Daniel in der letzten Stunde kennengelernt habt, erahnt ihr vielleicht seine Tiefe auch, wenn er doppelter Wassermann ist.
01:06:55: Ein bisschen außen vor, ist ja auch nicht das Schlechteste.
01:06:57: Ich danke dir von Herzen, ich danke euch von Herzen, dass ihr uns zugeschaut und zugehört habt.
01:07:01: Bitte teilt diesen Podcast, schickt ihn in die Welt und bleibt bis nächste Woche Freitag, wie immer.
01:07:06: Zuversichtlich, gesund und stets neugierig, das sind nämlich die letzten Worte in diesem Podcast.
01:07:10: Schön.
01:07:11: Neugierig bleiben.
01:07:15: Tschüss.
01:07:16: Bewusster leben, zufriedener sein.
01:07:20: Von und mit Kathi Kleff.