Get happy

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Bewusster leben. Zufriedener sein.

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00:00:00: Es gibt außerdem Studien mittlerweile, die bestätigen, dass auch bis in die Siebziger oder womöglich noch länger in diesen Einrichtungen, in diesen Heimen Medikamenten versuche, ohne das Wissen der Betroffenen und der Eltern durchgeführt wurden.

00:00:12: Inklusive kommt ja gar ein anderer Mittel.

00:00:14: Auch in meinem Heim wohnen wir mit unserem Stand, mit irgendwelchen Sedieren und Substanzen ruhig gestellt.

00:00:24: Get happy.

00:00:27: Bewusster leben.

00:00:28: Zufriedener sein.

00:00:31: Von und mit Kathi Kleff.

00:00:47: Und ich sage Hallo ihr Lieben, schön, dass ihr auch in dieser Folge wieder mit dabei seid.

00:00:50: Wie immer hoffe ich, ihr befindet euch in diesem Moment an einem sicheren, an einem wohligen und an einem muckeligen Ort.

00:00:57: Und das finde ich für diese Episode ganz besonders wichtig, denn die geht tief unter die Haut und kann im Unterbewusstsein und im Nervensystem vielleicht die eine oder andere Reaktion hervorrufen.

00:01:10: Ich bin kein großer Fan von Trigger-Warnungen, aber ich mag euch zumindest einladen, in dieser Folge beim Zuhören oder beim Zuschauen gut auf euch zu achten und euch vielleicht hier und da ein kleines Päuschen zu gönnen.

00:01:22: Es geht nämlich in dieser Folge um eines der dunkelsten Kapitel Geschichte, über das bis heute bis auf ganz wenige Ausnahmen geschwiegen wird und das, obwohl es geschätzt, die Zahlen variieren, zwischen drei und fünfzehn Millionen Menschen betroffen hat und heute im Verborgenen immer noch betrifft.

00:01:43: Nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die neunzehn neunziger Jahre schickte man gesundheitlich angeschlagene oder schwache Kinder in Deutschland sechs Wochen lang in Heime, um sie im Rahmen einer Kur wieder aufzupeppeln.

00:01:59: Die Hochphase, das waren die Fünfziger und Sechziger Jahre, aber wie gesagt, das zog sich bis in die Neunziger.

00:02:06: Was viele dieser sogenannten Verschickungskinder, diesem Griff habt ihr vielleicht schon mal gehört, dort hinter Mauern und verschlossenen Türen erlebten, war häufig keine Regeneration, sondern das pure Grauen.

00:02:21: Zwangsenährung, Missbrauch in unterschiedlichsten Formen, sexualisierte Gewalt.

00:02:27: Bis heute höhlen sich die betroffenen Institutionen und Heimbetreiber in eisiges Schweigen, während die Kinder von damals heute traumatisierte Erwachsene sind, die noch immer unter den Folgen dieser Zeit leiden.

00:02:40: Der Unternehmer Markus Schneermann war einer von ihnen.

00:02:44: Nach seinem langen Weg der Aufarbeitung und der Traumeheilung bricht er das Schweigen Und macht anderen Menschen.

00:02:52: mit seinem aktuellen Buch, wenn aus dem Trauma Freiheit wird, Mut, sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen und so die Schrecken endlich hinter sich zu lassen.

00:03:05: Ich freue mich ganz besonders auf das Gespräch mit dir, lieber Markus.

00:03:08: Herzlich willkommen.

00:03:09: Kathi, vielen Dank für die Einladung.

00:03:11: Ich bin sehr gerne hier.

00:03:13: Wir haben gerade im Vorgespräch uns schon kurz ausgetauscht.

00:03:15: Ich habe es dir schon gesagt, das ist ein Gespräch, vor dem ich großen Respekt habe, weil ich spüre, dass mein traumatisiertes Nervensystem und mein traumatisiertes Gehirn, meine Seele, nenn es, wie du möchtest, in Resonanz geht mit dem, was du erlebt hast, obwohl wir ganz unterschiedliche Biografien teilen.

00:03:32: Das finde ich hochinteressant.

00:03:35: Ich habe mich mit dir und deiner Geschichte deinem Buch in den letzten Wochen viel beschäftigt.

00:03:40: Ich bin ein bisschen entsetzt darüber, ehrlich gesagt, dass du nicht in jeder Talkshow gesessen bist.

00:03:45: Seit Oktober zwanzig, fünfzwanzig mit dieser Geschichte und diesem Buch.

00:03:50: Wir werden ein bisschen einsteigen in deine Vergangenheit.

00:03:52: Wir werden aber auch viel einsteigen in deine Gegenwart und auch in deine Zukunft.

00:03:58: Und ja, wie dein Weg dich heute hierher geführt hat und was du noch alles Tolles vor hast, denn das ist eine ganz wunderbare, sehr Öffnung, spendende und mutmachende Geschichte, die du mit uns allen teilst.

00:04:13: Wenn du dich zurückerinnerst an den Jungen, der du warst, diesen kleinen Markus vor der ganzen Zeit, dieser fünffierige.

00:04:19: Was war der für ein Junge?

00:04:22: Ja, dieser Junge war unglaublich neugierig, wissbegierig.

00:04:26: Das ist eine Eigenschaft, die bis heute geblieben ist.

00:04:30: Ich war aufgeweckt, ich habe viele Fragen gestellt.

00:04:33: Ich war das klassische Landei, also ich komme aus einer Bauernschaft und bin da groß geworden, habe also viel Zeit draußen verbracht, draußen gespielt, in der Natur sehr naturverbunden mit Tieren zu tun gehabt, mit Maschinen, also mein Elternhaus stand direkt neben einer Ziegelei am Fabrikgelände, das war für mich ein großer Abenteuerspielplatz.

00:04:55: Da habe ich Erinnerungen dran, gute Erinnerungen, auch viele Bilder aus der Zeit, die ich als Zweijähriger schon auf dem Trecker oder auf dem Galbenstabler sitzen, das sind positiv besetzte schöne Erinnerungen an diese Zeit definitiv.

00:05:10: Trotzdem, im Alter von fünf Jahren warst du nicht so ein ganz starker Junge, was ganz unglaublich ist, wenn man dich heute sieht.

00:05:17: Also ich weiß nicht, wie groß du bist, aber du bist ein sehr muskulöser, sehr starker Mann, aber du warst ein eher schwaches Kind.

00:05:22: Was dann dazu führte, dass deine Eltern dich in die Kur schicken wollen?

00:05:27: Genau, also es war so, dass ich mit fünf Jahren dünn war.

00:05:32: Es war damals die Empfehlung unseres Hausarztes.

00:05:35: Man muss dazu sagen, dass wir uns auf dem Dorf nur einen Arzt hatten.

00:05:38: Es war der Arzt in Personalunion für alle Themen, inklusive Kinderarzt Themen.

00:05:43: Und er war der Meinung, ich sei zu dünn und mir würde eine derartige Kurve gut tun, um mich aufzupeppeln, wie du vorhin schon einführte es zuzunehmen.

00:05:52: Ich selber hatte gar kein Empfinden für mich, dass mir was nicht stimmt und es wurde auch ein wenig näher erklärt und man heute wissen will, dass es ja vielen anderen Kindern auch ähnlich ging.

00:06:02: Die meisten waren eher geilb, als zu dünn.

00:06:03: Einige hatten chronische Erkrankungen, Husten oder so, Zäude grob oder dergleichen.

00:06:09: Wenige waren auch übergewichtig.

00:06:11: Damals gab es mehr, sie dünnen als die dickeren Kinder.

00:06:15: Und ja, und so wurde ich dann halt verschickt, für mich sehr überraschend plötzlich.

00:06:20: Wann als erwachsener Mensch hast du dem Begriff Verschickungskinder das erste Mal gehört?

00:06:25: Das erste Mal, im Jahr zwei tausendsehnte bin ich auf einem Buch von Anja Rögelstoßen.

00:06:30: Sie war ja die erste eigentlich mir bekannte Betroffene, die das Thema in das Licht der Öffentlichkeit gerückt hat.

00:06:37: Sie hat ja auch die Initiative Verschickungskinder mehr oder weniger gegründet.

00:06:42: Und das war gesagt, das war jetzt von neun Jahren.

00:06:45: Also sehr, sehr spät, wenn man berücksichtigt, wie groß die Zahl der Betroffenen war und ist.

00:06:51: Das sind ja Mengen oder Größenordnungen, die ja nach meinem Wissen alles übersteigen, was an vergleichbaren Skandalen, ich kenne das ganz berühmte Skandalen im Nachkriegs-Torstein gab, die ja auch alle, jeder einzelne für sich schlimm und unnötig sind und waren.

00:07:06: Aber das ist bis heute, das sind jetzt neun Jahre, für mich aus meiner Perspektive etwas, was unglaubliche Größenordnendimensionen hat, wo viele noch gar nicht ahnen, wie wie umfassend, wie weitreichend das Ganze sich darstellt.

00:07:21: Das glaube ich ehrlich gesagt auch.

00:07:23: Und deswegen habe ich eingangs gesagt, ich finde es ein Skandal, dass du nicht in jeder Talkshow gesessen hast.

00:07:28: Wir werden vielleicht auch ein bisschen darüber sprechen, warum das so ist, warum wir in Deutschland die Dinge auch nach wie vor ganz gerne unter den Teppich kehren und was es vor allem auch mit Trauma zu tun hat.

00:07:39: Nimm uns mal mit alles, was du teilen und erzählen magst.

00:07:42: Du hältst die Zeit in Lengries, wo deine Eltern dich dann Du schingeschickt haben ja aus einem ganz guten Anliegen heraus.

00:07:49: Also ja eigentlich, um dir ein bisschen mehr den Staat ins Leben zu erleichtern.

00:07:54: Ja.

00:07:54: Nimm uns mal mit in diese Zeit.

00:07:56: Mit welchen Gefühlen bist du da erst mal hingefahren?

00:07:58: Weil mit fünf versteht man ja auch wahrscheinlich gar nicht so richtig, was da jetzt passiert mit einem.

00:08:03: Ja, am Anfang war es eine Mischung aus Neugier, vielleicht auch ein bisschen abenteuerlos und aber auch eine gewisse Anspannung, auch ein bisschen Angst.

00:08:11: Das war wirklich beides parallel.

00:08:13: Und diese Neugier Die tragt immer weiter zurück und die Angst hat sich mehr ausgebreitet, weil ich halt ab dem Zeitpunkt, wo ich diesen Zug betrat, im Münsterland, wo gemerkt und dann eine Reiseantrag, die nach heutiger Schätzung, achtzehn Stunden ungefähr gedauert hat, also eine Weltreise für den fünfjährigen, wie ich diese neue Zunehmend aller Angst.

00:08:39: und auch zu einem Heimweh auch.

00:08:41: Ich habe relativ schnell redesiert, dass ich einer der Jüngsten oder der Jüngste war in dieser Gruppe der Kinder.

00:08:47: Und ich habe noch sehr lebendige Erinnerungen daran, wie ich angekommen bin und wie die Gruppe der Kinder aufgeteilt wurde in Jungs und Mädchen.

00:08:53: Und wie am ersten Tag zumindest wird eine, in meiner Erinnerung, sehr angenehme, warmherzige junge Frau war, die mich getröstet hat, die mir auch einen Schoß genommen hat und ich habe geweint und hat mich getröstet, alles wird gut.

00:09:06: Da hatte ich auch die Hoffnung, dass es gut wird.

00:09:10: Was mir versprochen oder angekündigt wurde, Abenteuer und in die Berge, die ich noch nicht kannte als Münsterländer, wie ich zunehmend diese Befürchtung, dass ich nicht weiß, was passiert dort und was erwartet mich dort.

00:09:24: Ich kenne dort niemanden.

00:09:26: Genau, das war der überwiegende Eindruck, das überwiegende Gefühl für

00:09:29: mich.

00:09:32: Dann bist du da angekommen?

00:09:33: Wie muss ich mir das vorstellen, wie eine Jugendherberge oder eher wie ein Krankenhaus?

00:09:36: Also nicht wie ein Krankenhaus, das ist ein Gebäude, das heute noch steht.

00:09:39: Ich weiß, das gibt es schon, also mindestens über hundert, mindestens hundert Jahren.

00:09:43: Tatenbach, in Länggris.

00:09:45: Nee, das ist das andere Heim, das ist das Georgiehaus in Länggris.

00:09:48: Es gibt zwei Häuser in Länggris, das ist ein Georgiehaus.

00:09:51: Das Gebäude ist heute noch vorhanden, ist in Privatbesitz heute.

00:09:55: Und das ist ein klassisches Haus aus dem Allgäu.

00:09:57: Man muss das so und man muss das vorstellen.

00:10:00: denke ich, ein attraktives, landestypisches Haus, würde ich sagen, groß halt, wo halt entsprechend, ich glaube, Plätze für, ich meine, fünfzig oder sechzig Kinder, glaube ich, vorgehalten wurden.

00:10:15: So viele, in das dann doch am Ende verleihsweise kleines Haus reinpassen, kann man damit erklären, dass halt in zwei Bereichen, also Bett an Bett, eng, Gitterbetten aufgestellt wurden.

00:10:28: Jemals ein befliegster Raum mit diesen Janastellen, also mit Rei an Rei, die Waschbänken, die Waschbänze getrennt, wie gesagt, nach Jungs und Mädchen.

00:10:42: Und einen Essenssaal gab es, daran habe ich gute Erinnerungen.

00:10:46: Ich kann mich gut daran erinnern, dass jeden Mittag, egal wie alt man war, einen Mittag schaffe halten musste, etwas, was für viele Kinder ungewohnt war, auch für die Eltern, insbesondere auch für mich mit fünf Jahren.

00:10:56: weil ich nicht mehr gewohnt ist, dann auf den Mittagstab halten zu müssen.

00:10:59: Also es gab ein ganz stänges Regiment von Struktur von Regeln, die Ordnung betrafen, die das Reden miteinander betrafen, die Art und Weise, wie wir mit außen waren, gewandert spazieren gegangen sind.

00:11:13: Das waren eher Märsche, die ein bisschen militärischen Charakter hatten mit dem dazugehörigen Niedgut.

00:11:20: Ich schreib's in meinem Buch auch ganz bewusst, es hatte so was Militärisches, so kleine User-Daten, die da quasi marschieren.

00:11:26: Und ja, das war so das relativ schnell sich herauskristallisierte.

00:11:32: Das ist ja kein Zuckerschlecken, hier werden strenge Regeln durchgesetzt mit allen Mitteln, inklusive Gewalt, also alle Formen der Gewalt.

00:11:41: Also Essen war sehr, sehr wichtig.

00:11:43: Weil der Erfolg dieses Aufenthaltes wurde auch daran gemessen, dass die Kinder, die beispielsweise dann als Untergewichtigkeiten zu Dünn gehalten, das sie zunahmen.

00:11:52: Und das führte dazu, dass das ein oder andere Kind eigentlich zum Essen gezwungen wurde.

00:11:58: Und das waren hoca lausche Mahlzeiten, irgendwelche Preis, die keine Ahnung, Milchreis und ganz viel Zucker und Milchsuppe.

00:12:07: und Ich kann mich an die Konsistenz erinnern.

00:12:11: Und ich kann mich an den Geruch erinnern.

00:12:13: Und ja, das ist das bei mir und auch bei anderen Kindern.

00:12:17: Ja, auch was wie ein Brechkreuz auslöste.

00:12:19: Das eine oder andere Kind musste sich übergeben.

00:12:21: Und hier und da wurde auch noch Kinder benötigt, das Verbrauch nachhauf zu essen.

00:12:25: Und das ist mir auch passiert.

00:12:28: Ja.

00:12:32: Ich finde schon allein ... Da mal kurz für sich drüber zu reflektieren.

00:12:36: Ich habe da einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen, ich habe einen des Nazi-Gedankentums, also, wie man mit Kindern umgeht und wie viel Härte uns da begegnet ist.

00:13:08: Und nochmal, wir sind jetzt hier Anfang der Siebzigerjahre, ne?

00:13:10: Du bist Jahrgang achtundsechzig.

00:13:13: Das heißt, du warst dreiundsebzig, vierundsebzig da in Oberbayern in Lengries.

00:13:18: Und ja, da darf man wirklich kurz mal durchatmen.

00:13:21: Absolut, da bin ich für dich bei dir.

00:13:23: Wir hatten ja gerade Ende November den Bundeskongress der Verschickungskinderheit bei der Bildung in Hessen.

00:13:27: Und da gab es einige spannende Vorteile zu dem Thema.

00:13:31: Und dazu kann man ausführen, dass bis in die Achtziger Jahre in einer Leitungs-Führungsposition sowohl auf pädagogischer Ebene als auch auf medizinischer Ebene besetzt wurden von Personal, welches in der Nazizeit sozialisiert und ausgebildet wurde.

00:13:45: Es gibt Studienuntersuchungen dazu, dass viele Ärzte, die in den Alternasierprogrammen eingebunden waren zur Nazizeit tätig waren in diesen Einrichtungen.

00:13:54: Es gibt außerdem Studien mittlerweile, die bestätigen, dass auch bis in die Siebziger oder womöglich noch länger in diesen Einrichtungen, in diesen Heimmedikamentenversuche, ohne das Wissen der Betroffenen und der Eltern durchgeführt wurden.

00:14:06: Inklusive konnt ja gar ein anderer Mittel.

00:14:08: Auch in meinem Heim wurden wir mit, auch unserem Stand, mit irgendwelchen Sedieren im Substanzen ruhig gestellt.

00:14:17: Und diese sogenannten Tanten, so haben wir Kinder dort, diese Damen, das waren überwiegend Frauen genannt, die dort, die das Sagen hatten, Die waren unglaublich streng und viele waren auch sehr grausam.

00:14:27: Nicht alle, was sich quasi wie in roter Farben durch viele Schilderungen von sehr vielen Kindern aus ganz Deutschland zieht, ist dieses Phänomen, dass gerade diese älteren Generationen, der dort verantwortlichen Frauen oder Tanten, sogenannten Tanten, genau das repräsentierte dieses Weltbild, dieses Menschenbild, das stark geprägt war von der schwarzen Pädagogik von dieser Johanna Harra.

00:14:48: der berüchtigten eigentlich eine Lungefachärztin, die ja das Buch rausgebracht hat, damals die deutsche Mutter und die erstes Kind, ein Standardwerk.

00:14:56: Und was viele nicht wissen, dass dieses Buch in leicht abgespeckter Form noch bis in die achtziger Jahre in ein Referenzwerk war in der Pädagogik bei Kinderärzten.

00:15:06: Und meine Wahrnehmung ist meine subjektive Wahrnehmung, ich bin der Manuel Erford und das ist noch sehr viel Forschung, dass diese Philosophie dieses Menschenbild Unbewusst in den Köpfen von ganz, ganz vielen Eltern und Menschen steckt bis heute.

00:15:19: Also dieses Abhärten von Kindern zum Beispiel, dieses emotionale Abhärten.

00:15:22: So Phänomene wie.

00:15:24: jedes Kind kann schlafen lernen.

00:15:26: Ich kann mich selbst nicht davon freisprechen.

00:15:27: Ich habe selbst zwei Söhne und ich weiß, dass wir auch dachten, das ist eine gute Idee.

00:15:32: Also das Kind quasi zu trainieren, dass es von alleine schlafen kann.

00:15:37: Das sind jetzt so kleine Details.

00:15:40: Aber ich ahne oder vermute, dass sich das auf eine Art man sich festtiert hat, in der deutschen Gesellschaft durch alle Schichten, die eine Aufarbeitung bedürfen.

00:15:50: Also ihr Lieben, ich glaube der Name Johanna Haarer ist in diesem Podcast schon ein paar Mal gefallen, wenn ihr ihn noch nie gehört habt, ist eine dringende Recherche.

00:15:58: Empfehlung unsererseits, sage ich jetzt mal, es gibt auch auf YouTube eine sehr berührende Dokumentation über Gertruth Haarer, das war die jüngste Tochter von Johanna Haarer.

00:16:08: Und sie war im Grunde genommen, also die Mutter, eine der ... Ja.

00:16:15: Eine der ... ...innen dieser Nazi-Ideologie und wie man Kinder eben abherten muss, schon von kleinst auf.

00:16:24: Und ich geb dir zu hundert Prozent recht.

00:16:25: Ich denke, das wissen wir aus der Epigenetik auch mittlerweile safe.

00:16:29: Dass sich das Transgenerational steckt uns das allen in den Zellen, ob wir das wahr haben wollen oder nicht.

00:16:36: So.

00:16:36: Absolut.

00:16:37: Ja.

00:16:38: Okay, du kommst als fünfjähriger Junge dort an, du hast Heimweh, du bist noch neugierig und stellst aber relativ schnell fest, da weht ein anderer Wind und dir begegnet eine Härte, die du vielleicht von zu Hause so gar nicht kennst.

00:16:54: Und dann wirst du auch noch in all dem Opfer sexualisierter Gewalt und wirst ... Vergewaltigt als kleiner

00:17:01: Junge.

00:17:02: Genau.

00:17:03: Es war so, dass in den Nächten eine männliche Nachtwache, zumindest für den jungen Bereich, für den Mädchenbereich, kann ich das gar nicht mal sagen, das weiß ich gar nicht mehr, da Aufsicht erhielt.

00:17:15: Und halt mitbekommen, also viele Kinder haben geweint, ich habe nachts geweint, mich in den Schlaf geweint oder geweint und war tot unnötig.

00:17:22: Und in meiner Erinnerung war das ein Mann, Also es ist natürlich schwer zu schätzen, als Fünfjähriger war dieser Mann, aber ich würde heute sagen, vielleicht dreißig Jahre alt, um die dreißig oder so.

00:17:31: Ja, der hat Angeboten mich zu trösten, hat mich aus dem Schlafsaal unter dem Vorwand geholt.

00:17:37: Du machst hier eine Kinderwach, ich kümmere mich um dich.

00:17:41: Wir machen was Schönes, ich zeig dir was, so mit solchen Worten und um die anderen Kinder nicht wach zu machen.

00:17:47: Hat mir Süßigkeiten versprochen.

00:17:50: Ja, und er hatte einen Aufenthaltsraum, einen Artschlafraum im Keller, in meiner Erinnerung, oder Sutterer, genau.

00:17:57: Und da war eine Pritsche im Fernseher.

00:17:59: Ja, und was anfangs so für mich, sich für mich so anfühlte, da ist jemand, der sich für mich interessiert und der sich um mich kümmert und der irgendwie meine Sorgen, meine Nöte versteht und irgendwie auffängt.

00:18:12: ist das ganz schnell noch in der gleichen Nacht einen ersten Übergriff gefolgt, der dann sich weiter potenzierter und schlimmer wurde, also bis zu einer echten Vergewaltigung, und das nicht nur einmal, sondern viele Nächte.

00:18:25: Und daran ist mit mir sehr, sehr viele Details noch bewusst, also auch alles, was man im Sinne des Wahrnehmens betrifft, also Geruch und so weiter und visuell.

00:18:38: und großer Ekel und große Scham und ganz, ganz, ganz viel Angst.

00:18:41: Und das hat sich, also ich hab mich dann relativ schnell während des Auf und Hals in mich zurückgezogen.

00:18:46: Heute würde man sagen, ich hab angefangen zu dissoziieren.

00:18:50: Genau, genau.

00:18:51: Und ich kann mich erinnern, dass ich mich auch teilweise eine Fantasie-Welt geflüchtet habe und irgendwie versucht habe, unterzutauchen, also quasi unsichtbar zu werden.

00:19:02: Und das passt ja auch so ein bisschen zu dissoziieren.

00:19:06: Ja, und ich habe auch das Zeitgefühl verloren.

00:19:08: Und das ist etwas, was ich mich erinnern kann, dass immer, wenn ich dissoziiert habe, dass ich dann für die Zeiträume der Dissoziation keine Erinnerung habe.

00:19:20: Wie eine Amesie, was auch meines Businesses typisch ist für dieses Phänomen.

00:19:26: Ja, und dann irgendwie die Zeit zog sich dann so dahin und Irgendwann für mich ganz überraschend waren dann die sechs Wochen irgendwann vorbei.

00:19:34: Und es hieß, ich komme nach Hause.

00:19:35: Ich habe überhaupt nicht mit gerechnet viel nach Hause zu kommen.

00:19:38: Ich hatte Grund, davon auszugehen, dass ich immer dort bleibe oder ich hatte jegliche Hoffnung aufverläuhen und fühlte mich komplett lost, alleine und trostlos und hilflos und ausgeliefert.

00:19:51: Und ich denke, diese Dissoziation war für mich, für mein System, die einzige Überlebensmöglichkeit.

00:19:59: damit umzugehen mit der Erfahrung.

00:20:01: Ja, also welche unglaubliche Intelligenz dahinter steckt, was das Gehirn macht in diesen Momenten.

00:20:07: Also wirklich zu sagen, ich trenne diesen kleinen Menschen mal von dem Erlebten.

00:20:12: Und pack eine dicke Wand dazwischen und schütze ihn sozusagen vor dem Erleben.

00:20:18: Darüber sprechen wir noch viel zu wenig, wenn wir über Trauma sprechen, finde ich.

00:20:21: Also diese große Intelligenz, die sich in dieser Schutzstrategie verbirgt.

00:20:27: Egal, ob es um Vermeidung geht oder eben um Dissoziation.

00:20:31: Weil wie soll man das als kleiner Mensch den Verstoff wechseln?

00:20:34: Genau.

00:20:35: Das ist ja absolut unmöglich.

00:20:39: Da bist du nach Hause gekommen und warst ... Eigentlich in einem schlechteren Zustand als vorher, also seelisch vor allem.

00:20:49: Ja, ich war auffällig, ich war verstummt.

00:20:51: Ich war nicht mal der aufgeweckte, neugierige Junge von vorher.

00:20:56: Ich glaube auch nicht, dass ich zugenommen habe, bin ich mir ziemlich sicher.

00:20:59: Es gibt noch Fotos zur Ausserzeit, wo man, ich erkenne keinen Unterschied.

00:21:04: Und meiner Mutter vereint ihn ist sehr schnell aufgefallen, dass mit mir was nicht stimmt, dass ich ihm wie anders bin.

00:21:09: Die hat sich Sorgen gemacht, das habe ich auch geschmürt, dass sie sich Sorgen gemacht hat.

00:21:13: Heute aus heutiger Perspektive glaube ich sogar, dass sie irgendwie geahnt hat, dass es einen Zusammenhang gab mit der Verschickung.

00:21:18: Aber es wurde zu keinem Zeitpunkt thematisiert.

00:21:20: Ich wurde auch nie gefragt von niemandem, nämlich von meiner Mutter, von gar keinen Menschen.

00:21:26: Und ich wurde dann von, wie sagt man so schön, von Pontius nach Pilatus, also allen wirklichen Ärzten, Spezialisten damals vorgestellt.

00:21:32: Es gibt hier einen Münster, zum Beispiel das Hüfferstift, das ist so eine Kinderklinik, das gibt es heute noch, verschiedenen Ärzten, aber der erste Arzt ist es sonderweise, der dann ein Urteil über mich fällt, was mit mir nicht stimmt, war tatsächlich mein Hausarzt, oder der Arzt, der mich auch verschickt hat.

00:21:48: Der ja auch kein Peniata war, sondern klassisch allgemein Mediziner und der hat dann das Urteil gefällt.

00:21:54: Ich glaube, der Markus hat eine bislang nicht festgestellte, diagnostizierte Cerebralparise, also eine Spastik.

00:22:01: Und das hat sich vorher nicht gezeigt, aber jetzt ist sie halt quasi ausgebrochen oder die auch immer.

00:22:06: Das war eine Diagnose, die gestellt wurde.

00:22:08: Die andere, die gestellt wurde, war, dass ich an Idiotilit, weil ich auch Fragen in Stressprüfungssituationen keine Antwort gegeben habe, also verstummt war.

00:22:16: Also und dann gab es noch eine dritte Diagnose, die man heute nicht mehr benutzt, aber Mediziner kennen das Tal.

00:22:21: Das nennt sich Hips, H-I-P-S.

00:22:24: Und das steht für hier ein organisches Psychosyndrom.

00:22:28: Das ist ein Platzhalter, ein Euphemismus, um Phänomen zu beschreiben, Symptom zu beschreiben, für die man keine Erklärung hat.

00:22:34: Und dann hatte ich diesen Stempel und wurde dann trotzdem nochmal anderen Ärzt und Spezialisten vorgestellt.

00:22:41: Und keiner der anderen Spezialisten, das waren später Kinderärzte dabei, das weiß ich aus den Unterlagen, hat sich die Mühe gemacht, wirklich dieses Ersturteil zu hinterfragen oder generell.

00:22:51: tiefer gehen zu forschen, was mit mir wirklich nicht stimmt oder mich auch mal selbst zu intervieren, nicht länger mit mir zu beschäftigen.

00:22:58: Erst mit zehn Jahren gab es noch mal einen Wutachten, wo es zehn Jahre alt war, wo ein Professor damals aus einer Kinderklinik im Münster andeute zwischen den Zeilen durch meine Symptome auch anders zu erklären sei, aber es ist nicht seine Aufgabe sei, mit diesem Wutachten dazu Stellung zu beziehen.

00:23:12: Mit anderen Worten dieser Spruch, den viele kennen, gerade im Kontext mit Medizineren.

00:23:18: Die eine Krehe oder Rabel hat der anderen ja auch nicht aus.

00:23:22: Ich weiß, ich war ja gerade auf dem Erzirkongress, habe dort ein Lesung gehalten und auch dort wurde mir vor den Spezialisten bestätigt, dass selbst damals, neunzehntelneuzehnundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund Gehirnkrampfanfälle, die auch unter der Spassig entstehen können, mit dem wichtigen Unterschied, dass die halt nur Sekunden dauern und nicht viele Minuten, so wie bei mir.

00:23:47: Und man hätte im Grunde nur die vorhandenen Ideen zusammenzählen müssen und vernünftig bewerten müssen.

00:23:53: Dann wäre man damals schon zu dem Schluss gekommen, zu dem Ergebnis gekommen, dass bei mir was anderes vorliegt.

00:23:59: Also eine zyklische Erkrankung, wenn man so will, also ein Traum erhalt.

00:24:05: Total interessant, weil ich in der Aufarbeitung meiner Traumageschichte häufig geträumt habe, ich würde krampfen.

00:24:15: Und heute mit dem, was ich über Trauma weiß, bin ich sicher, ich habe gekrampft in den Nächten, ohne dass es irgendjemand mitbekommen hätte.

00:24:24: Und weiß natürlich auch, dass es im Grunde genommen eine totale Überforderung des Systems war.

00:24:29: Oder wenn du willst immer wieder so ein Totalausfall, dann auch wenn du sagst, du bist verstummt als Kind, Bist du im Grunde genommen einfach in diesen Freezezuständen, in die dich der hohe Stress ja auch immer wieder automatisch deckt, wo ja dann auch Dissoziation geschieht?

00:24:43: Ja.

00:24:44: In diesen Freezezuständen bist du ja im Grunde genommen verhaart?

00:24:47: Genau, richtig, ja.

00:24:48: Hast

00:24:49: du versucht, mit jemandem zu sprechen?

00:24:54: Also die Verschickung selber und die Erfahrung habe ich als Kind niemals versucht zu thematisieren.

00:24:58: Ich habe einen ganz anderen Ansatz für mich gewählt.

00:25:00: Damals, ich war, meine Neugier ist mir grundsätzlich geblieben und auch meine Ich würde das auch Resilienz nennen, man überlebens, unbedingt überlebenswillen, nicht zu akzeptieren, dass das, man startet kurz, dass das nicht so bleiben darf und soll.

00:25:14: Weil ich wurde ja dann, das greif ich jetzt mal vorweg, das schrabe ich auch in meinem Buch drüber, mit der Diagnose plötzlich schwer behindert zu sein, die ja auf die Sonderschule gesteckt für Körperbehinderte.

00:25:23: Und ich habe mich selber auch zu dem Zeitpunkt komplett anders gesehen oder auch nicht akzeptiert worden, dass ich plötzlich dumm sei.

00:25:30: Ich wusste, dass ich, auch Kinder haben ja ein großes Wissen, Rohekompetenz auch in dem Alter schon.

00:25:35: Und ich wusste, dass ich nicht dumm bin, dass ich mindestens mitteilen kann, mit meinen Altersgenossen.

00:25:40: Und meine Strategie war, ganz, ganz, ganz viele Fragen plötzlich zu stellen.

00:25:44: Also ich bin dann quasi nicht mehr verstummt.

00:25:45: Ich war zwar ein sehr ernstes und auch ein durchaus sehr trauriges Kind aus den Schilderungen der damaligen Weggefährten.

00:25:51: Aber ich habe mich als Suchenden empfunden.

00:25:53: Ich habe unglaublich viel gelesen.

00:25:55: Ich habe in dem Alter angefangen Bücher zu lesen, die eigentlich gar nicht für Kinder gedacht waren.

00:25:59: Ich habe angefangen, mich mit Religion zu beschäftigen.

00:26:02: Ich konnte aus einem sehr katholischen, ländlichen Umfeld, sehr konservativ aufgewachsen.

00:26:08: Ich habe damals ganz viel gebetet als Kind.

00:26:11: Einige Mitte, die ich gelernt habe, habe ich gebetet abends und dann noch in die freie Zielschwache mit dem imaginären Gott, den natürlich nie geantwortet hat, geführt.

00:26:19: Das war eine Strategie.

00:26:21: Und ich habe gelesen und habe versucht, irgendwie antworten, intellektuell im Grunde antworten zu finden auf das, was mit mir nicht stimmt und irgendwie ... da zu entfliegen.

00:26:29: Das war jahrelang meine Strategie und meine Mutter hat dann irgendwann ja auch realisiert, wie unglücklich ich bin und wie frustriert ich bin und dass es mir nicht gut geht und hat dann ja mit ihrer Hilfe habe ich ja dann auch nach über vier Jahren diesen Absprung aus dieser Sonderschule, aus dem Stigma zumindest des falschen Eingewordnetwerdens geschafft.

00:26:52: Ja.

00:26:52: Weil du ganz liebevoll über diese Zeit schreibst und eine so schöne Formulierung benutzt, nämlich dass diese Sonderschule ein Ort war für Kinder mit besonderen Eigenschaften.

00:27:04: Absolut.

00:27:04: Da

00:27:05: musste ich sofort an Ex-Mann denken.

00:27:07: Genau.

00:27:08: Wo ja auch Kinder mit besonderen Eigenschaften eigentlich gefördert werden.

00:27:12: Und hier ja aus der, das ist ja immer eine Frage der Perspektive, wir schauen immer auf so genannte behinderte Menschen aus unserer Aus unserer Bubble, das nicht behindert sein, aber wir wissen ja gar nicht, wie es in diesen Menschen aussieht.

00:27:26: Und das fand ich sehr schön, wie du darüber geschrieben

00:27:28: hast.

00:27:29: Ich habe in meiner Erinnerung auch an Weggefährten, Mitschüler und auch viele Freunde, die ich in der Zeit auf dieser Schule hatte.

00:27:35: Ich war ja so ein alter Fußgänger, so lernte man ja nicht Rollstuhlfahrer unter den Behindern sozusagen.

00:27:42: Ich hatte sie in eine sehr amivalente Haltung zu dieser Zeit.

00:27:44: Zum einen habe ich gewusst und geahnt, dass ich eigentlich nicht dort hingehöre.

00:27:48: Ich sage es selbst nicht als Behindert.

00:27:49: Ich habe ständig gefragt, warum bin ich hier?

00:27:51: Was stimmt da mit mir nicht?

00:27:52: Ich habe da auch keine befriedigen Antwort bekommen.

00:27:54: Aber ich habe zumal Mitschülern ein sehr inniges, fortschaftliches Verhältnis gehabt.

00:27:58: Und das war die ganze Palette an Kindern, die man sich in so einer Schule vorstellen kann.

00:28:03: Also der klassische Rollstuhlfahrer, Kinder mit einer Muskel-Distrophie, Männer starken, spaßig, auch Kinder, die lernen oder gleich geistig behindert waren.

00:28:12: Genau, und Behinderung ist ein Begriff und Wort, mit dem ich mich bis heute schwer tue.

00:28:16: Also für mich sind das entweder Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Menschen mit besonderen Fähigkeiten.

00:28:22: Und ich möchte vor allem, oder mir ist es wichtig zu sagen, auch mit besonderen Fähigkeiten, weil mein Erfahrung ist, dass wirklich Kinder oder Menschen sind, die besondere Fähigkeiten besitzen, eine besondere Resilienz, eine besondere Liebenswürdigkeit, eine besondere Talente.

00:28:37: Und ich sehe die gar nicht Defizitär, sondern eher, dass die ganz tolle Ressourcen haben.

00:28:41: Und das sehe ich bis heute so.

00:28:42: Und ja, also das, ich habe da bis heute, das verschafft mir bis heute auch in Erinnerung ein, ich nenne es mal, ein warmes Gefühl sozusagen und ganz viel Sympathie für diese Menschen und für diese Kinder.

00:28:54: Und ich habe heute, bis heute, auch jetzt mit der Weile siebenfünfzig, eine große Sympathie und eine große Nähe auch zu dieser Gruppe von Menschen.

00:29:04: Ich sehe mich als Teil von Ihnen nach wie vor.

00:29:07: Und also Menschen, die in irgendeiner Form marginalisiert werden, eben hier reduziert werden, auch vermeintliche Defizite.

00:29:15: Da gibt es viele von und die werden zu ungerecht in dieser Ecke gestellt.

00:29:18: Und ich bin der Meinung, die gehören auch an das Licht der Öffentlichkeit.

00:29:21: Die müssten mehr gewürdigt werden.

00:29:24: Deswegen mag ich den Titel des Buches von Gaba Mateso, der Mythos des Normalen.

00:29:29: Ja.

00:29:30: Und das ist mit Sicherheit etwas, das du auch als Trauma-Betroffener kennst, dass wir alle kennen, die wir Trauma tragen.

00:29:38: Und ich würde behaupten, das ist ein großer Prozentsatz der Menschen, die uns in diesem Moment zuhören.

00:29:43: Diese innere Tiefe, Überzeugung, du schreibst auch über Glaubenssätze, über Glaubenssysteme und wie das alles entsteht durch die Erfahrungen, die wir machen.

00:29:51: Diese innere Überzeugung nicht normal zu sein.

00:29:54: Und dieser verzweifelte Drang ... endlich normal sein zu können, um sich nicht mehr so zu fühlen und zu den anderen dazu zu gehören, was auch immer das ist.

00:30:06: Und du hast aber in deiner Geschichte und auf deiner Reise eine ganz andere Erfahrung gemacht und hast das ganz anders transformiert.

00:30:14: Sehr unerwartet ja eigentlich, oder?

00:30:17: Ja, also mein Wertegang ist ja gerade für deutsche Verhältnisse total ungewöhnlich.

00:30:21: Also sehr, sehr bunt.

00:30:23: Ich habe, also viele würde es sagen, auch sehr holprig.

00:30:27: Ich habe ja erst mal, nachdem ich die Sonderschule verlassen konnte, alle weiteren Schulformen kennengelernt.

00:30:32: Also ich meine, ich bin dann von der fünften Klasse Sonderschule zurück in die vierte Klasse meines jüngeren Bruders, also auf die Dorfgrundschule, dann von dort auf die Realschule, weil ich war ja offiziell, muss man dazu sagen, immer noch zu hundert Prozent schwer werden.

00:30:44: Mit einem Wort bin ich ganz ständiger Begleitung.

00:30:48: Nach einem Jahr der Arschhude ging es dann weiter aus Gymnasium.

00:30:51: Dort habe ich dann irgendwann eine Abitur gemacht.

00:30:53: Und nach dem Abitur, wo ich offiziell immer noch schwer behindert war, habe ich dann irgendwann als ein weiterer Akt, das war nicht der erste, aber ein weiterer Akt der Immunzipation der Selbstemächtigungenmann, auswas abgegeben beim Versorgungsamt.

00:31:07: Das schrabe ich auch in meinem Buch drüber.

00:31:09: Das hatte eine gewisse Komik, eine gewisse Skurrilität auf dieser ganze Akt, aber für mich war das sehr befreiend dieser Schritt.

00:31:17: Und danach habe ich auch beruflich mich in allen möglichen sehr, sehr, sehr unterschiedlichen Bereichen ausprobiert.

00:31:22: Also als Bauabreiter, als Holzfeller, als freier Journalist.

00:31:29: Ich habe dann eine Ausbildung zum Schwimmmeister, schrägstich Bademeister gemacht, war der Fünftag Münster gearbeitet.

00:31:37: Mitte zwanzig hatte ich plötzlich den Impuls.

00:31:39: Das kann es nicht gewesen sein, irgendwie fühlte mich auch intellektuell unterfordert.

00:31:43: Jetzt fange ich an zu studieren und habe mich dann dazu entschlossen, Sonderpädagogik zu studieren.

00:31:47: Und wo mache ich dann meine ersten praktischen Ausbildungsschritte?

00:31:51: an meiner alten Schule, die ich vor sechzehn Jahren verlassen hatte.

00:31:57: Und das war ja auch eine krasse Erfahrung, zurückzukehren an diesen Ort, diese Sonderschule.

00:32:02: Es gab noch Lehrer aus meiner Zeit, meine Dassenlehrerin war noch dort.

00:32:04: Das war eine sehr berührende Erfahrung für mich und auch in vielerlei Sicht an déjà vu und auch eine Erfahrung, die ja, wo sich Erinnerungen aus meiner Kindheit aus meiner eigenen Schulzeit vermischt haben mit den dann gegenwärtigen Erfahrungen und auch durchaus auch sehr aufwühlt.

00:32:25: Aber aus heutiger Perspektive weiß ich, dass es ein weiterer Heilungsversuch für mich war.

00:32:29: Das war für mich ein weiterer Versuch, meine eigene Vergangenheit zu zu verarbeiten und zu verdauen und Ich habe auch an dieser Zeit gute Erinnerungen, an diese Kinder habe ich eine volle Erinnerung.

00:32:39: Ich habe diese Kinder total geliebt.

00:32:42: Ich habe diese Praktika, die ich da gemacht habe, auch total geschätzt.

00:32:45: Und ich habe dann, nachdem ich dann mein Studium abgeschlossen habe, nur kurz in dem Bereich gearbeitet, auch für die Lebenshilfe, in der Jugendschutzstelle habe ich gearbeitet mit Straßenkindern.

00:32:56: Diese Leidenschaft oder diese, für diese Klientel oder für diese Menschen habe ich bis heute mir behalten auf jeden Fall.

00:33:03: Die liegen mir nach wie vor sehr am Herzen.

00:33:06: Ich habe dann aber während meines Studiums bereits angefangen, weil ich erwähnte ja schon, wie gierig ich war oder wie neugierig ich war und immer noch bin, mich mit dem Internet zu beschäftigen, mir Dinge selber beigebracht.

00:33:18: Das war immer mein Ding, mir selbst Dinge beizubringen als Autodidakt und habe mich mit Programmierung, Webdesign, online Marketing beschäftigt und habe dann ein Hobby entwickelt, mich mit Onlineprojekten zu beschäftigen.

00:33:29: und aus dem Hobby wurde irgendwann ein Unternehmen, eine Firma.

00:33:35: Und so würde ich dann irgendwann auch ein Unternehmer.

00:33:39: Ich möchte gerne, wenn du magst, einmal kurz in die Begegnung mit deiner Klassenlehrerin eintauchen, weil viele Aspekte in deinem Buch, und das möchte ich an dieser Stelle mal betonen, egal ob ihr betroffen seid als Selbstverschickungskind oder nur von Trauma betroffen seid, so vieles, was du Schilders beschreibst, deine eigenen Symptomatiken.

00:34:01: Dein eigenen Weg, deine Heilungsversuche, wie du sie nennst, was ich auch ganz toll finde.

00:34:06: Da findet sich jeder Mensch mit einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer komplexen PTBS zu einhundert Prozent wieder.

00:34:15: Und was mich total berührt hat, als du schreibst über die Begegnung mit deiner Klassenlehrerin, dass die deine Wahrnehmung bestätigt hat.

00:34:24: Genau.

00:34:25: Und das ist etwas, was wir mit Trauma, also es gibt, finde ich, würden mich deine Gedanken nochmal zu interessieren.

00:34:30: Es gibt, finde ich, so Grundfragen, die wir alle teilen, um die wir uns ganz viel kreisen in unserem Leben.

00:34:36: Nämlich war das wirklich so?

00:34:39: Übertreibe ich nicht?

00:34:42: Wer wird mir glauben?

00:34:44: Und habe ich mir das nur eingebildet.

00:34:47: Und wenn man dann Zeitzeugen trifft und die bestätigen dann eine Wahrnehmung, die irgendwie schon die ganze Zeit so im Hintergrund vor sich hin köchelt, dann kann das ein Meilenstein auf der eigenen Reise sein, ist zumindest meine

00:34:59: Erfahrung.

00:35:00: Das kann ich absolut bestätigen, das war für mich auch so.

00:35:04: Ja, und dann habe ich diese Begegnungen ja auch im Buch geschildert, weil die für mich unglaublich für uns beide, auch für meine damalige Lehrer, sehr berührend, sehr bewegend war.

00:35:13: Und sie hat meine eigene Erinnerung komplett zu hundert Prozent bestätigt, wie ich mich selbst gesehen und wahrgenommen habe.

00:35:20: Und das ist mir sehr nahe gegangen.

00:35:23: Und es ist immer auch eine ambivalente Erfahrung, das dann zu hören.

00:35:27: Zum einen, es gibt auch immer noch eine Resthoffnung, dass die Dinge, die man erinnert, dann mal nicht erinnert, womit die keine so schlimm waren.

00:35:34: Aber es war halt schon so, dass sie bestätigt hat, dass sie wahrgenommen hat, dass ich gelitten habe, dass ich ein sehr trauriges Ernsteskind war, dass ich ständig suchend fragend war, hat sie mich erlebt und das es mir generell nicht gut ging.

00:35:49: Und es hat mich sehr berührt und auf eine gewisse Art auch ernastet, dass meine Wahrnehmung korrekt war und dass ich mir das nicht ausgedacht habe.

00:35:58: Und generell fühlte mich auch da durch diese Begegnung und Bestätigung, durch diesen Dialog auch ernst genommen.

00:36:02: Und das ist etwas, was glaube ich als Traumopfer unglaublich wichtig ist.

00:36:06: Und viel Betroffenen, ob General immer wieder Angst macht, diese Befürchtung werde ich ernst genommen.

00:36:10: Glaubt man mir, ist meine Erinnerung, ist sie echt, wird sie validiert.

00:36:17: Und wenn man dann andere Betroffene zum Beispiel kennenlernt, ich habe mittlerweile auch durch das Buch sehr viele Betroffene kennengelernt, nicht nur aus dem Verschickungskontext, sondern Generell betroffene von verschiedenen Arten, von Traumata.

00:36:29: Und das ist jedes Mal wieder neu.

00:36:33: Ja, vereinserte faszinierend, aber auch sehr berührend dann zu erkennen, man ist mit der Erfahrung nicht allein.

00:36:39: Man hat ähnliche Prozesse durchlaufen, ähnliche Gefühle, ähnliche Entwicklungen.

00:36:45: Und ja, man erkennt sich, man spiegelt sich in dem anderen.

00:36:50: Und das erlebe ich als sehr heilsam und als sehr wohltuend.

00:36:54: Endlich mich nicht mehr rein zu fühlen, aus der Isolation rauszukommen.

00:36:58: Das ist mir mein großes Anliegen, das zu betonen, dass ich lange viele Jahrzehnte dachte, ich bin meine Erfahrung komplett da rein.

00:37:04: Das hat mich innerlich unendlich einsam gemacht und depressiv und krank.

00:37:08: Und ich habe mittlerweile so viele Begehung gehabt von Menschen, die Schildern und mit Menschen, die Schildern.

00:37:14: Ich dachte, ich wäre der einzige, der diese Erfahrung gemacht hat.

00:37:17: Und ich wusste gar nicht, dass es nur so viele andere Betroffene gibt.

00:37:22: Und dann diese Gemeinschaft zu spüren, ist so unglaublich heilsam und zu berühren und so wertvoll.

00:37:28: Das hatte ich auf dem Bundeskongress der Verschickungskinder zum Beispiel, wo am Ende in einer Abschlussrunde dann so gefragt wurde, was nehmt ihr mit?

00:37:36: Und mein Feedback waren auch damals, ich habe das Gefühl, ich habe eine neue Familie kennengelernt.

00:37:40: Ich fühle eine Verbindung, eine ganz starke, intensiven Verbindung, eine Herzensverbindung zu all den Menschen, die ich hier sehe und treffe, Menschen, die ich zum ersten Mal getroffen habe.

00:37:49: Und die sind mir alle so ans Herz gewachsen und so nah und aufgrund der geteilten Erfahrung.

00:37:55: Ja, ich zu hundert Prozent nur unterschreiben, Punkt.

00:38:01: Ja, das ist ein Anliegen, dass wir auch teilen, dieses das Schweigenbrechen und anzufangen, uns unsere Geschichten zu erzählen, weil es eben so lange Zeit und ja auch immer noch ist, das muss man ja wirklich sagen, die Zeit ist ja noch nicht vorbei, weil es so lange Zeit eben so komplett tabuisiert war.

00:38:19: Und Schuld und Scham sind natürlich große Kleber in dieser ganzen Tabuisierung, weil wir uns, was ja wirklich herzbrechend ist aus der Perspektive von heute, ja dann auch noch als Kinder, was auch ein ganz menschliches Phänomen ist und ein Automatismus, der von ganz allein geschieht, ja auch noch dafür schämen, was uns passiert ist und was uns angetan wurde und uns sogar selber noch die Schuld geben.

00:38:46: War das bei dir auch so?

00:38:48: Hundertprozentig war das bei mir so, weil ich bin ja verschickt worden mit der Information, ich bin nicht richtig, also ich bin zu dünn, zu dir irgendwas stimmt irgendwie nicht, also werde ich verschickt, dann werde ich dort gehalten, werde normal, gesund werde.

00:39:01: Also muss es an mir liegen und das ist, überhaupt ist das ja auch die Kinder, die die Perspektive, also ich weiß mittlerweile auch, dass es typisch ist für ein Kind, diese Verantwortung zu sich zu nehmen, insbesondere dann, wenn es keine beschriedigende, zufriedenstellende Erklärung von den Sohn und Erwachsenen gibt, warum das passiert, was passiert.

00:39:17: Bei mir der Fall und.

00:39:20: Ich habe also die Verantwortung die Schuld bei mir gesehen und Täter wiederum in den Kontext bedienen ja genau dieses Phänomen bei den Opfern, das heißt entweder du hast es gewollt oder du, du musst das machen, also das oder du hast es verdient oder das ist da der Verschuld oder genau und das Phänomen der Scham Scham ist ja nicht generell was Negatives Scham.

00:39:44: Ist ja auch eine Emotion oder Gesühle, welches einem hilft, sich zugehörig zu fühlen, um dann halt so eine Art Annahmsignal zu haben, okay, halt, stopp, jetzt mache ich gerade etwas, was falsch ist, womöglich.

00:39:58: Und dann pass ich mein Verhalten an und gehöre wieder dazu.

00:40:01: Aber hier wird genau dieses Phänomen, diese kindliche Scham und auch Angst ausgenutzt von Tatern.

00:40:08: Und das auch gepaart mit dem Phänomen der Tabuisierung über bestimmte Dinge zu reden.

00:40:14: Wir haben damals schon, natürlich in der damaligen Zeit, vor über fünfzig Jahren keine Kultur des Drüberredens gehabt.

00:40:21: Das haben wir heute in vielen Teilen nach und vor nicht, finde ich.

00:40:24: Es gibt wenig Mentoren oder wenig Vorbilder, positive Vorbilder, wie man Kindern vermittelt, frei und offen über jedes Thema reden zu dürfen.

00:40:33: Und das fehlt jetzt an Wissen, an Erfahrung, an Know-how.

00:40:36: Und manchmal ist es auch noch gespickt mit einer religiösen Überhöhung.

00:40:40: Das heißt, wenn Religion im Spiel ist, ich spreche da auch in meinem Buch von Gottesvergiftung, Begriff von Hans Künn.

00:40:48: Dieses Phänomen, wenn Religion im Spiel ist und also alles, was irgendwie in den Dunstkreis sünde, schlägt, böse fallen könnte, das sind ja auch Begriffe oder Beschreibung, Umschreibung auf dem Kontext des eigenen Körpers, des eigenen Körperbild, Sexualität.

00:41:05: Und ja, das ist dann auch so, dass dann die Betroffenen, die Menschen, die dann diese Erfahrung, auch diese Sozialisierung erlebt haben.

00:41:14: Und top auch noch sich schämen und sich schuldig oder wie ein Sünder fühlen.

00:41:19: Was auch wiederum dann von Tätern auch bedient wird.

00:41:25: Und dann halt die Angst, weil die Vorbilder fehlen in der Gesellschaft, die Angst, mir glaubt sowieso niemand.

00:41:31: Wem kann ich das erzählen?

00:41:33: Weil es gibt keine Blaupause, kein Vorbild.

00:41:37: Niemand, der einem vorlebt, wie jemand damit umgehen kann, sollte.

00:41:45: Ja,

00:41:45: es ist so dramatisch und tragisch und ich kenne es aus Klientenkreisen, aber auch aus einem bekannten Kreis, dass wenn sexualisierte Gewalt z.B.

00:41:54: innerhalb der Familie stattfindet und das Kind wendet sich dann an das andere Elternteil.

00:41:59: dass dann das andere Elternteil mitspielt und sagt, das hat der Papa oder das hat der Onkel nie gemacht.

00:42:05: Und das bildest du dir ein und wie kannst du dir sowas ausdenken und so.

00:42:09: Und das dann kommt dann auf das eigentliche Trauma obendrauf nochmal ein Fettes.

00:42:14: Und dann überlegst du dir natürlich beim nächsten Mal zweimal an wen du dich wendest.

00:42:18: Genau, das ist ja ein sehr häufiges Phänomen.

00:42:20: Und da gibt es auch viele Studienuntersuchungen zu, auch anonymisierte Befragen.

00:42:24: Und ich kenne es auch noch selbst für Gruppe, wo ich selber mitgeht bin.

00:42:29: Erstmal ist es so, dass nur ein einstelliger Prozentsatz aller Betroffenen überhaupt erst mal den eigenen Übergriff irgendwie aktenkundig macht, also durch eine Anzeige oder der Gleichen.

00:42:40: Und die Reaktion ist sehr, sehr, sehr häufig so, dass im familiären Umfeld, wo ja die bekanntermaßen die meisten Übergriffe stattfinden, auch überhaupt irgendwie die Reaktion eher abwertend oder unglaublich ist.

00:42:51: Und auch im institutionellen Kontext haben ja die Betroffenen die Opfer damit zu kämpfen, dass ihnen nicht geglaubt wird, dass ihre Aussagen getauffragt werden.

00:43:01: Und dann wieder, dass diese Menschen retraumatisiert werden.

00:43:04: Und das ist, da findet auch oft eine Täter-Opferumkehr statt.

00:43:08: Das wird erst mal unterstellt, dass du als Betroffener oder Betroffene, dass du was falsch gemacht hast, die Frau, die die falsche Teilung getragen hat.

00:43:16: Und das Kind, das irgendwie die Juicy keinen angenommen hat von dem Täter, solche Dinge halt.

00:43:21: Und da wird auch nicht wiederherum jemand beschämt oder wird die Schuld bei dem Betroffenen gesucht.

00:43:27: Und das ist super tragisch.

00:43:30: Und manchmal frage ich mich, was sogar noch schlimmer ist, die eigentliche Tat oder die Reaktion darauf.

00:43:36: Auch gerade die Reaktion von Bezugspersonen, also der Familie in den Eltern beispielsweise, wenn dort, wenn es dort keine Resonanz gibt, positive Resonanz im Sinne von, ich glaube, die Bedingungslos, was sind wir Schilders?

00:43:51: Und tatsächlich wird die eigene Schilderung in Frage gestellt, dann wird dem Kind gesagt, gespiegelt, deine Wahrnehmung ist falsch.

00:43:58: Du bist falsch nach wie vor, du bist nicht richtig und mit das Kind.

00:44:02: der Betroffene wird damit komplett alleine gelassen.

00:44:05: Und schleppt das in der Regel sein Leben lang mit sich, ne?

00:44:08: Genau.

00:44:09: Ich würde gerne an dieser Stelle eine Passage aus deinem Buch vorlesen.

00:44:15: Du schreibst bis heute, zwingt das Leben mich manchmal dazu, mich bewusst daran zu erinnern, dass ich nicht mehr in der Klinik bin, nicht mehr im Keller, nicht mehr auf der Pritsche.

00:44:25: Inzwischen bin ich mental gut aufgestellt und stehe mit beiden Beinen fest im Leben.

00:44:30: Wirkliche Panik erlebe ich nur noch selten.

00:44:32: Doch wenn es dazu kommt, ist für einen kurzen Moment manchmal noch alles wie damals.

00:44:39: Das ist genau das, was Trauma macht mit uns.

00:44:42: Trauma kann uns, wenn etwas oder jemand die richtigen Knöpfe drückt, wenn sehr starker Trigger eine Reaktion im Kabel auslöst, innerhalb von Bruchteilen von Sekunden aus der Gegenwart in die Vergangenheit katapultieren.

00:44:59: Was waren die Symptome deiner posttraumatischen Belastungsstörung, mit denen du vor deiner Trauma Heilung im alltäglichen Leben zu kämpfen hattest?

00:45:10: Das waren bei mir eine ganze Vielzahl an Symptomen, körperliche oder psychische emotionale Reaktionen, Schlafstörungen, Flashbacks, eine Essstörung, Depressionen, Vermeidungsverhalten in bestimmten Situationen.

00:45:30: Mein Beziehungsverhalten war dadurch beeinträchtigt.

00:45:34: Ich habe Tabelsympathie und Hochdruck entwickelt.

00:45:37: Ich konnte mit Schleswigut umgehen.

00:45:41: Ich habe irgendwann, ja, am Ende zwar nicht bösartig, aber Weichtaltumoreanbicke, die in einer kürzester Zeit ganz stark gewachsen sind, die, wo der Körper dann quasi mir an der Handignail gesendet hat, halt Stopp.

00:45:56: Ich habe, genau, ein ganz wichtiger Punkt.

00:45:59: Ich hatte Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen, also mein Mission zu verhalten.

00:46:04: In allen Lebenskontexten war so, hat sich so gestaltet, dass ich schlechter einsagen konnte.

00:46:12: Das ist eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität und hat massiver Auswirkungen auf ganz viele Bereiche.

00:46:17: Im beruflichen Kontext, im privaten Kontext, im persönlichen Abgrenzungen, sich nicht abgrenzen können, Bedürfnisse zu formulieren, überhaupt die Perspektive einnehmen zu können.

00:46:33: Meine Bedürfnisse sind wichtig und ich darf mich ernst nehmen und ich darf mich um mich kümmern.

00:46:39: Und ich bin wertvoll.

00:46:42: All diese ja eigentlich selbstverständlichen Dinge, die man voraussetzen sollte bei jedem Menschen, das sie so verhalten sind, angelegt sind, die waren mir nicht bewusst, die waren bei mir nicht angelegt.

00:46:52: Und ich habe erst diese Traumotherapie und die anderen Therapieformen, die ich erleben durfte, gebraucht, um wirklich vollumfänglich zu verstehen und zu erahnen, dass es da draußen eine ganz andere Welt gibt, eine gesunde Welt eigentlich, eine gesunde Welt, wo diese Dinge, die mir komplett verborgen und das verschlossene blieben über so einen langen Zeitraum, wo ich mich mühsam wieder erarbeiten muss, also dieses Wissen darüber, dass es auch anders sein kann und auch sollte, wie sich Leitigkeit anfühlt und wie sich etwas anfühlt, ohne Angst in den Alltag zu gehen und auch dieses Wissen, man ist nicht alleine, man ist nicht insoniert.

00:47:33: Also die Facetten und die Bandbreite der Symptome und der Befindlichkeiten, aber auch der Störung ist manikweitig und vielseitig.

00:47:40: Also ich glaube, wenn ich länger darüber nachdenke, würde ich noch mehr Dinge einfallen.

00:47:43: Es gibt ja auch oft so diagnostische Listen von traumatypischen Symptomen, verhaltensweise Daumtsätzenmussern und auch im Rahmen meiner Ausbildung, die ich ja auch mache gerade, ich kann fast überall einen Haken runter machen.

00:47:58: Also alles erlebt, alles, kenne ich alles, genau.

00:48:01: Und das ist, wenn man das realisiert, erstmal halt erschütternd, nach wie vor und erschreckend.

00:48:07: Das Gute ist, ich erkenne sie heute früh, wenn das passiert, also mir passiert sowas immer noch, aber ich erkenne es früher und ich habe heute Tools, Handwerkszeug, Mechanismen mir angeeignet, um damit umzugehen und dass ich dann das zuordnen kann, verstehen kann, mich regulieren kann.

00:48:27: Oder ich hab dann jemand an meiner Seite, der dann als Co-Regulator mir dann dabei hilft, zum Beispiel mein Hund.

00:48:32: Das ist mein inoffizieller Therapiehund und Regulator, der mir da sehr hilft.

00:48:37: Ja, wie gut, wie gut.

00:48:39: Ja, das was du da gerade, Michelle, das kenn ich natürlich auch zu hundert Prozent.

00:48:43: Und was ich im Nachhinein mir oft auch so im Stillen für mich noch mal Gedanken drüber mache, wenn wir aufgrund von Trauma hier im Grunde genommen unser ganzes Leben in diesem Überlebens ... Modus verharren, also ich kannte ehrlich gesagt, wenn wir mal dieses Toleranzfenster von Daniel Siegel als Modell nehmen, ich kannte gar keine Entspannung.

00:49:05: Also entweder ich war dorsal, war gar in depressiven Phasen oder total drüber.

00:49:12: Und es fehlt uns natürlich auch das Korrektiv, weil wir halten das so wie wir leben für normal.

00:49:19: Und ich weiß aber erst, wie ich heute lebe, so ist eigentlich normal.

00:49:23: Und dann fällt es mir fast schwer, manchmal in diese alten Zustände auch gedanklich zurückzugehen.

00:49:28: und dann fällt mir aber nachmittag ein im Winter, zwei tausend achtzehn, wo ich also, wo ich gemerkt habe, dass die Angst sich schon über Tage aufbaut, über Tage aufbaut, wo ich einfach geraucht habe, wie eine Irre und wie.

00:49:42: wie ein sehr angespannter Tiger im Käfig, der immer so an den Gittern hin und her läuft.

00:49:47: Ich war einfach so drüber und wo man dann schon nachmittags um sechszehn Uhr denkt, kann ich jetzt eigentlich schon Glas Rotwein trinken?

00:49:55: Ach komm, scheiß drauf, warum nicht?

00:49:57: Also irgendwie, um aus diesen Zuständen wieder rauszukommen und wenn ich in diese Situation zurückgehe, es war ein spezieller Nachmittag, dann erinnere ich mich sofort daran, wo ich eigentlich herkomme.

00:50:08: Und wie das Leben heute ist.

00:50:10: Und ich finde es total gut und wichtig, was du gerade sagst, es passiert mir immer noch.

00:50:14: Weil klar, mir passiert es auch immer noch.

00:50:17: Aber und das ist nicht nur deine Botschaft, sondern auch meine.

00:50:21: Ich habe gelernt, damit zu leben und ich habe gelernt, damit umzugehen.

00:50:26: Ich kriege mich mit.

00:50:28: Ich weiß dann, was zu tun ist.

00:50:30: Und das ist Neuroplastizität.

00:50:32: Du hast das gelernt.

00:50:34: Ich habe das gelernt.

00:50:35: Jeder Mensch kann das lernen, wenn er sich auf die Reise macht.

00:50:39: Genau.

00:50:40: Absch, kann ich hundertprozentig bestätigen.

00:50:43: Ich kann jeden nur dazu ermutigen.

00:50:45: Es erfordert natürlich Mut und es ist auch eine gewisse Kraft und Energieanstrengung erforderlich.

00:50:49: Aber man wird absolut dafür belohnt, das zu tun.

00:50:52: Sich zumuten, das ist ja ein Wort, das ich in meinem Buch sehr oft benutze, weil es Neukonotiere sich zumuten.

00:50:59: und sich an zu vertrauen, sich diesem Trauma, diesem eigenen Leid, der eigene Geschichte zu stellen.

00:51:05: Das ist etwas, was wir für uns tun.

00:51:08: Und das ist so heilsam und so wohltun, mit sich selbst da ins Reine zu kommen, sich selbst auch zu verzeihen, auch das ist etwas, was auch erforderlich ist.

00:51:15: Also diese Schuld, die man lange bei sich gesehen hat, die loszuwerden, die Scham loszuwerden.

00:51:22: Und den eigenen Bedürfnis sind erstmalig konsequent, im Leben richtig zu widmen.

00:51:27: Das ist unglaublich heilsam.

00:51:29: Und das ist ein liebevoller Umgang mit allem selber.

00:51:33: Mir hat immer sehr geholfen.

00:51:35: Ich hab also auch ganz praktisch mir immer ein Bild von dem damaligen fünfjährigen Jungen quasi vor Augen geführt.

00:51:40: Ich hab sogar wirklich am Nachtstrecken, also neben meinem Bett Bilder von mir aus meiner Kindheit, um das immer wieder ins Gedächtnis zu holen und mir zu viel gegenwärtigen... Wer ist dieses Kind?

00:51:52: Wer ist dieser Junge?

00:51:53: Und was braucht er?

00:51:55: Und da ich selber Vater bin von zwei mittlerweile tollen jungen Männern und ich die Kompetenz und das Missen habe, was Kinder brauchen, auch als Vater, habe ich auch, das sage ich mir immer wieder, auch als Affirmation, wenn man so will, ich weiß genau, was dieser Fünfjährige von damals braucht.

00:52:12: Und der ist ja immer noch da.

00:52:14: Also ich bin ein starker Anhänger von diesem Konzept von Anteilsarbeit, inneren Kindarbeit.

00:52:20: Und dieser fünfjährige, wenn der sich dann meldet, wenn er geträgert wird, wenn er wieder diese Not hat, wenn dieser Traumastrude kommt oder droht zu kommen, dann bin ich quasi der Wachsende, der ich hier heute bin und sitze, bin derjenige, der dann diesen Kleinen an die Hand nimmt, auf den Schoß nimmt oder ihn regulieren kann und sagen kann, so, ich bin jetzt für dich da und ich mach's auf dich auf und ich helf dir, dich zu regulieren und verschaff dir wieder Sicherheit, die du brauchst.

00:52:42: Und das ist etwas, was man lernen kann.

00:52:46: Und diese Arbeit lohnt sich so sehr, weil man wieder das Leben zurückgewinnt.

00:52:52: Die Leichtigkeit, sich hier und jetzt verankert und auch eher Lebensfreude bekommt.

00:52:57: Und das macht man für sich selber.

00:53:00: Und das lohnt sich so sehr, das zu machen.

00:53:05: Und das Umfeld profitiert auch davon.

00:53:07: Absolut.

00:53:08: Unbedingt.

00:53:08: Das bestätigt meine Familie, das bestätigt meine Söhne, meine Frau, Freunde.

00:53:15: Also das ist ja auch das spannende für eine mehle.

00:53:17: ich bin so groß geworden in meiner generation wie glaube ich viele anderen menschen auch mit zuglauben setzen wie sei nicht so egoistisch denke ich nur mal nicht selber.

00:53:24: das ist ja auch so eine art von sozialisierung die nicht wirklich gesund ist.

00:53:28: aber heute weiß ich dass Das Ding wie Selbstversorgung, Achtsamkeit, Dinge, die voraussitzen, die Grundlage dafür darstellen, auch anderen Menschen achtsam und rücksichtsvoll zu begegnen.

00:53:40: Erst wenn wir das für uns selbst leisten können, können wir das für andere Menschen gut und gesund leisten.

00:53:46: Was bedeutet das Wort trotzdem für dich?

00:53:50: Trotzdem heißt es für mich gegen den Widerstand, gegen Konvention, gegen vermeidliche Tabus, Dinge zu tun, die sich in dem Moment richtig anfühlen.

00:53:59: Und das habe ich, ich habe dieses trotzdem Muster oder diesen trotzdem Ansatz für mich schon als Kind perfektioniert.

00:54:06: Das war Teil meiner Überlebensstrategie, ist meine DNA übergegangen.

00:54:11: Ich bin tatsächlich dann zu höchst vorm Aufgelaufen gelaufen, das außer Not heraus, weil es mir so schlecht ging als Überlebensinstinkt.

00:54:19: Wenn mir meine Umgebung gespiegelt hat, du bist jetzt so, du bist jetzt wieder der Dumme, du bist der Behinderte.

00:54:25: oder du bist schuld an diesem oder jenen irgendwie, auch was den Missbrauch betrifft.

00:54:30: Ich habe diesen Widerstand in mir gespürt, diese Resilienz gespürt und auch später im beruflichen Kontext.

00:54:38: Ich meine, ich habe eben schon mal angedeutet, dass ich mir autodidaktische Dinge beigebracht habe.

00:54:43: Ich sehe mich selber als Generalisten, ich bin kein Spitzerlist, also ich kann so ein bisschen von einem aber nicht so richtig.

00:54:50: Aber das reicht, es ist gut, um dem klarzukommen und wenn jemand gesagt hat, das haben wir noch nie so gemacht oder das haben wir immer schon so gemacht, also macht es bitte genauso, dann hat das bei mir immer den Impuls, den Reflex ausgelöst, moment.

00:55:07: Das möchte ich erst mal selber überprüfen, ob das wirklich so ein Stein gemeißelt ist und ob das wirklich der Wahrheit entspricht.

00:55:12: Ich habe also generell ein gesundes, würde ich sagen, Misstrauen entwickelt, wenn wir irgendwelche Wahrheiten, sogenannte Wahrheiten oder Gesetze präsentiert wurden.

00:55:22: Und das ist eine Fähigkeit, eine Eigenschaft, die ich entwickeln musste aus meiner kindlichen Erfahrung heraus, als über den Strategie.

00:55:28: Und im Rückblick bin ich heute für diese Fähigkeit unglaublich dankbar, weil sie mich dahin gefüttert, wo ich heute bin.

00:55:34: Weil ich den, wenn ich diesen Widerspruch in den Inneren nicht gespürt hätte, trotzdem, trotz dieser Stigmatisierung, trotz des in die Ecke gestellt werden, trotz des in die Schublade gesteckt werden, ich trotzdem mich zu Wehrsätze, diesen Statuskonik akzeptiere, habe ich mein Leben zurückgenommen, zurückgeholt.

00:55:57: mit viel Kraft und viel Aufwand, mit viel Mühe, aber es hat sich absolut gelohnt.

00:56:02: Und darum wäre das auch eine Botschaft an die Menschen dort draußen, eine trotzdem Haltung einzunehmen.

00:56:08: Also mutet euch zu, traut euch, nippt euch mit euren Bedürfnissen ernst, mit eurer Wahrnehmung auch ernst.

00:56:16: Und dann werdet ihr dafür belohnt am Ende.

00:56:19: Davon bin ich total überzeugt.

00:56:22: Wie ist deine Beziehung heute zu deinem Anderssein?

00:56:27: Heute rücksichtsvoll und liebevoll.

00:56:29: Ich habe so wie viele Menschen, glaube ich, auch lange mit mir selber gehadert, als ich irgendwann redisiert habe, was mit mir alles nicht stimmt, sozusagen, war das im ersten Moment sehr erschütternd und sehr erschreckend.

00:56:43: Also, dieses große Ganze zu erkenneln, die ganzen Zusammenhänge, auch den Zusammenhang zwischen Symptomen und dem, was mit und zu nehmen, was mir damals passiert ist.

00:56:52: Und ich habe an was gedacht, ich müsste mich komplett neu erfinden.

00:56:55: Oder, dass alles, was mir falsch sei, oder kaputt sei, aufgrund Deutsch.

00:56:59: ist ihr das heute komplett anders.

00:57:01: Das kam vielleicht gerade schon mit dieser Trotschilderung rüber.

00:57:05: Ich habe heute das Gefühl, dass ich über besondere Fähigkeiten verfüge, durch diese Überlebensstrategien, durch die Erfahrung, die ich gemacht habe, die ich heute positiv nutzen kann in meinem Leben.

00:57:17: Für mich selber und für mein Umfeld.

00:57:20: Und auch jetzt, weil ich das Buch schreiben konnte, auch anderen Menschen vermitteln kann und möchte.

00:57:26: Resilienz, Skills, Fähigkeiten über den Strategien und ich bin stolz darauf.

00:57:32: Ich bin stolz darauf und bin ein großer Fan von mir selbst auf eine positive Art, irgendwie glaube ich, und kann mir selbst die Anerkennung zollen, die mir auch gebührt, dafür was ich geschafft habe und es ist unglaublich viel.

00:57:49: Und ich das gleiche tue ich auch mit anderen Menschen, die es geschafft haben, die überlebt haben, die diese Hindernisse überwunden haben.

00:57:56: Und das sind Menschen, das man sich je nach außen sagen, die ähnliche Erfahrung gemacht hat.

00:58:01: Ihr habt Dinge geschafft, die die unglaubliche Kraft und unglaubliche Mut erfordern.

00:58:07: Und das habt ihr aus euch heraus geschafft.

00:58:09: Ihr habt es bis hierhin geschafft.

00:58:10: Und wenn ihr es bis hierhin geschafft habt, dann schafft ihr auch noch ganz andere Dinge.

00:58:13: Ihr habt also unglaubliche Fähigkeiten und super Kräfte.

00:58:17: Mir fällt dazu nur eine Dorte ein mit einer Therapeute, die mir mal begegnet ist, die mir geschildert hat.

00:58:21: Herr Schneermann, Sie als Betroffener von Trauma haben aus dem Trauma oder Durchdachtstrauma Fähigkeiten, die unglaubliche Sensitivität und Empathie entwickelt.

00:58:30: Das ist eine Superkraft, die viele Therapeuten nicht immer haben und sich eigentlich wünschen.

00:58:34: Da haben sie ganz, ganz viel voraus.

00:58:36: Und wenn sie erschaffen, diese Empathie nicht nur für Dritte zu entwickeln, sondern auch nach innen zu richten.

00:58:42: In ihrer inneren Anteilung ist das so unglaublich wertvoll und kraftvoll.

00:58:47: Das habe ich eben realisiert.

00:58:49: für mich ja, das stimmt und habe das ausprobiert.

00:58:51: Mit zu den Erfolg und heute kann ich diese Fähigkeit nicht nur ins Außen richten, sondern auch nach innen.

00:58:57: Und rücksichtsvoll und liebevoll mit mir selber umgehen, auch mit diesen Anteilungen.

00:59:06: Wenn ihr das bei YouTube seht, dann seht ihr meine feuchten Augen.

00:59:10: ist einfach immer wieder schön, sich mit Menschen auszutauschen, die, ja, wenn wir unsere Geschichten teilen und uns ineinander erkennen, uns im anderen erkennen, ist es einfach berührt auf einer ganz tiefen Ebene.

00:59:23: Und ich bin sicher auch diejenigen, die uns die letzte Stunde zugehört haben.

00:59:29: Du hast gesagt und erzählt, dass du als kleiner Junge gebetet hast.

00:59:34: Ja.

00:59:35: Glaubst du, dass es in uns, außerhalb von uns, neben uns, wo auch immer eine Kraft gibt, die will, dass wir leben?

00:59:46: Auf jeden Fall.

00:59:47: Ich glaube, es liegt in der Natur von uns Menschen, nicht nur von uns Menschen, sondern von allen lebenden Wesen, wenn ich mal einen Hund sehe zum Beispiel, den habe ich eben schon erwähnt.

00:59:55: Da sehe ich und spüre ich das total.

00:59:58: Wir haben einen unbedingt überlebenswillen und Instinkt und einen Antreimer.

01:00:03: Und eine Kraft genau.

01:00:04: Und ich glaube, es gibt eine Kraft.

01:00:06: Ich meine, ich bin nicht mittlerweile keine Institution oder Kirche.

01:00:11: Aus anderen Gründen sage ich mal bewusst.

01:00:13: Aber ich sehe mich als spirituellen Menschen auf jeden Fall.

01:00:18: Und für mich äußert sich diese Kraft in den Erfahrungen, die ich gerade geschildert habe, in zwischenmenschlichen Begegnungen, in Erfahrungen, Leben in der Natur, auch angesichts der der fantastischen Welt um uns herum, die mich mit offenem, staunem Mund irgendwie fasziniert zurücklässt, um mich demütig werden lässt, dass wir bei Antworten, die wir vermeintlich haben, dann sich immer mehr und neue weitere Fragen auftun.

01:00:47: Und das macht mich demütig, aber auch dankbar und auch fasziniert, dass ich ahne, es gibt viele Dinge, die passieren, offensichtlich passieren.

01:00:59: Zwischen uns, mit uns, um uns herum, die wir noch nicht wirklich vollumfändig erfassen können, wo wir keine finalen Antworten für haben, wo es Versuche von Erklärung gibt.

01:01:08: Aber an der Stelle sage ich ganz wunderschön, bin ich demütig, ich habe gar nicht mehr den Anspruch, auf all diese fragende Antwort zu haben, sondern ich bin fast ehrfüchtig oder demütig, dass da um uns eine faszinierende Welt ist da draußen, die alles irgendwie auf eine magische Art zusammenhält.

01:01:25: Und das ist, bin auch magisch.

01:01:26: fast ganz gut, es ist magisch, es ist faszinierend.

01:01:31: Und das macht mich demütig.

01:01:32: Und das ist meine Art von Welpit und von meiner Art von Religion.

01:01:36: Und dafür brauche ich jetzt nicht irgendeinen, keine Ahnung, kein bestimmtes Bild oder kein bestimmten Namen oder so, sondern das ist meine Art, das zu beschreiben, was ich erlebe.

01:01:45: Und meine Art von Spiritalität.

01:01:48: und ich spüre Verbindungen, wo wir auch schon gesprochen haben, zu Menschen, die endlich Erfahrungen gemacht haben.

01:01:54: Ich spüre auch oft Verbindung zu fremden Menschen.

01:01:58: zu anderen Lebewesen.

01:01:59: Ich meine, wenn ich mein Hund, immer wieder mein Hund, wenn ich mir den anschaue, wenn ich den erlebe oder andere Tiere erlebe, dann sehe ich dort Individuen, Persönlichkeiten, individuelle Wesen mit eigenen individuellen Eigenschaften.

01:02:11: Und ich finde es immer wieder aufs Neue, glaube ich, faszinierend und magisch und bereichert.

01:02:19: So schön, Markus.

01:02:21: Du bist ein weiteres Beispiel für einen Menschen, der sich und der Welt demonstriert, dass wir nicht unser Trauma sind und dass wir nicht unsere Vergangenheit sind und dass wir uns unsere Vergangenheit stellen müssen, wenn wir aus der Gegenwart heraus eine Zukunft kreieren wollen.

01:02:40: Wir kommen einfach nicht drumherum.

01:02:42: Da hat keiner Bock drauf, keiner hat Bock in den Schmerz zu gehen.

01:02:45: Ich hätte auch gerne die Wunderpille genommen und wenn ich acht Jahre in Trauma Therapie gegangen.

01:02:52: So ist es halt nicht.

01:02:53: Und trotzdem hast du das auch so schön formuliert.

01:02:55: Der Weg ist so lohnenswert.

01:02:57: Und auf der anderen Seite ist das Leben ... Also, die Lebendigkeit ist so ein anderer Zustand als Überleben.

01:03:05: Genau.

01:03:05: Und dann findet doch jetzt Mitte des Lebens noch

01:03:07: mal ...

01:03:08: Ich bin jetzt mal ganz optimistisch.

01:03:11: Findet doch noch mal ... Ja, ein ganz anderes Kapitel statt.

01:03:14: Ja, das lohnt sich so sehr.

01:03:17: Weil man halt so bereichende Berührung der ... Erlebnisse, Erfahrung, Begegnung, wo auch Begegnung hat, zwischen Menschen die Begegnung, die so heilsam sind.

01:03:27: Gerade Menschen, Betroffene von Trauma erleben sich ja oft zu isoliert mit ihrer Erfahrung.

01:03:32: Und wenn man dann sich dem Trauma stellt, sich zumutet, sich anvertraut, erlebt man, dass es sich eine komplett neue Welt, mit Deichgesinnten, mit Deichbetroffenen, aber auch mit Nichtbetroffenen.

01:03:44: Das muss nicht ein zwięhten Betroffener sein.

01:03:46: Also Menschen, die... die sich verbinden können mit der eigenen Erfahrung, die Verständnis, die Mitgefühl zeigen und sagen ganz bewusst Mitgefühl, nicht Mitleid, das wollen wir nicht, ich möchte auch keinen Mitleid und auch mal eine Verbindung, eine menschliche Verbindung spüren und Menschlichkeit und das ist so bereichert, aber auch ganz viel Leichtigkeit.

01:04:07: Dadurch, dass ich mich zugemutet habe, dass ich die Mut gefunden habe, Dinge zu tun, die ich vor Jahren nie vermutlich gehabt hätte, habe ich heute Auch Mut in komplett anderen Kontexten.

01:04:17: Ich probiere Dinge aus, die ich nie in meinem Leben für Möglichkeiten hätte und bin da auch mutig.

01:04:22: Also, ob das irgendwelche Hobbys sind, irgendwelche Träume oder Ideen, verrückte Ideen.

01:04:28: Jeder Mensch kennt eine Bucket List von Dingen, die er mal gerne machen möchte.

01:04:30: Und ich bin auf meine alten Tage irgendwie auch noch so drauf, dass ich neue Dinge identifiziere, die ich spannend oder toll finde und denke, ja, das will ich gerne noch mal ausprobieren.

01:04:38: Ich bin mir dafür nicht zu alt oder zu schade oder sonst was und mach das einfach.

01:04:43: Ich hab dann irgendwann zum Beispiel das Singen für mich entdeckt und obwohl ich ganz viel Angst davor hatte, dass das mich beschämelt, dass das nicht klappt oder so.

01:04:51: Und hab mich dann irgendwann auf eine Bühne gestellt und hab angefangen zu singen.

01:04:55: und war vorher super aufkriegt, hatte ganz ganz viel Angst und wurde sowas von Belot.

01:04:59: Das ist ein Beispiel, was ich immer ganz gerne schildere.

01:05:02: Ich weiß, dass du aussegst, auch eine Parallele zwischen uns.

01:05:05: Und ja, da gibt es viele Beispiele, die mir dazu einfallen.

01:05:11: Aber nicht zuletzt am meisten Hängebeben sind für mich die Begegnung zu anderen Menschen.

01:05:17: Die Verbindung, die ich spüre und wahrnehme, zu anderen Menschen durch mein Öffnen, durch meine Geschichte.

01:05:24: Vielen Dank, dass du einen Teil davon in der letzten Stunde mit uns geteilt hast.

01:05:29: Wenn aus dem Trauma Freiheit wird, es erschienen im Next Level Verlag von Markus Schneermann.

01:05:35: Wenn Menschen sich über das Thema Verschickungskinder noch weiter informieren wollen, vielleicht packen wir noch einen Link in die Show Notes.

01:05:43: Sehr gerne.

01:05:44: Das gibt ein Bundesverband, hast du gesagt, oder ein Landesverband?

01:05:46: Genau.

01:05:47: Es gibt Bundes- und Landesverbände, es gibt Verschädkungs- Unterverschädkungsheime.de, gibt es diesen Bundesverband, dort findet man auch Hinweise auf die Landesverbände, es gibt in vielen Landesverbänden auch Ortsgruppen, es gibt Selbsthilfegruppen, es gibt regelmäßige Treffen, es gibt Online-Initiativen, also Sub-Calls in verschiedenen Landesverbänden, das ist also eine Initiative, die sehr regelmäßig aktiv mit der Wahl ist, gut organisiert ist.

01:06:10: Und jeder, der sich dort in diesem Themenkonzept wiederfindet und merkt, das ist noch etwas, was ich auch erlebt habe, der findet dort Hilfe und Unterstützung.

01:06:18: Aber auch alle anderen Ausnahmen vom Verschickungs-Kontext, ich denke, es gibt auch viele andere Anlaufstellen, sich Hilfe und Unterstützung zu holen.

01:06:25: Genau.

01:06:26: Also, traut euch, ihr werdet dafür Belohn für den Mut, mutet euch zu, holt euch Unterstützung und holt euch euer Leben zurück.

01:06:35: Ihr habt das verdient.

01:06:36: Halleluja.

01:06:37: Halleluja.

01:06:39: Markus, ich danke dir sehr, es war wunderbar.

01:06:42: Danke dir, Kathi.

01:06:43: War sehr gerne bei dir.

01:06:44: Ihr Lieben, ich danke euch wie immer fürs Zuhören, fürs Teilen.

01:06:47: Bitte schick diese Folge in die Welt, dass sie möglichst viele Menschen erreicht, dass immer mehr Menschen anfangen, sich zu finden in anderen Geschichten, damit sie realisieren, dass sie nämlich nicht alleine sind mit dem ganzen Scheiß der Vergangenheit und dass es eine andere Zukunft geben kann, trotz und mit Trauma.

01:07:06: Wir haben es in der nächsten Folge wieder.

01:07:08: Bleibt bitte bis dahin zuversichtlich.

01:07:10: Bitte bleibt gesund und genau stets neugierig.

01:07:12: Also, tschüss.