Bewusster leben. Zufriedener sein.
00:00:00: Wenn ein Kind sagt, das tut weh.
00:00:02: Dann tut es dem Kind weh!
00:00:03: Es ist
00:00:04: vollkommen
00:00:04: unbedeutend ob ich der Meinung bin dass kann ja nicht wehtun oder das müsste viel mehr wehtuen und so damit es schlimm ist sondern das Kind sagt es und damit ist die Realität von diesem kind Get happy Bewusster leben zufriedener sein Von und mit Karthik Leff.
00:00:43: Hallo ihr Lieben!
00:00:43: Schön, dass ihr auch in dieser Folge wieder mit dabei seid.
00:00:46: Wie immer hoffe ich, dass es euch gut geht und das ihr in diesem Moment an einem sicheren, an einem wohligen und an einem muckeligen Ort seid.
00:00:54: Neulich hat jemand unter eine YouTube-Folge geschrieben Muckelig
00:00:58: herrlich Ich
00:00:59: liebe es Ja, ich weiß nicht.
00:01:00: Ich verbinde damit auch irgendwie gleich so ein erdendes warmes Gefühl wie eine Wolldecke.
00:01:05: Abgesehen davon ist dieser Begriff eine wunderbare Brücke zum Thema der heutigen Episode und ich sage ohne Übertreibung das Thema dieser Folge ist vielleicht sogar das Fundament für alle Folgen die ich bislang bei Get Happy gemacht habe und für alle folgen die in Zukunft noch machen werde.
00:01:23: Es geht nämlich tatsächlich um unser Grundbedürfnis als Menschen.
00:01:28: Und wir wissen immer noch viel zu wenig darüber, ich finde das Thema gehört unbedingt in die Schule damit auch schon junge Menschen verstehen was eigentlich mit uns los ist und warum Bindung.
00:01:41: Darum geht es nämlich heute.
00:01:43: Ein sogenanntes biologisches Primärbedürfnis ist, dieses Bedürfness verlässt uns unser Leben lang nicht!
00:01:51: Man denkt immer nur kleine Kinder haben Sehnsucht nach Bindung aber das stimmt überhaupt nicht.
00:01:56: wir sind soziale Wesen und ohne Übertreibung und ohne spirituelles Sugarcoating brauchen wir einander besonders in einer Welt die gespaltener zu sein scheint als je zuvor.
00:02:11: Mein Gast in dieser Folge ist Susanne Miraou.
00:02:14: Sie ist Diplom-Pädagogin, sie ist Kleinkind-Pedagogin und Bloggerin und hat unzählige Bücher über das Thema Bindung geschrieben.
00:02:22: Das heißt sie ist eine echte Bindungsaktivistin und deswegen passt sie wunderbar in diesem Podcast.
00:02:27: Ich wünsche mir so sehr dass diese Folge Millionen Menschen erreicht weil es einfach so enorm wichtig ist dass wir begreifen, was Bindung eigentlich bedeutet und dass wir manchmal wirklich sehr verrückte und auch verstörende Dinge tun
00:02:43: um nicht
00:02:44: aus der Bindung zu fallen.
00:02:46: Und häufig verraten wir dabei auch uns selbst.
00:02:49: ich sage herzlich willkommen Susanne Mirau!
00:02:53: Ja ich danke dir.
00:02:54: das war eine wunderschöne Anmoderation für unser Gespräch finde ich und du hast den Nagel auf den Kopf getroffen würde ich sagen
00:03:02: Ja, ich freue mich total auf den Austausch.
00:03:05: Weil als ich angefangen habe mit Deiner Arbeit, mit Dir und Deinen Büchern zu beschäftigen als Vorbereitung auf dieses Gespräch dachte ich Mann!
00:03:14: Wieso ist denn die kein Weltstar?
00:03:16: Das gibt es doch überhaupt nicht weil dieses Thema Bindung also natürlich wer sich tiefer mit Trauma beschäftigt hat auch mit der eigenen Biografie beschäftigt Der hat vielleicht von Bindung und Bindungstheorie, Bindungsdielen schon mal was gehört.
00:03:29: Aber der Mensch in der Mitte der Gesellschaft hat davon überhaupt noch nie irgendetwas gehört.
00:03:37: Wann bist du denn das erste Mal in Kontakt gekommen mit der Bindungenstheorie?
00:03:41: Also ich habe ja Kleinkindpädagogik oder besser gesagt Pädagogic mit Schwerpunkt-Kleinkind-Pädagogick studiert.
00:03:47: Deswegen war das auf jeden Fall im Studium dann irgendwann also Anfang zwanzig so leider noch nicht früher.
00:03:56: Ich möchte alle, die uns zuhören und zuschauen in dieser Folge dazu einladen wenn ihr Das Gespräch euch jetzt anhört.
00:04:04: Dann versucht nicht nur die Haltung einer Mutter oder eines Vaters einzunehmen, es kann sein dass das hier oder da ein bisschen was in euch aktiviert, versucht auch euch daran zu erinnern, dass auch ihr mal klein wart.
00:04:18: also ihr seid sozusagen in einer doppelten Beobachterlage nämlich als Papa oder als Mama aber eben auch als Tochter und als Sohn Also als ganz kleine Wesen, die wir natürlich alle auch wenn wir das vergessen bzw.
00:04:35: verdrängt haben.
00:04:36: Liebe Susanne, lass uns doch wirklich mal basic anfangen!
00:04:39: John Bowlby – ich habe den Namen schon in der Anmorderation genannt – dem verdanken wir die Bindungstheorie aus den neunzehn-fünfziger Jahren ohne jetzt ein stündiges Referat drüber zu halten aber mal so ganz rudimentär.
00:04:52: was ist die Bindungstheorie?
00:04:55: Also die Bindungstheorie sagt eben, dass die Bindungen für uns besonders wichtig sind.
00:05:00: Besonders die frühen Bindung eine Einfluss nehmen da drauf wie wir erst einmal uns entwickeln.
00:05:08: und Bindung ist ein ganzes Leben lang wichtig.
00:05:11: aber gerade die Frühen Jahre prägen schon einmal wie wir uns wahrnehmen, wie wir andere Menschen wahrnehmen Wie wird die Welt wahrnehmen?
00:05:19: Und das ist später durchaus auch veränderbar.
00:05:22: Aber dann eben mit viel Arbeit noch einmal, was darauf kommt und vor allem durch wichtige neue Erfahrungen.
00:05:28: Deswegen kann man halt schon sagen die ersten Jahre sind durchaus auch wichtig.
00:05:33: Auch wenn es später veränderbar ist.
00:05:35: das der Grundstein der da gelegt wird Und dabei müssen wir sehen im Laufe der vielen Jahre hat sich die Bindungstheorie durchaus weiterentwickelt.
00:05:43: Am Anfang ging es sehr sehr viel um Mutter und Kind auch aus der Geschichte heraus, von damals natürlich wie auf die Beziehung geblickt wurde.
00:05:51: Auf die Zuständigkeiten.
00:05:53: und heute wissen wir aber es ist nicht unbedingt die Mutter, die ausschlaggebend ist sondern Menschen wachsen in Netzwerken von Bindung und können unterschiedliche Bindungen eingehen zu unterschiedlichen Menschen.
00:06:06: Wichtiger Nebensatz, gerade schon dieses Bindungsbedürfnis verlässt uns nicht.
00:06:11: Also wir haben nicht nur ein Bedürfniss nach Bindung wenn wir ganz klein sind da ist es überlebensnotwendig Da können vielleicht auch noch mal kurz den Fokus drauflegen das nämlich auch nicht jedem klar sondern Bindung bleibt unser Leben lang ein biologisches Primärbedürfen ist richtig?
00:06:28: Ganz genau!
00:06:29: Das ist nämlich, also selbst wenn wir zurückschauen.
00:06:32: Ich finde das auch so spannend zu gucken Wo kommt eigentlich Bindung her und dass das etwas ist wo wir heute wissen aus der Forschung?
00:06:39: Das ist etwas was als Überlebensvorteil sich entwickelt hat für den Menschen.
00:06:44: weil wir irgendwann In Verbindung mit anderen weniger Ängste gespürt haben Weil wir unseren Stress besser regulieren konnten Hat sich das als überlebensmerkmal verankert in den menschen.
00:06:57: Also es ist unglaublich wichtig früher gewesen, aber eben auch in der heutigen Zeit.
00:07:05: Du hast gerade gesagt und das weiß man mittlerweile aus der Forschung ganz gut.
00:07:10: Man hat ja den Müttern in der Welt immer so diese ganze Verantwortung hingeknallt.
00:07:15: Aber wir wissen heute es muss gar nicht die Mutter sein, die die sichere Bindungsperson ist, aber absolut essentiell ist dass ein Kind eine sichere
00:07:28: Genau, es geht immer darum wie kümmere ich mich um diesen Menschen.
00:07:35: Wie bin ich da?
00:07:37: Wie unterstütze ich und wie wird Vertrauen aufgebaut?
00:07:42: also die Verlässlichkeit der Zuwendung ist besonders wichtig und das ist besonders schön und besonders vorteilhaft wenn das besonders sicher gestaltet wird.
00:07:51: aber je nachdem welche Erfahrungen die Erwachsenen auch mitbringen fällt es ihnen manchmal ja auch schwer, da verlässlich und vertrauensvoll als Bezugsperson zur Verfügung zu stehen.
00:08:05: Und häufig mangelt es ja auch an jemandem der sich um die Person kümmert, die sich um den kleinen Menschen kümmerte?
00:08:12: Ganz genau!
00:08:13: Das ist ja auch wichtig.
00:08:14: also wir betrachten oft zu sehr diesen Fokus auf das Kind aber dahinter steht Die Bezugsperson braucht auch wieder Verbindung Wärme und Nähe, Vertrauen und Unterstützung.
00:08:30: Erzähl mal was gehört alles dazu für ein sicher gebundenes Kleinkind?
00:08:35: Wenn wir jetzt wirklich im psychologischen Schlaraffenland aufwachsen und wir kommen auf diese Welt klein und nackig wie wir sind... Was wäre der absolute Best Case?
00:08:47: mit was wären wir versorgt?
00:08:50: Am besten wäre es natürlich wenn wir zu Menschen kommen die Zeit haben, um uns richtig kennenzulernen.
00:08:58: Und da jedes Kind kommt ja schon oder jeder Mensch kommt ja schon ganz individuell auf die Welt.
00:09:04: Jeder Mensch bringt eigene Temperamentsdimensionen mit, also manche Kinder reagieren auch frei zur Stärker und manchen weniger stark, manche brauchen viel länger um Getröste zu werden, manch brauchen weniger lang... Also wir sind da ganz individuelle!
00:09:19: Und das Wichtige ist erst einmal dass die Bezugsperson sich die Zeit nehmen und das zulassen.
00:09:25: ich lasse mich auf diesen neuen Menschen ein und verstehe wie dieser neue Mensch hier in meinen Armen ist, was braucht nicht allgemein ein Kind sondern was braucht dieses Kind damit es ihm wirklich gut geht und Babys zeigen das halt mit Signalen erstmal an.
00:09:43: Und es geht darum zu verstehen welches Signal zeigst du?
00:09:47: Was brauchst Du jetzt von mir?
00:09:50: Und da sind auch ganz unterschiedliche emotionale Bedürfnisse.
00:09:54: Nein, tatsächlich die emotionalen Bedürfnisse sind ja eigentlich die gleichen, die wir alle mitbringen.
00:09:59: Es geht nur darum zum Beispiel bei Reizen.
00:10:03: Manche Babys reagieren halt stärker darauf brauchen aber dann die emotionale Zuwendung wie auch ein Kind was weniger reizsensibel ist, dass dann die Bezugsperson das wahrnehmen und angemessener drauf
00:10:19: reagieren.
00:10:23: Genau, also wenn zum Beispiel dieses Kind empfindsamer ist dann nehme ich das wahr und passe die Umgebung erstmal daran an.
00:10:32: Weil das Kind hat ja erst mal noch nicht viele Möglichkeiten das eigene Verhalten zu verändern.
00:10:37: Es ist darauf angewiesen, dass die Bezugspersonen schauen was brauchst du und wie kann ich dir das geben?
00:10:43: Und die Größe des Kindes wird, desto mehr es dann die Anforderungen auch der Erwachsenen zu schauen.
00:10:50: Wie kann ich dich darin unterstützen, dass du gut zurechtkommst mit diesen Anforderung in der Welt?
00:10:55: Also kann man nach und nach das ausbauen wenn die Reize immer zu viel sind Dann zu gucken okay Was brauchst Du denn um damit wir einkaufen gehen können.
00:11:03: Und da ist ja nun alles viel Licht und viele Gerüche, und so das nach und nach aus.
00:11:09: Aber wenn die noch ganz klein sind haben sie wenig Möglichkeit da anders mit umgehen zu können.
00:11:15: Da brauchen die es dass erst mal das aufgenommen wird und reguliert wird.
00:11:19: Da ist der Begriff den ihr in diesem Podcast schon millionenfach gehört habt nämlich die berühmte Co-Regulation.
00:11:29: Leben wir in einer Welt mit ganz vielen Erwachsenen, vielleicht mit den meisten Erwachsenden bei denen es ein Mangel war dass sie als Kinder ko-reguliert wurden und deswegen sind Sie heute nicht in der Lage sich selbst zu regulieren?
00:11:42: Ja das ist tatsächlich ein ganz ganz großes Problem.
00:11:45: Also das ist ja ein Problem was wir sehen zwischen den erwachsenen Menschen Und das ist aber auch ein Problem, wenn es dann eben um die Kinder geht.
00:11:55: Also um die nachfolgende Generation.
00:11:58: und natürlich ist es wichtig, dann zu sehen was brauchen die Eltern- Bezugspersonen?
00:12:04: Das können ja auch Lehrperson sein, pädagogische Fachperson in der Kita.
00:12:08: Was brauchen sie eigentlich als ersten Schritt für sich selbst, für die eigene Regulation Um dann gut in der Regulation des Kindes zu sein?
00:12:20: Ein viel zitiertes Beispiel basierend auf der Polyvagaltheorie von Stephen Poichess ist dieses, ja das was leider vermutlich noch in Haushalten bis heute geschieht aber auf jeden Fall bis in die neunziger Jahre viel propagiert wurde auch.
00:12:37: Nämlich dass man Kinder nachts schreien ließ damit sie lernen zu schlafen.
00:12:42: Das ist tatsächlich auch eine Idee die aus der Nazizeit noch stammt und die sich aber hartnäckig gehalten hat.
00:12:50: Und jetzt würde ich euch ihr lieben einladen, wirklich gut auf euch zu achten und auch mal zu beobachten ob euer Nervensystem da vielleicht ein bisschen in Resonanz geht?
00:12:58: Das ist nämlich häufig das weiß ich aus meinen Seminaren wenn es um das sogenannte Toleranz oder Window of Tolerance geht von Daniel Siegel dass es nämlich ganz ganz häufig der Fall was passiert mit Kindern die nachts schreien gelassen werden.
00:13:14: Es wird ja immer noch häufig diskutiert weil wir haben ja keine richtigen Studien.
00:13:20: Also keine Versuche, wo das Kind wird schreien gelassen dieses Kind nicht.
00:13:24: Das ist ja unethisch als Versuch.
00:13:27: Aber wir wissen einfach um die Auswirkungen auf den Stressverarbeitungssystem.
00:13:33: also was macht es wenn das Kind...das weiß ich noch nicht.
00:13:38: bin ich in Sicherheit?
00:13:39: dieser Raum hier der ist gut die Eltern sind irgendwie nebenan Es können keine wilden Tiere her reinkommen Ich werde gefüttert.
00:13:48: All das ist unbekannt, es hat noch gar keine zeitliche Absehbarkeit.
00:13:52: Wann kommt wieder jemand zu mir?
00:13:54: Das heißt, das Kind hat eine Not und weint und das bedeutet dass Cortisol ausgeschüttet wird, dass Adrenalin ausgeschüttert ist.
00:14:04: Es ist Angst da!
00:14:06: Und wir brauchen dann eigentlich jemanden der Nähe gibt und das Kind wieder reguliert, damit es wieder entspannen kann.
00:14:16: Das passiert aber nicht.
00:14:16: Aber irgendwann passiert dann das, dass das Kind aufhört zu weinen.
00:14:21: Das wurde dann halt früher angesehen als das ist der Erfolg.
00:14:25: Tatsächlich ist es die Resignation.
00:14:27: Ich lerne, es wird niemand kommen!
00:14:31: Wenn ich nach Nähe rufe, Nach Begleitung, wenn ich Angst habe, es kommt niemand.
00:14:38: Und natürlich ist dann der Organismus, dass er irgendwann – wenn man sieht das ja auch die Kinder, wenn sie so aufgebracht sind und weinen und schreien, die werden rot.
00:14:46: Sie fangen an zu schwitzen!
00:14:47: Das ist eine absolute Not.
00:14:50: Und irgendwann kann der Körper das nicht mehr.
00:14:52: Dann muss er diese unglaubliche Energie einfach einstellen und hört auf damit.
00:14:58: Aber das Ergebnis ist halt zu lernen es wird niemand kommen.
00:15:04: Aber wenn
00:15:04: Resonanz gehen, ich höre dir zu und merke, wie sich in mir die Traurigkeit ausbreitet.
00:15:09: Weil ich bin Jahrgang dreiundsiebzig.
00:15:11: Ich war voll davon betroffen.
00:15:13: Ich habe meinen Babypass vor ein paar Jahren gefunden.
00:15:16: Und da wurde meiner Mutter die Empfehlung ausgesprochen.
00:15:19: Da war ich zehn Tage alt mich alle vier Stunden ab sechs Uhr morgens zu füttern und ab zwanzig Uhr nachts gar nicht mehr.
00:15:29: Das heißt, ich habe zwischen zwei und zwanzig und sechs Uhr morgens nichts mehr zu essen bekommen mit zehn Tagen.
00:15:36: Ja.
00:15:37: Und das ist das was du gerade auch angesprochen hast.
00:15:39: also das ist etwas was uns alle sehr geprägt hat.
00:15:45: ja Du hast ja auch angesprochen, dass das aus der Nazi-Zeit mitkommt und davor ja auch schon im Behaviourismus sehr, sehr strenge Regeln galten wie man mit Kindern umgehen kann.
00:15:57: Dass man sie nicht verzerrteln soll usw.
00:16:01: Das hat sich sehr lange gehalten.
00:16:04: Also dieses Buch – ich habe es hier hinten auch zu stehen – die Mutter und ihr erstes Kind, das wurde ja noch bis in die achtziger Jahre aufgelegt Das war immer noch als Basis für pädagogisches Fachpersonal.
00:16:19: Es wurde in Hebammschulung eingesetzt, in der Kinderpflege und so ist es das wir über Generationen so aufwachsen mussten und dass es deswegen natürlich auch besonders schwer fällt Bilder im Kopf und Muster zu verändern und überhaupt zu denken dieses naja hat mir ja nicht geschadet Na vielleicht haltet doch, es ist aber oft nicht so offensichtlich.
00:16:46: Aber wenn man dann ein bisschen zurückgeht, das wirst du wahrscheinlich aus deiner Arbeit auch kennen, dass sich dann doch aufdeckt, wo kommt das eigentlich her?
00:16:56: Ja besonders diese Erfahrung und das sehen wir bei Trauma ja ganz viel!
00:17:01: Diese tief verankerte Überzeugung da is niemand Ich muss das hier alleine machen und ich muss hier alleine durchkommen, weil es gibt niemanden den ich um Hilfe fragen kann.
00:17:12: Es kommt einfach keiner Und wenn man jetzt
00:17:15: darüber
00:17:15: nochmal traurig wird dann finde ich das einfach überaus angemessen und sehr menschlich.
00:17:21: Ja Das ist ja auch der erste wichtige Schritt dieses... ich bewerte das erstmal nicht sondern ich nehme das jetzt an und versuche, dass in mein Leben zu integrieren.
00:17:36: Und dann neue Muster zu lernen und zu lernen.
00:17:40: wie darf ich mich eigentlich sicher fühlen?
00:17:44: Wo kann ich andere Beziehungen pflegen?
00:17:47: Wo kriege ich neuen Input für neue Bindungsmuster?
00:17:52: Wie
00:17:52: mache ich das?
00:17:56: Manchmal sind Bücher ein guter Anstoß Aber das Schwierige ist ja, wir brauchen eigentlich Beziehungen.
00:18:08: Wir heilen in Beziehung.
00:18:10: Da ist wieder die Bindungstheorie.
00:18:12: Ja, wir heilen Inbeziehung und wir brauchen die Erfahrung.
00:18:16: Es gibt Menschen auf die kann ich mich verlassen.
00:18:19: es gibt Menschen die mir ganz andere Sachen anbieten, die mir Sicherheit anbieden.
00:18:24: Das Schwierigste ist halt nur dass man manchmal sich nach diesem alten verinnerlichten Muster menschen auch aussucht in der Umgebung, weil man das ja so gewöhnt ist.
00:18:34: Weil das ja eine Form von Sicherheit ist die man erfahren hat und man erstmal erkennen muss.
00:18:41: Das ist zwar das was ich kenne und was deswegen vertraut wirkt aber es ist nicht das gesunde.
00:18:47: Und da hilft dann sehr oft Therapie Coaching zur Unterstützung zu sehen.
00:18:53: welche Muster nutze ich eigentlich um auf andere zu blicken und Beziehungen einzugehen das anders machen und ganz andere Menschen mal kennenlernen.
00:19:04: Also Beispiel, wenn ich jetzt als Kind ... Jetzt sind wir ein bisschen weg von Bindungstrauma eher bei Entwicklungstrauma.
00:19:09: Wenn ich zum Beispiel als Kind eine Mutter hatte die emotional sehr missbräuchlich war weil sie vielleicht selber noch ein inneres Kind in sich hatte dass überhaupt nicht gereift ist oder nicht reifend konnte dann ist die Wahrscheinlichkeit und das Risiko relativ hoch dass ich später auch in emotional-missbräuchtlichen Beziehungskontext lande.
00:19:27: Ja leider.
00:19:29: also es ist nicht absolut Aber die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch.
00:19:34: Da sprechen wir auch von People-Pleasing, was habe ich da gelernt immer anderen gefallen zu müssen und über meine eigenen Grenzen zu gehen?
00:19:43: Und das eben einzustellen von sich aus ist schwer.
00:19:50: Ich habe neulich von Gabau Mathe gehört, dass mittlerweile – und ich hab's auch irgendwo gelesen – das es ganz gut untersucht wird.
00:19:58: Dass im Grunde genommen wenn wir in Therapiekontext sind die Art der Methode für den Erfolg einer Therapie oder eines Heilungsprozesses gar nicht so entscheidend ist sondern das was wirklich entscheidende ist ist die Beziehungsebene damit wir eine sogenannte korrigierende Erfahrung machen können.
00:20:18: Also wie du gerade gesagt hast, auch eine andere Erfahrung.
00:20:20: Kannst du da noch mal näher drauf eingehen bitte?
00:20:22: Weil es ist so schön!
00:20:24: Ja genau das ist das Wichtige.
00:20:27: also es gibt ja viele tolle Methoden aber Method sind halt Method und tatsächlich geht es um die Bindung, um die Beziehung zu der Person.
00:20:39: ich muss Spüren, da ist ein Mensch der ein aufrichtiges Interesse an mir hat.
00:20:47: Auch wenn es in einem Therapiekontext und damit ja auch einen Arbeitskontext ist.
00:20:55: Aber ich muss spüren diese Person ist mir wohlgesonnen und ich fühle mich hier ganz sicher!
00:21:03: Und das ist eine ganz neue Erfahrung die natürlich Manchmal auch in Beratung und Therapien es besonders schwierig macht.
00:21:11: Dann wird auch oft davon berichtet, dass manchmal es eine innere Abwehr auf einmal erst mal dagegen gibt.
00:21:18: Also da ist auf einmal... Und das kann noch nicht sein!
00:21:22: Dass man sich dann innerlich dagegen aufbohnt zu denken, die Person kann doch nicht so nett sein.
00:21:28: Aber genau darum geht es.
00:21:30: Dieses innere Du bist hier sicher, du kannst mir deine Geschichten anvertrauen.
00:21:36: Ich höre dir wirklich aufmerksam zu!
00:21:40: Ich bewerte dich nicht, ich werte dich nie ab, ich werde dich nicht auf und überhöre dich nicht sondern ich nehme dich als Mensch an.
00:21:47: und egal was du hier sagst in diesem Raum das ist das was du mitteilen möchtest und was ich annehme.
00:21:54: also ob man so eine Hand ausstreckt und dieses Geschenk einfach entgegen nimmt Das sollte das Gefühl sein.
00:22:02: Was bei mir total eingeschlagen hat und was ich auch heute versuche, meinen Klientinnen und Klienten weiter zu vermitteln ist dieses, dass man mir glaubt.
00:22:16: Ja!
00:22:17: Also nicht Ich übertreibe... Du hast vorhin auch so einen schönen Täter-Läuer als toxischen Satz gesagt nämlich Mir hat es nicht geschadet.
00:22:27: So schlimm war es nicht, also diese Bagatellisierung der eigenen Biografie.
00:22:32: Sondern dass da in Form einer Traumotherapeutin jemand saß, der das ernst genommen hat und der das nicht relativiert hat und mir immer wieder die Botschaft gesendet hat – ich glaube dir!
00:22:44: Ja, und das ist das Wichtige.
00:22:45: Und das ist ja genau das was ganz, ganz vielen aus der eigenen Kindheit fehlt.
00:22:50: Die Validierung von deinem Empfinden war richtig.
00:22:55: Das war nicht in Ordnung, weil dann immer gesagt wird ja jetzt stelle dich doch nicht so an.
00:22:59: Das ist doch nicht zu schlimm!
00:23:01: Du musst nicht weinen!
00:23:03: Ja also all das sind ja Sätze die dem Menschen sagen dein empfinden ist falsch ich sehe es richtig wie du dich fühlen musst und das ist eine vollkommen neue Erfahrung.
00:23:15: dann auf einmal dass jemand sagt nein das ist richtig weil von außen kann es ja nie jemand beurteilen ob Wie stark ist ein Schmerz?
00:23:26: Das finde ich auch so etwas ganz Wichtiges in Bezug auf Kinder schon.
00:23:30: Wenn ein Kind sagt, das tut weh, dann tut es dem Kind weh!
00:23:34: Es ist vollkommen unbedeutend ob ich der Meinung bin dass kann ja nicht wehtun oder das müsste viel mehr wehtuen und damit es schlimm ist sondern das Kind sagt es und damit ist die Realität von diesem Kind.
00:23:49: Ich hab mal von Thomas Fübel, den kennst du wahrscheinlich auch.
00:23:52: Der hat das so schön auf dem Punkt gebracht und gesagt, wenn ein Kind sagt ich habe Angst dann ist eine normale Reaktion des Erwachsenen es gibt ja gar kein Grund Angst zu haben.
00:24:04: Dann sagt er und damit beantworten wir ein emotionales Bedürfnis mit einer rationalen Erklärung Das heißt die Ebenen stimmen gar nicht auf denen wir uns Begegnen.
00:24:14: Was wäre denn ein adäquater oder guter Umgang, wenn jetzt ein Kind zu mir sagt?
00:24:19: Oder auch eine Freundin ist ja völlig egal!
00:24:22: Also das Thema Emotionen halten... Das hört ja immer wachsende Alter nicht auf.
00:24:27: Das müssen die meisten von uns erst mal lernen.
00:24:29: was wäre denn eine gute Reaktion, wenn jemand sagt ich habe Angst?
00:24:33: Ja natürlich ist erstmal das anzunehmen und zu fragen wie fühlt sich deine Angst an?
00:24:42: Also was ist deine Angst?
00:24:45: und dann kann man halt gucken, was brauchst du?
00:24:48: Ich finde das auch gerade bei Erwachsenen aber auch bei Kindern immer wieder wichtig zu fragen.
00:24:55: Was brauchst Du um damit gut umgehen zu können?
00:24:58: Soll ich brauche meine Nähe?
00:25:00: Wieder eine Bindungsschutzregulation, Hormonausschüttung?
00:25:05: Brauchst du vielleicht etwas, was dir jetzt gerade helfen kann?
00:25:10: Ein Übergangsobjekt ist das ja auch manchmal.
00:25:13: Damit du dich in eine herausfordernde Situation begeben kannst hilft es dir wenn du was in die Tasche steckst.
00:25:22: Was auch immer es ist brauchst du Informationen.
00:25:25: bei Erwachsenen aber das ist nicht das was ich Zuerst mache die Information zu geben, das ist ja nicht so schlimm.
00:25:32: Sondern zu Fragen brauchst du Informationen damit wir deine Angst überprüfen können und damit du spüren kannst, aha!
00:25:40: Und es besser einordnen kannst.
00:25:42: Das geht überhaupt nicht darum was ich wahrnehme sondern dass was brauchst Du.
00:25:48: Welche Rolle spielt nach Deiner Erfahrung der Körper und die Berührung?
00:25:53: Ja...das ist leider etwas was total in unserer Gesellschaft unterschätzt wird Berührung.
00:26:01: Ich glaube, es gibt auch – mir fällt gerade die Autoren nicht ein – die berührungslose Gesellschaft.
00:26:08: Ich habe hier gerade schon wieder ein neues Buch über Berührungen zu liegen weil das tatsächlich etwas ist was ganz grundlegend einfach ist.
00:26:18: Auch da sehen wir ja körperliche Nähe im positiven Sinne mit Menschen, die wir mögen und uns wohlgesonnen sind hilft uns.
00:26:28: Da wird Oxytocin zum Beispiel ausgeschüttet, wir fühlen uns entspannter der Blutdruck geht runter also es wirkt körperlich schon mal auf uns.
00:26:38: diese Nähe und eigentlich ist ja unsere Haut das größte Organ womit wir die ganze Welt wahrnehmen.
00:26:47: Das ist ja schon ein Ausdruck an sich dass wir solche körperliche fühlenden Menschen sind Und dass natürlich dieses Risikoorgan eine Bedeutung hat in unserem zwischenmenschlichen Kontext.
00:27:01: Deswegen ist Berührung, also achtsame Berührungen total wichtig und zwar in jedem Alter sowohl bei den Babys als auch bei den Erwachsenen und auch ganz, ganz stark bei alten Menschen.
00:27:13: Auch da die haben oft zu wenig Berührung wenn sie dann beispielsweise in die Pflege kommen und lange alleine im Betten liegen müssen vielleicht nur durch Waschen oder Haarebürsten Berührungen erfahren.
00:27:27: dabei ist das enorm wichtig für uns.
00:27:31: Du hast mich im Vorfeld dieses Gesprächs, waren wir zwei schon sehr miteinander verbunden.
00:27:35: Das kannst du nicht wissen!
00:27:37: Ich habe mir nämlich einen Vortrag von dir angehört aus auf der TEDx gesprochen in Landau und hast in deiner Speech darüber gesprochen wie du deinen Vater begleitet hast in seinen letzten Stunden.
00:27:48: Und
00:27:51: meine Mutter ist gestorben, zwanzig-fünfundzwanzig und ich war auch die letzten sechsunddreißig Stunden bei ihr und ich hab dasselbe getan wie du.
00:27:59: Ich habe sie nämlich nonstop gestreichelt Weil sie so ... Sie lag dort.
00:28:08: Also, ich musste aus München erst nach Nordrhein-Westfalen fahren mit dem Auto.
00:28:12: Das heißt, ich kam ein paar Stunden später an.
00:28:15: Meine Mutter und ich hatten die Höherin meines Podcasts Wissen das aber ich sag's jetzt nur ganz kurz ohne tiefe Einzelsteigen sehr schwieriges Verhältnis.
00:28:23: Und als ich in dieses Krankenhauszimmer kam, da lag sie da und war in einem wirklich schlimmen Zustand und niemand berührte sie.
00:28:32: Meine Familie saß nur drum herum und unterhielt sich.
00:28:35: Ärzte hatten gesagt, die kriegt gar nichts mehr mit.
00:28:37: Die hat so viel Valium und Morpheum drin.
00:28:41: Sie hat ganz schnell und schwer geatmet.
00:28:46: Ich habe sofort gespürt, der Körper ist in so
00:28:50: höchster
00:28:50: Not und was sie braucht, ist Berührung!
00:28:52: Also ich hatte das Gefühl, dass sie es in sich selber ... wie in einem Gefängnis.
00:28:57: Sie kann nicht mehr kommunizieren, aber sie ist völlig alleine eingeschlossen in ihrem eigenen Körper.
00:29:04: und dann habe ich sie bis zum nächsten Abend... Ich hab natürlich auch mal geschlafen in der Nacht, aber ich habe sie ganz viel gestreichelt und hat mit ihr gesprochen und für sie gesungen Und es hat vielleicht zwei Stunden gedauert und dann beruhigte sich die Atmung Und dann hat sie irgendwann ganz normal geatmet.
00:29:24: und also so viel zum Thema, die kriegt nichts mehr mit.
00:29:26: Das war natürlich großer Blödsinn!
00:29:30: Wie hast du das erlebt?
00:29:33: Oh, das prült mich gerade ganz doll.
00:29:36: Ja, dass ist genau das.
00:29:38: Also ich habe auch eine sehr schwierige Beziehung zu meinem Vater gehabt.
00:29:42: Der ist neunzehnunddreißig geboren diese ganze Erziehung von damals in sich getragen, die sehr emotionslose Erziehungen.
00:29:56: Und genau das war aber auch bei diesen... Also es war genau dass ich habe gemerkt hier ist Berührung notwendig und ich saß dort und hab seine Hand gehalten und einfach gestreichelt und ihm immer wieder gesagt bin hier und tatsächlich also ich habe dann ganz viel Das ging ja über Stunden.
00:30:18: Ich hab ganz viel mit ihm geredet und habe auch noch mal thematisiert, wie schwer das war für uns so.
00:30:26: Und dass es aber okay ist, dass ich das integriert habe und dass er loslassen kann ... Er konnte nicht antworten.
00:30:37: Also er hat ja auch, wo der halt intensiv medizinisch versorgt.
00:30:42: Aber ich glaube ... ganz fest, dass er es gehört hat und das er's gespürt hat.
00:30:48: Und dass ihm das dann den Weg erleichtert hat.
00:30:53: Ja?
00:30:53: Und auch dieses zu sagen ... Das war schwierig.
00:30:57: alles für uns ja aber ich bin trotzdem hier.
00:31:02: Wir gehen jetzt zusammen diesen Weg noch hinaus.
00:31:05: Mhm,
00:31:07: danke fürs Teilen!
00:31:08: Berührt mich natürlich auch wie du dir.
00:31:10: Vorstellen kannst, wenn ihr das Video bei YouTube seht.
00:31:13: Dann werdet ihr vielleicht unsere beiden glasigen Augen ganz gut ganz gut sehen können.
00:31:19: Wo sehen wir diese Bindungsproblematik deiner Meinung nach in der Gesellschaft und auf globaler Ebene?
00:31:29: Ja überall Das ist.
00:31:31: ich kann es immer nicht fassen weil wir haben ja alle Informationen zur Bedeutung von Bindung Und was das mit uns macht Ja, und dass dann die Politik nicht viel mehr investiert in diese grundlegenden Sicherheitsunterstützenden Masken haben für Familien ist für mich sehr unklar.
00:31:57: Auch da gibt es ja auch ganz viele tolle Literatur.
00:32:01: ich habe vor kurzem gelesen von dem Psychotherapeutin Dr.
00:32:05: Klaus Koch Schutzfaktor Bindung Und da geht es um Gesellschaftsentwicklung und Bindung.
00:32:14: Also was macht das mit uns, wenn wir immer lernen dass das Außen gefährlich ist von Kindheit an?
00:32:24: Dass das natürlich ein ganz anderer Blick auf die Welt ist als wenn wir innere Sicherheit spüren.
00:32:33: Wir spüren, dass unsere Bezugspersonen da offen sind, Kompromissfähigkeit mit sich bringen.
00:32:40: Interesse haben am Gegenüber und ich glaube durchaus... Das findet sich auch bei Fuchs ist der Nachname.
00:32:53: Der hat einen Blog darüber wo er psychoanalytisch betrachtet die Geschichten oder Kindheiten von Elon Musk, von Donald Trump.
00:33:06: Von Mussolini das aufarbeitet aus geschichtlichen Quellen Hitler also all diesen Menschen.
00:33:13: und dass es dort einfach sehr starke Hinweise gibt von Bindungserfahrung auf späteres Verhalten.
00:33:22: Da ist mir wichtig an dieser Stelle zu betonen da geht es nie um Entschuldigungen weil sich dann Menschen immer gleich empören und sagen, es mir scheiß egal.
00:33:31: Ich hatte auch eine schwierige Kindheit und bin keine Massenmörder
00:33:33: geworden.".
00:33:34: Klar!
00:33:36: Schon klar... Sondern es geht um Erklärungen, weil würden wir das wirklich auch breitgesellschaftlich?
00:33:43: Also ist ja immer noch irgendwie klar findet es mehr Anerkennung auch durch die Arbeit von Menschen wie dir aber in der Mitte der Gesellschaft ist es eben nicht angekommen.
00:33:53: Und wenn wir diese Zusammenhänge verstehen Dann wissen wir, das wäre ja Traumaprävention at its best, sag ich jetzt mal.
00:34:04: Ja absolut und es ist also... Es ist tatsächlich eine kognitive Dishundanz finde ich permanent zu denken warum?
00:34:16: Warum machen wir das?
00:34:17: Wir sehen doch gerade wie schlimm es ist, welche Fälle, wie viel Gewalt stattfindet ja in Familien aber auch außerhalb von Familien.
00:34:29: Wir sehen wie Menschen abgewertet werden, wie sie diskriminiert werden und das kann man natürlich alles anders lernen von Anfang an.
00:34:41: Das muss nicht sein!
00:34:43: Und deswegen geht es darum einmal diesen Menschen die jetzt so denken was anderes beizubringen.
00:34:51: Sicherheit Zuwendung, wie funktioniert das?
00:34:55: Wie kann ich auf andere Menschen anders zugehen und gleichzeitig die nachfolgende Generationen zu schützen davor dass sich wieder sowas entwickelt.
00:35:06: Man ist immer so versucht zu behaupten Das mit den Emotionen und mit dem kümmern und der Fürsorge, dass ja eher Frauen Sachen, Frauen können das viel besser als Männer.
00:35:16: Stimmt das?
00:35:18: Nein!
00:35:19: Frauen werden dazu erzogen das zu machen, aber es ist absolut nicht geschlechtsspezifisch vorgegeben.
00:35:28: Das ist immer noch ein sich halbender Mythos der auch schon längst widerlegt ist, wo so viele Studien dazu gibt wie die Gehirnentwicklung und die Emotionsentwicklungen sein kann wenn das gleichmäßig unterstützt wird.
00:35:46: Wenn wir halt aufgrund ihrer Zuschreibung zu einem Geschlecht von dem warmen, weichen Fernhalten.
00:35:58: Ja das ist was jetzt häufig eben in Bezug auf Männer passiert ne?
00:36:02: Auf männliche Sozialisationen diese Fokus auf Stärke und Durchsetzungsvermögen keine Schmerzen spüren sich nicht gut um sich zu kümmern Nicht viel selbst für Sorge zu machen muss nicht sein.
00:36:17: Und auf der anderen Seite bei der weiblichen Sozialisation eine Überbetonung, weil es kann... das Bedürfnis ist ja immer da, das emotionale Bedürfen, wie du vorhin auch gesagt hast, dass es da und wenn es nicht beantwortet wird entsteht hier ein Vakuum dort.
00:36:37: Das bedeutet, dass irgendjemand muss es auffüllen.
00:36:42: Wenn Männer nicht lernen das zu machen, dann müssen die Frauen das auffüllen oder sollen sie es auffühlen.
00:36:49: Viel gesünder wäre es natürlich wenn es gleichmäßig verteilt wäre.
00:36:54: Diese Herausforderung ich will Sie gar nicht Unfähigkeit nennen aber diese Herausforderungen die Emotionen anderer zu halten Also die Emotionen von Kindern zu halten, das muss man ja auch wirklich mal sagen.
00:37:07: Das ist ja kein Spaziergang.
00:37:09: Also wenn man so einen richtig wütenden vierjährigen Vorsicht gesehen hat dann kann man schon gut nachvollziehen Kann man damit umgehen, um praktisch die eigenen Emotionen in so einer Situation nicht ebenfalls komplett außer Kontrolle geraten zu lassen.
00:37:27: In anderen Worten, damit voll in Resonanz zu gehen?
00:37:30: Weil das ist ja... Da trifft ja inneres Kind auf äußeres Kind wahrscheinlich!
00:37:35: Ja und das ist das Schwierige.
00:37:37: Dafür müssen wir eine gute Stressregulation eigentlich lernen.
00:37:42: Wir mittlerweile versuchen sehr viele Elternkontrolle über sich zu haben, aber Kontrolle ist ja nicht Regulation.
00:37:53: Gut dass du es sagst schön
00:37:57: und das führt dann langfristig zu weiteren Problemen wenn man halt immer sich denkt ich darf nicht wütend werden muss mich jetzt runter so na das ist nicht das Ziel sondern der Weg ist auch hier wieder selbst Regulation zu lernen.
00:38:11: also wie merke ich ah ich fühle dass mein Herzschlag steigt, ich werde aufgeregter.
00:38:18: Was kann ich jetzt machen?
00:38:19: Wie kann ich damit gut umgehen und vor allem das was du vorhin angesprochen hast innere Sicherheit zu finden?
00:38:27: ja dass Ich weiß dass hier ist jetzt gerade eine Situation mit meinem Kind aber ich bin gar nicht wirklich in Gefahr.
00:38:36: Das was da passiert Ist ne Erinnerung an eine Gefahr die ich vielleicht aus meiner eigenen Kindheit kenne weil ich nicht wütend sein durfte.
00:38:44: Ja, und das ist aber was ganz anderes, wo ich mich jetzt befinde.
00:38:47: Und es ist keine Gefahr jetzt gerade da, ne?
00:38:51: Und daraus aus ... Wenn man das schafft diese Sicherheit wieder in sich zu verankern, daraus kann dann wieder Regulationen geschehen.
00:39:02: Also Emotionen kontrollieren
00:39:04: heißt
00:39:04: Ich darf nicht wütend sein Verdrängung wegdrücken so!
00:39:09: Und Regulation ist das Gegenteil nämlich ich nehme wahr Auf einer körperlichen Ebene mit allen Empfindungen, die dazugehören.
00:39:18: In mir ist eine Wut und das ist sicherlich auch die lauteste Emotion.
00:39:22: aber das wäre der Unterschied.
00:39:24: Ja das hast du ganz schön gesagt
00:39:27: Und die Wut ist ja nicht das einzige.
00:39:29: ebenfalls sehr unpopulär ist die Traurigkeit oder auch das Gefühl von alleine sein also auch etwas.
00:39:36: Es kann man ja das Beispiel von, es gibt gar keinen Grund Angst zu haben.
00:39:39: Das kann man auf die Traurigkeit sofort projizieren, weil den Satz ... Ja, aber es gibt ja gar kein Grund!
00:39:45: Du hast doch alles?
00:39:47: Es gibt auch wirklich keinen Grund traurig zu sein.
00:39:51: Kennst du's?
00:39:52: Total, genau.
00:39:56: Da sind wir wieder da beim Thema Tod.
00:39:59: Auch da versuchen viele Menschen eher Kontrolle.
00:40:03: Also ich mach jetzt einfach weiter, alles ist in Ordnung.
00:40:07: Man muss ja nicht traurig sein, war schon ein alter Mensch.
00:40:10: Aber sich darauf einzulassen auf das Gefühl von Trauer.
00:40:15: Ich darf das erst mal betrauern, ich darf den Verlust betrauen und mich betrauern.
00:40:22: Das darf sein!
00:40:25: Und wenn wir das halten wollen?
00:40:27: Und halten lernen wollen... sind wir dann eingeladen, uns diesen abgespaltenen Emotionen in uns zuzuwenden.
00:40:35: Also wenn wir feststellen euch kann es nicht gut ertragen Wenn jemand um mich herum traurig ist deswegen biete ich Lösungen an wäre das der Weg.
00:40:46: also sprich es beginnt am ende doch bei uns
00:40:49: ja absolut oder sich eben Hilfe zu suchen Unterstützung zu suchen da wieder erst mal so ein bisschen in dieses fühlen zu kommen sich damit auseinanderzusetzen manchmal auch Genau solche Podcasts, eben wie von dir zu hören.
00:41:04: Wo man ja vielleicht manchmal auch denkt ... Ach!
00:41:07: Manchmal ist erst mal die Abwehrreaktion da und dann merkt man aber das Tröpfel so in mich hinein?
00:41:14: Ja, da is doch was.
00:41:16: Und dann bewirkt es irgendwie was.
00:41:20: Mhm.
00:41:20: Ich hab neulich eine Situation gehabt.
00:41:22: Da war der ... Die Tochter einer Bekannten, die war traurig aufgrund von ... Die musste Abschied nehmen von etwas.
00:41:29: Und dann hat die Bekannte als Lösung für diesen Zustand von Traurigkeit, weil sie damit nicht ... Sie konnt's einfach nicht gut ertragen.
00:41:38: Dass ihre Tochter traurig war, gab es erst mal ein Stück Schokolade oder Eis?
00:41:43: Ja, ganz typisches Muster was wir gelernt haben, oder?
00:41:48: Genau und sich dabei überhaupt erst mal anfangen zu beobachten ohne sich im besten Fall dafür hart zu verurteilen.
00:41:54: das wäre ja schon mal ein schöner Einstieg, oder ?
00:41:58: und ich glaube da kann man ganz viel im Alltag sehen, also essen aber auch Konsum.
00:42:06: Wie belohne ich mich nach einem anstrengenden Tag den ich durchgehalten habe weil ich soviel die Zähne zusammen ein bisschen habe oder so.
00:42:17: Also mit Essen, oder mit Alkohol oder damit ich kauf mir heute was besonders Schönes und da einfach mal das zu beobachten und dann reinzuspüren.
00:42:26: Wie geht es denn damit?
00:42:28: Also sprich, da kommt noch eine dritte Komponente dazu nach Emotionen kontrollieren versus Emotion regulieren.
00:42:36: wäre das dann Emotion kompensieren?
00:42:39: Ja
00:42:40: genau Ich sage immer, die Kompensationstrategien helfen uns einfach etwas nicht zu fühlen was wir nicht fühlen wollen.
00:42:50: Also wir manipulieren ja auf eine Art auch unseren Hirnstoffwechsel dadurch?
00:42:55: Ja total und das auch da wieder diesen Blick darauf zu haben dass war wahrscheinlich mal gesund für uns um diese Situation, in denen wir keine Zuwendung, keine passende Zuwendungen bekommen haben zu kompensieren.
00:43:14: Langfristig ist es das wahrscheinlich aber nicht und wir dürfen jetzt heute was anderes lernen.
00:43:19: Aber man darf trotzdem liebevoll auf Sicht dabei blicken und sagen du hast das früher war das eine ganz sinnvolle Strategie die Du erlernen musstest!
00:43:30: Und das würdigen erstmal?
00:43:32: Ja
00:43:35: Ich bekomme oft die Frage gestellt von Frauen zwischen Mitte vierzig, Mitte fünfzig auch mal ein bisschen älter.
00:43:42: Dass ihnen jetzt so aufgrund ihrer eigenen inneren Arbeit und auf dem Weg ihrer eigenen Heilung so bewusst wird, dass sie vielleicht doch einiges weitergegeben haben an ihre Kinder?
00:43:54: Und Sie sehen vielleicht auch Symptome an den Kindern also das die Kinder anfangen zu kompensieren, weil die jetzt dann schon achtzehn- neunzehntzwanzig sind oder sich auch mit Beziehungen schwer tun.
00:44:06: Und dann kommt natürlich erst mal eine riesen Riesenwelle von Schuldgefühlen und ganz viel Scham dazu.
00:44:13: Was kannst du diesen Frauen oder auch Vätern?
00:44:16: Also das sind ja nicht nur Frauen betroffen sondern auch Männer!
00:44:19: Was kannst Du denen nach Deiner Erfahrung auf den Weg geben?
00:44:22: etwas Wohlwollendes?
00:44:25: Genau das ist genau das was wir gerade angesprochen haben.
00:44:28: Das ist hier eine Strategie die sie gewählt haben, weil sie damals sinnvoll und vielleicht auch die einzig machbare war für Sie in der Situation.
00:44:40: Weil sie nicht die Sicherheit hatten von außen, die Unterstützung, Informationen, Möglichkeiten.
00:44:48: So haben wir uns daran angepasst und das Wunderbare ist aber dass wir jederzeit es verändern können.
00:44:55: Ja!
00:44:59: körperlicher Ebene, auf geistiger Ebene.
00:45:04: Jederzeit.
00:45:04: uns gibt kein Alter wo es nicht mehr möglich wäre Muster zu verändern und auch in den Beziehungen die wir haben Auch in der nahen Beziehung das nochmal überarbeiten können.
00:45:16: Und dass ist ein ganz wirklich wirklich wunderbares Geschenk Es für die Kinder Zu sagen wenn man da jetzt Schwierigkeiten hat zum Beispiel zu sagen ich habe das damals falsch gemacht weil das ist die Validierung, die halt worüber wir vorhin gesprochen haben.
00:45:35: Die halt in der Kindheit oft fehlt dass jemand anders sagt nein ein Gefühl ist richtig und selbst wenn wir zwanzig dreißig Jahre später sagen du damals Das war nicht richtig von mir.
00:45:47: ich hätte da mehr auf dich hören sollen Ich hätte dich da mehr unterstützen sollen deine Gefühle annehmen sollen.
00:45:52: dann kommt die Validirung endlich zu sagen oder zu fühlen für das Kind, ich war nicht falsch.
00:46:01: Mein Gefühl war doch richtig und das ist ein ganz großes Geschenk was man in jedem Alter den Kindern noch machen kann.
00:46:12: Also die Anerkennung dessen was war?
00:46:15: Ja
00:46:16: Und was für Auswirkungen hat es, wenn wir jetzt die eigene innere Arbeit machen und tatsächlich lernen gut mit uns in Kontakt zu sein?
00:46:25: Die eigenen Emotionen zu regulieren.
00:46:27: Ich sage mal ganz plakativ rauszukommen aus diesem Vierundzwanzig Sieben Überlebensmodus unserer Kindheit.
00:46:34: Welche Auswirkung hat das auf unser Nahesumfeld?
00:46:38: Das ist tatsächlich manchmal ganz schön schwierig weil wir ja Funktionen übernommen haben in den Dynamiken, in den Beziehungsdynamiken.
00:46:50: Und gerade wenn wir auf dieses People-Pleasing zum Beispiel gucken in der weiblichen Sozialisation ich mach und übernehme immer ganz viel für alle anderen und auf einmal sagen oh ich merke das muss sich nicht!
00:47:05: Ich darf auch mehr auf mich hören und jetzt vielleicht Grenzen setzen gesunde oder mich um Selbstfürsorge kümmern.
00:47:12: Ich nehme mir jetzt Zeit, um mal in Ruhe hier zu sitzen und ein Tee zu trinken also so ganz bewusste Pausen zu machen und springe nicht sofort auf mache nicht alles dann ist das natürlich etwas was das nahe Umfeld erstmal komisch wahrnimmt weil da verändert sich ja auf einmal total die Dynamik Und das kann positiv sein auf jeden Fall für die anderen, weil es etwas wie ein Dominoeffekt in Gang bringen kann.
00:47:42: Dass auch die sich reflektieren können aber es kann auch erst mal als störend empfunden werden.
00:47:49: Na klar wenn man das Gelernte verändert und plötzlich rauskommt aus dem ich stehe hier Oder auch selbst, es muss ja nicht nur die Familie sein.
00:48:02: Es ist ja häufig auch der Freundeskreis, der davon betroffen ist.
00:48:06: Ich finde ... Weiß nicht, was deine Erfahrungen sind?
00:48:10: Besonders die Freundschaften, die schon lange, lange, lang vielleicht sogar schon seit unserer Kindheit bestehen.
00:48:17: Das wäre jetzt die Brücke zu Beginn unseres Gesprächs.
00:48:22: Dass wir ja häufig eben
00:48:25: in
00:48:25: Kontext bleiben die uns vertraut sind.
00:48:29: Das betrifft ja nicht nur romantische Beziehungen, sondern auch Freundschaften und Arbeitsumfelder.
00:48:36: Und plötzlich sieht man vielleicht die Dinge aus einer anderen Perspektive ... Da kommt dann schon mal Sonnt ins Getriebe?
00:48:46: Ja absolut!
00:48:48: Das ist tatsächlich so.
00:48:50: Dann kann man halt gucken, wo kann ich neue unterstützende Erfahrungen machen, Neues kennenlernen.
00:48:57: Ich erlebe das sehr viel bei Frauen insbesondere, die halt dann so in die Perimenopause kommen.
00:49:07: Dass noch mal viel infrage gestellt wird und anders gemacht wird.
00:49:13: Und dass dann im Freundes- und Familienkreis aber ganz oft auch im Arbeitsumfeld nochmal eine Neuorientierung irgendwie stattfindet also sowohl in Partnerschaften als auch eben bei Arbeitsumfeldern.
00:49:28: Ja, das kann ja auch eine ganz schöne Chance sein.
00:49:32: Auch wenn sicherlich die Trauer und die Traurigkeit dazugehört weil ein Kapitel des Lebens zurückzulassen ist halt komplex und ambivalent und findet auf so vielen Ebenen statt und nicht schwarz oder weiß?
00:49:44: Ja absolut!
00:49:46: Und ich glaube auch dass es hier auch ein ganz wichtiger Faktor von neuem fühlen sich dem zu öffnen der Ambivalenz dass Situation eben nicht schwarz oder weiß sind, sondern das ganz viele Sachen sowohl als auch sein können.
00:50:06: Weil das ist auch etwas was wir oft nicht lernen durften durch sehr strikte Ansichten auf Gefühl.
00:50:14: Was darf so?
00:50:15: Was darf du nicht!
00:50:16: Sondern diese Gleichzeitigkeit.
00:50:18: ich kann vor was Angst haben und mich trotzdem auch freuen auf einen neuen Abschnitt.
00:50:24: Ich kann was schön finden, aber vielleicht auch ein bisschen unangenehm.
00:50:28: Und da einfach das darf sein, dass wir uns nicht schon wieder unter Druck setzen zu sagen, du musst dich jetzt für eine Seite entscheiden sondern es ist so!
00:50:39: Wir denken und fühlen.
00:50:42: so
00:50:43: Möchte ich gleich einen Querverweis machen?
00:50:44: Ihr lieben auf die Folge mit Tamara Dietl, falls ihr sie noch nicht gesehen oder gehört habt.
00:50:49: Da geht es nämlich tatsächlich um das was Susanne gerade beschrieben hat, die sogenannte Ambivalenzkompetenz.
00:50:55: Also eine Kompetenz entwickeln diese Anspannungen im Körper auszuhalten also wirklich lernen aus
00:51:02: zu halten
00:51:03: Die innere ambivalenzen in uns verursachen.
00:51:06: deswegen hätten wir's ja gern schwarz oder weiß aber so ist halt das eben nicht.
00:51:14: Ich weiß gar nicht, wie viele Millionen Menschen mittlerweile Stephanie Stahls das Kind in dir muss Heimat finden gelesen haben.
00:51:21: Und
00:51:22: das Thema Nachbeeltern also Reparenting für uns im Grunde genommen die Elternteile werden, die wir nie hatten würde ja bedeuten dem Kind in uns dass immer noch auf der Suche nach Bindung ist im Außen endlich diesen Landeplatz anbieten zu können, das wäre jetzt mal in meinen Worten so beschrieben.
00:51:47: Wie würdest du es erklären wenn es darum geht Sicherheit im eigenen Körper zu generieren und eben ein Ansprechpartner für dieses Kind in uns zu sein dass noch nicht integriert ist?
00:51:59: Ja... Das ist eigentlich schon... Es geht tatsächlich um Endlich-Sicherheit finden.
00:52:09: Also endlich Sicherheit im Außen, in den Beziehungen die ich habe.
00:52:14: Dass sich wirklich Beziehung eingehen kann wo ich sage, die tun mir wirklich gut aber auch endlich Sicherheit in sich selbst finden zu dürfen nämlich zu spüren das ist alles richtig was ich fühle dass ich bin.
00:52:33: Ich darf Sicherheit brauchen Ich darf danach Strebensicherheit irgendwie zu finden, also sowohl innere als auch äußere Sicherheit endlich erlangen zu dürfen.
00:52:49: Ja ich glaube das ist das ganz ganz wichtige was eben vielen fehlt ja wo viele einfach einen Mangel haben.
00:52:59: Also man darf die äußeren Beziehungen durchaus in Frage stellen
00:53:02: auch?
00:53:05: wenn das ungesunde Strukturen, ungesune Muster sind wo man immer wieder sagt ach aber eigentlich ich meine es ist total normal dass man sich auch in Freundschaften oder in Beziehungen mal streitet.
00:53:17: Dass man Diskussionen hat.
00:53:19: Aber wenn immer dieses Gefühl da ist Ich kann nicht vertrauen grundlegend ja?
00:53:28: Oder ich werde immer emotional ein bisschen schwierig behandelt oder vielleicht sogar körperlich.
00:53:41: Das gehört nicht zu Liebe dazu, das ist vielleicht etwas was wir gelernt haben das zu unserem Konzept von Liebe gehört weil wir es erfahren haben dass entweder emotionale oder körperliche Gewalt enthalten sind in Liebe in Beziehung.
00:54:02: Aber eigentlich spüren die Menschen schon, ich bin damit gar nicht richtig zufrieden.
00:54:07: Es tut mir weh, die Beziehung und das darf durchaus in Frage gestellt werden in jedem Alter.
00:54:15: Bindung als biologisches Primärbedürfnis?
00:54:18: Glaubst du es wird die Zeit kommen wo Kindern das in der Schule beigebracht wird?
00:54:23: Ach dass wäre schön!
00:54:25: Ich glaube wenn wir bei Fachkräften das machen würden auch noch mal viel, viel mehr auf Bindung zu achten.
00:54:34: Fürs Lernen, darüber haben wir jetzt gar nicht gesprochen aber wir wissen ja auch dass es fürs Lernen einfach essentiell ist die Beziehung sowie in der therapeutischen Arbeit wird es vorhin angesprochen haben.
00:54:45: so ist es ja auch im Lernen.
00:54:47: im Kontext Schule Die Beziehungen zur Lehrkraft ist unglaublich bedeutend und Kindern beizubringen, auch untereinander gute Beziehungen aufzubauen.
00:55:00: Und die Zugestaltung wäre einfach ein Game-Changer wenn sie schon vielleicht zu Hause ist noch nicht gut lernen können aber dann in der Schule Sicherheit sichere Beziehung eingehen andere Bindungsmuster kennenlernen und ausbilden das wäre eine unglaubliche Ressource für Kinder und für unsere ganze Gesellschaft.
00:55:23: Stimmt, da hatte ich jetzt eine Schere im Kopf.
00:55:25: Weil natürlich müsste man es zuerst in Lehrkräften beibringen.
00:55:29: Die Verena König hat das mal so schön gesagt.
00:55:32: Das häufig Kinder, die eine sehr traumatische oder Erwachsene, die ne sehr traumatisch Kindheit hatten ... Viele von denen hatten einen Menschen im Leben der einen Unterschied gemacht hat.
00:55:44: Also wo schon in der Kindheit oder in der Jugend so ein Hauch einer korrigierenden Erfahrung war.
00:55:51: Und das sind ja häufig Menschen, die bleiben uns auch ganz lange im Herzen und im Gedächtnis – bei mir war das zum Beispiel mein Kunstlehrer!
00:55:58: Wo ich das Gefühl hatte, es war wirklich der Einzige von meinen Lehrkräften,
00:56:04: unmöglich
00:56:05: hält und für schrecklich.
00:56:07: Und meine Karriere wird sowieso im Alkohol unter der Brücke enden, also das wurde meinen Eltern auch prophezeit.
00:56:16: Das werde ich bis heute ... Also Herr Ulrich, falls Sie mich irgendwo mal hören in diesem Podcast?
00:56:22: Ich denke oft an sie!
00:56:24: Das war eben auch unter anderem.
00:56:26: Es gab noch eine Nachbarin, es gab so vereinzelt Personen die in unserer Biografie einen Unterschied gemacht haben.
00:56:33: Absolut, also kann ich auch wieder total aus meiner eigenen Erfahrung mitgehen.
00:56:38: Wer war das bei dir, wenn ich fragen darf?
00:56:41: Ich hatte eine Französisch-Lehrerin, die gesagt hat du Eltern dürfen dich gar nicht so behandeln.
00:56:49: Sollen wir das Jugendamt da einschreiben?
00:56:51: Boah,
00:56:51: der bin mir gleich, oh, der will ich ganz traurig!
00:56:53: Oh, Wahnsinn!
00:56:56: Und das habe ich damals ... nein es ist ja alles normal.
00:57:01: Aber das war total wichtig, dass jemand von außen kommt und sagt du darfst gar nicht so behandelt werden.
00:57:09: Das ist gar nicht richtig!
00:57:11: Und da vollkommendes Verständnis hatte und mich ganz viel unterstützt hat.
00:57:19: Also auch hier Frau Ruf?
00:57:22: Frau Ruff und Herr Ulrich.
00:57:23: Sam's ab Ja, und das sind ja auch gar nicht selten Menschen die nicht aus dem Familiengefüge sind.
00:57:29: Weil diese Toxizität, die häufig in Familiendynamiken wirkt, alle Familienmitglieder betrifft.
00:57:38: Und dieses, worüber wir ja auch gesprochen haben, finde ich bis heute für mich eine der belastendsten Erinnerungen auch ... Diese totale Gewissheit hier stimmt was nicht!
00:57:54: Aber dass der Mummenschanz, der mir vorgespielt wurde.
00:57:58: Dass hier alles normal ist und alle haben auch
00:58:01: mitgelacht.".
00:58:02: Ich hab das zum Beispiel dann viel später in den Dreißigern auf Familien festen.
00:58:07: Wenn ich dann irgendwelche Onkel oder Tanten darüber lachend habe reden hören wie meine Mutter weißt du noch?
00:58:14: Da war sie doch auf dem Dach und wollte runterspringen.
00:58:18: Oder da hat sie monatelang in der Sauna gelebt.
00:58:21: Ha ha!
00:58:21: Weißt Du noch?
00:58:23: Und ich saß daneben und dachte, ...
00:58:26: Ich
00:58:26: kann grad gar nicht lachen.
00:58:27: Weil es war wirklich alles aber überhaupt nicht witzig so!
00:58:33: Aber wenn wir mit drin stecken, glauben wir's ist normal?
00:58:36: Ja, total.
00:58:37: Also ich fand das auch dann im Laufe des Erwachsenwerdens zu merken ... Nee, das stimmt ja, bei anderen ist es ja ganz anders Die haben ja ganz andere Familienstrukturen.
00:58:49: Das ist ja gar nicht normal.
00:58:53: Aber da sind auch wieder die anderen Muster so wichtig, dass wir andere Menschen haben, wo wir auf einmal abgleichen können zu sehen.
00:59:01: Nein das geht ja auch anders!
00:59:03: Man kann sich hier anders begegnen man kann anders miteinander reden über andere Themen reden, anders da sein für einander.
00:59:14: Ein wunderbares Gespräch liebe Susanne und natürlich auch Auch wenn ich nicht die Expertise habe, die du mitbringst.
00:59:20: Aber für mich eines meiner absoluten wichtigsten Nummer eins Lieblingsthemen und Ich werde auch wie du nicht müde dafür zu kämpfen dass dieses Wissen mehr in die Mitte der Gesellschaft getragen wird weil Und das vielleicht so als Quintessenz Dass wir uns das echt nochmal zum Ende dieses Gespräches kollektiv bewusst machen.
00:59:42: Was sind wir Menschen bereit Dafür zu tun?
00:59:46: in der Bindung zu bleiben?
00:59:48: und wie destruktiv kann sich das dann auch manchmal zeigen, in unserem Alltag?
00:59:54: Weil das ist glaube ich vielen gar nicht klar.
00:59:57: Ja absolut!
00:59:59: Also danke ja sehr gerne.
01:00:03: Die Links zu Susannes Arbeit findet ihr natürlich wie immer in den Show-Notes.
01:00:07: Unter dieser Folge dein aktuelles Buch heißt Emotional Load, also quasi das Antidot zum Mental Load.
01:00:15: auch die beiden gehören natürlich zusammen.
01:00:17: deswegen stimmt antidote nicht sondern eigentlich müssten sie ja Hand in hand gehen.
01:00:21: das wäre so schön wenn es noch passieren würde.
01:00:24: ich hoffe es war nicht unser letzter Austausch und ich danke dir von Herzen
01:00:31: auch
01:00:31: klare, sehr liebevolle und besonnene Art.
01:00:35: Und die erreicht einen irgendwie auf so einer tieferen Ebene.
01:00:40: Es war ganz schön sich mit dir auszutauschen.
01:00:42: Vielen Dank!
01:00:44: Das kann ich nur zurückgeben das war wirklich ein richtig... Ich könnte auch deiner Stimme einfach ewig weiter zuhören.
01:00:49: Ich finde es ist die perfekte Podcaststimme.
01:00:51: Vielen dank Danke dir liebe Susanne.
01:00:55: Ich danke euch ihr lieben Menschen, dass ihr diesem Podcast hört das sie ihnen teilt und besonders diese Folge.
01:01:01: es ist uns echt ein Herzensanliegen.
01:01:03: schickt sie in die Welt.
01:01:04: möge sie so viele Menschen wie möglich erreichen.
01:01:07: Traumaprävention beginnt noch vor der Schwangerschaft und ob wir's in unserer Generation auch erleben dass hier Frieden herrscht das weiß ich nicht.
01:01:15: Aber ich darf, wir beide haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
01:01:17: Sonst würden wir diese Arbeit nicht machen!
01:01:20: Wenn ihr meine unterstützen möchtet gibt es ganz viele Möglichkeiten, die findet ihr auch in den Shownotes.
01:01:24: aber was wirklich am leichtesten ist bitte lasst ein Like da, lasst einen Kommentar unter dieser Folge und abonniert den Kanal.
01:01:32: Ihr helft mir damit dem Algorithmus ein Schnippchen zu schlagen und mehr mein Weg hier in die Sichtbarkeit zu finden und dann erreichen diese Themen auch noch viel mehr Menschen.
01:01:45: Bis zur nächsten Folge, bitte bleibt bis dahin, wenn man zuversichtlich gesund und stets neugierig.
01:01:59: Tschüss!